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Hückeswagen: Wie kann der Wald der Zukunft aussehen?

Wald in Hückeswagen : Wie kann der Wald der Zukunft aussehen?

Der Oberbergische Kreis will mit mehreren Exkursionen durch Waldgebiete im Kreis Wege aufzeigen, der Waldkrise zu begegnen.

Hitzesommer, anhaltende Trockenheit und nicht zuletzt der Borkenkäfer – der Wald hat es in der jüngsten Zeit wahrlich nicht leicht. Daher ist es nur wenig verwunderlich, dass sich Waldbesitzer und auch die Kreisverwaltung verstärkt Gedanken über den aktuellen Zustand und natürlich vor allem auch die Zukunft des Waldes machen. Zuletzt im Februar, als der Oberbergische Kreis auf Schloss Homburg in Nümbrecht zu einer Waldtagung mit dem Titel „Fit für die Zukunft – Oberbergischer Wald im Jahr 2050“ eingeladen hatte. Als, coronabedingt zeitlich etwas verzögerte, Folge wurden für den Herbst vier Exkursionen im oberbergischen Wald angesetzt. Am Freitag fand die erste rund um die Bever-Talsperre statt. Eingeladen hatten der Hückeswagener Forstbetrieb Hardt und die Technischen Betriebe Remscheid – zusammen mit der Katholischen Kirche Wipperfürth die drei größten Waldbesitzer in dieser Region.

25 Teilnehmer waren an den Wanderparkplatz an der Neye-Talsperre zwischen Hückeswagen und Wipperfürth gekommen, darunter auch Landrat Jochen Hagt. Der Landrat betonte die Dramatik der Situation. „Wir sehen es allerorten, dass die Fichtenbestände im großen Stil absterben. Das geht mit drei Fragen einher.“ Zum einen gehe es um die Kosten, die auf die Waldbesitzer zukämen. Aber auch die Verkehrssicherung wegen der Gefahr durch abgestorbene Bäume sowie die Frage, wie es weitergehen könne, seien in diesem Zusammenhang zu bedenken.

Allerdings wisse man heute noch nicht, wie der „richtige“ Wald der Zukunft aussehen könne. „Den Erfolg – oder auch Misserfolg – der jetzigen Maßnahmen, kann man erst in 30 Jahren sehen. Aber eines ist gewiss: Der Wald der Zukunft wird bunter, lebendiger und vielfältiger sein“, sagte der Landrat. Und wichtig sei, dass für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit gesorgt sei. „Diesbezüglich tut es natürlich gut, sich auszutauschen“, meinte Hagt.

Während der gut zweistündigen Wanderung durch den Wald rund um die Bever-Talsperre, bekamen die Teilnehmer dann insgesamt 13 Waldbilder zu sehen. Die Zäsur durch den Sturm Kyrill im Jahr 2007 sei dabei die eine Seite. „Das hat uns als Waldbesitzer natürlich extrem gebeutelt. Aber in den vergangenen 13 Jahren hatte die Natur Zeit, sich zu regenerieren. Der Wald hilft sich selbst“, sagte Hardt. Und, allen schlechten Nachrichten zum Trotz: „Wir wollen mit den Exkursionen auch Mut machen – Mut, dass der Wald eine Zukunft haben kann.“

Dennoch sei keineswegs Zeit, sich zurückzulehnen. „Unsere Bäume sind einen sehr hohen mittleren Jahresniederschlag gewöhnt. Der ist 2019 und 2020 stark gesunken. Daher kommen die Wälder an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit“, sagte Hardt. Der Borkenkäfer sei in diesem Zusammenhang auch eine Folge. „Der Käfer ist nicht die Ursache. Er ist die Folge der Trockenheit und der gesunkenen Leistungsfähigkeit der Bäume“, sagte Hardt. Umso wichtiger sei es nun, den Wald schnellstmöglich mit unterschiedlichen Baumarten aufzuforsten. Und auch Hardt betonte: „Die Zahl der Laubbäume wird drastisch steigen.“

Beim anschließenden Spaziergang zeigten Hardt und Volker Leipzig von den Technischen Betrieben Remscheid etwa einen typischen Mischwald, alten Buchenbestand mit mehr als 100 Jahre alten Bäumen, aber auch durch Kyrill zerstörte Flächen, auf denen Birken oder andere Pioniergehölze angepflanzt wurden. Auch bereits mehrere Meter hohe Esskastanien-Bäume, die von den Technischen Betrieben Remscheid vor 13 Jahren auf von Kyrill geworfenen Fichtenbestandsflächen gepflanzt wurden, zeigten, dass Experimente mit neuen Baumarten gut funktionierten. „Die Bäume sahen zu Beginn nicht so gut aus, aber mittlerweile sind sie sehr gut herangewachsen“, sagte Leipzig.