Eigentor der Kaarster Fraktion AfD-Antrag zu korrektem Deutsch strotzt vor Fehlern

Kaarst · Die AfD hat einen Antrag für die Ratssitzung am kommenden Donnerstag mit dem Titel „Korrektes Deutsch in Wort und Schrift der Verwaltung Kaarst“ eingereicht. Warum sie diesen Antrag aber anscheinend nicht redigiert hat.

 Dieser kurze Auszug aus dem Antrag der AfD zu „korrektem Deutsch in Wort und Schrift“ weist bereits vier Fehler auf.

Dieser kurze Auszug aus dem Antrag der AfD zu „korrektem Deutsch in Wort und Schrift“ weist bereits vier Fehler auf.

Foto: Ausriss/Grafik: ki-

Die Kaarster AfD-Fraktion bringt sich nur selten in die politischen Diskussionen ein. Dementsprechend selten stellt die Ratsfraktion auch Anträge. Zuletzt gab es einen Antrag, in dem Steuererhöhungen gefordert wurden, um das Loch im Haushalt zu stopfen, dieser wurde aber abgeschmettert. Nun liegt unserer Redaktion ein Antrag vor, den man nur als Eigentor der AfD bezeichnen kann.

„Korrektes Deutsch in Wort und Schrift der Verwaltung Kaarst“ – so lautet die Überschrift über dem Antrag vom 8. April. Darin fordert die AfD die Verwaltung auf, sicherzustellen, dass alle städtischen Mitarbeiter in ihrem Schriftverkehr korrektes Deutsch „gemäß den Offiziellen Regeln des Rates für deutsche Rechtschreibung verwenden“, wie es heißt. Wer genau hingeguckt hat, sieht: In dem Zitat ist ein Rechtschreibfehler enthalten, „offiziellen“ wird kleingeschrieben. Und das ist nicht der einzige Fehler. Insgesamt zwölf Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehler finden sich in dem Antrag, der „korrektes Deutsch in Wort und Schrift“ von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung verlangt. Und: Der erwähnte „Rat für deutsche Rechtschreibung“ ist kein offizielles Organ, nach dem sich die Verwaltung im Hinblick auf die Orthografie zu halten hat.

Die AfD zielt darauf ab, das Gendern zu unterlassen, und begründet die Forderung mit den „grammatikalischen und orthografischen Regeln des Rates für Deutsche Rechtschreibungen“ – in dieser Formulierung stecken zwei weitere Fehler. „Deutsche“ muss in diesem Fall kleingeschrieben werden. Zudem muss es „Rechtschreibung“ statt „Rechtschreibungen“ heißen. Auch im letzten Satz der Begründung steckt ein Fehler, dort heißt es: „Dazu kommt, dass rund drei Viertel der Bürger Gendersprache ablehnt“, richtig wäre allerdings „ablehnen“.

Doch der Antrag wird in der nächsten Ratssitzung nicht aufgerufen. Grund hierfür: Er sei nicht fristgerecht eingegangen, wie die Verwaltung auf Nachfrage mitteilt. „Sollte der Antrag bestehen bleiben, würde er in der nächsten Ratssitzung im Juni aufgerufen“, teilt Stadtsprecher Peter Böttner mit. Angesprochen auf die Orthografie des Antrages, erklärt Böttner: „Der Verwaltung steht es nicht zu, Fehler in der Rechtschreibung, der Grammatik oder Zeichensetzung eines politischen Antrags zu bewerten. Auf inhaltliche Mängel des Antrags wird die Verwaltung in ihrer Begründung zum Beschlussvorschlag eingehen.“

Und was sagt die AfD selbst zu dem fehlerhaften Antrag? Ratsmitglied Christof Rausch erklärt, dass „leider die nicht redigierte Arbeitsfassung“ versandt wurde: „Die überarbeitete finale Version geht selbstredend neu an die Verwaltung. Inhaltlich wurde sie nicht geändert, jedoch Fehler bereinigt.“

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