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Kaarst: Neue Schilder verbieten das Entenfüttern am See

Kaarst : Neue Schilder verbieten das Entenfüttern am See

Der Naturschutzbund hat Schilder rund um den See am Kaarster Rathaus angebracht, die erklären, was Tieren und Wasser schadet.

Wer Essen in den Stadtparksee wirft, begeht streng genommen eine Ordnungswidrigkeit. Die Ortsgruppe Kaarst des Naturschutzbunds Nabu hat jetzt gemeinsam mit der Stadt drei Schilder rund um den See am Kaarster Rathaus angebracht, die auf ein Fütterverbot für Enten hinweisen. Und dafür gibt es auch einen gewichtigen Grund.

In diesen Tagen ist die Außengastronomie für die Lokale am Stadtparksee zwar kein Thema. Doch bald kommt der Frühling, und dann sitzen die Menschen wieder draußen, essen Pizza und Eis oder treffen sich auf ein kühles Bier. Die unmittelbare Nähe zum Wasser verspricht ein Idyll, doch Besuchern der Kaarster Stadtmitte zog in der Vergangenheit häufig ein unangenehmer Geruch um die Nase. Verursacht wurde er durch Faulschlamm und seine Gase, die durch das Füttern der Enten entstehen. Denn: Weder den Tieren noch dem Gewässer tut die vom Menschen gut gemeinte Nahrungszufuhr gut.

Um das zu verhindern, hat der Nabu drei Schilder rund um den See angebracht. "Die Menschen werfen Brot und Kekse rein, aber auch Pizzareste und Pommes", sagt Nabu-Mitglied Uschi Rau. Solche Backwaren vertragen die Enten aber nicht gut. Sie verklumpen zu einem Brei und lassen sich nur schwer verdauen. "Solches Verfüttern behindert die natürliche Nahrungsaufnahme der Wasservögel. Unsere heimischen Enten ernähren sich von Pflanzen, Samen, Würmern oder Schnecken", erklärt Rau.

Auch in der kalten Jahreszeit ist die Zufütterung nicht für das Überleben der Tiere notwendig, erklärt der Nabu auf seiner Internetseite. Ist ein Gewässer zugefroren, suchen sich die Wasservögel ein anderes Gebiet. Doch weil die Enten um die Fütterung am Stadtparksee wissen, kommen sie derzeit sogar vom Kaarster See in die Stadtmitte. "Deshalb leben hier zurzeit rund 100 Enten", sagt Bettina Maier, zuständige Mitarbeiterin der Stadt Kaarst für Ökologie und Landschaftspflege.

Diese "falsche Ernährung" der Enten sorgt auch für Schaden am See. Nicht gefressene Reste lagern sich am Grund ab und entziehen dem Wasser Sauerstoff. Als Folge davon vermehren sich Algen explosionsartig, am Boden des Sees und an den Uferrändern entsteht eine dicke Schicht Faulschlamm. Die Tiere nehmen dieses Gift wiederum auf und können im schlimmsten Fall daran sterben.

"Nur sauberes Wasser bedeutet Leben. Durch vermehrte Algenbildung und Faulgase droht das Umkippen eines Gewässers", erklärt Uschi Rau. Das "Umkippen eines Gewässers" bezeichnet eine plötzliche katastrophale Zustandsveränderung mit Absterben der meisten Fische. Vor allem stehende Gewässer wie der künstlich angelegte Stadtparksee sind besonders gefährdet. Im "Jröne Meerke" auf der Neusserfurth zum Beispiel stand im vergangenen Sommer der See kurz davor.

Die neu angebrachten Schilder weisen in Kaarst nicht nur auf das Fütterungsverbot hin. Um Verständnis für die Aktion zu gewinnen, klären sie die Passanten auch über die Folgen auf. Angebracht sind sie auf der Brücke im Stadtpark, am Neumarkt sowie an der Passage zwischen Arkaden und See.

(stef)