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Grevenbroich: Kirche fehlen die Sternsinger

Grevenbroich : Kirche fehlen die Sternsinger

Immer weniger Kinder und Jugendliche bringen als Heilige Drei Könige den Segen in die Häuser der Grevenbroicher. Vor allem der katholische Pfarrverband Elsbach/Erft klagt über drastische Rückgänge.

Wenn rund um den Dreikönigstag Kinder und Jugendliche kostümiert als die drei Weisen vom Morgenland den Segen ins Haus bringen, werden sie von den Bewohnern oft freundlich erwartet. Neben einer Spende für ein Hilfsprojekt schenken sie den Sternsingern auch Süßigkeiten oder laden sie zu einem heißen Kakao ein. Die Tradition gerät ins Wanken, denn die Kirchengemeinden haben zum Teil mit akutem Mangel an Sternsingern zu kämpfen.

Im Pfarrverband Elsbach/Erft hat sich die Anzahl in den vergangenen zwei Jahren halbiert. Betreuerin Ute Trienekens hat statt 50 Anmeldungen für dieses Jahr nur noch 24, darunter sind lediglich fünf Neulinge. "Ich kann es mir kaum erklären", sagt sie. Als sie vor 15 Jahren die Aufgabe übernahm, waren es sogar nur acht Kinder, aber kontinuierlich baute sie eine Gruppe von bis zu 60 Sternsingern auf.

Allgemein scheint es im Pfarrverband einen Rückgang bei der Jugend zu geben, denn bei den Messdienern sieht es genauso aus: Von einst 50 sind es heute nur noch 15.

Trienekens vermutet, dass die Kinder neben der Schule, die durch die Ganztagsbetreuung bis 16 Uhr gehen kann sowie durch weitere Freizeitaktivitäten wie Musikunterricht und Sport in den Weihnachtsferien lieber ihre Ruhe haben möchten. Das könne sie auch verstehen, ganz im Gegensatz zu Äußerungen zweier Eltern. "Sie sagten mir unabhängig voneinander, dass ihre Kinder nicht betteln gehen", erzählt Ute Trienekens.

Dieses Argument habe sie in den 15 Jahren zuvor nie gehört. "Die Sternsinger bringen in erster Linie den Segen ins Haus. Über eine Spende, die anderen Kindern zu Gute kommt, freuen sie sich natürlich", so Trienekens.

Am 7. Januar werden die Sternsinger im Pfarrverband Elsbach/Erft die Gemeindemitglieder besuchen. Bei nur der Hälfte an Anmeldungen wie sonst, müssten die Kinder eigentlich doppelt so viel Arbeit leisten. Das mutet ihnen Ute Trienekens aber nicht zu.

"Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder teile ich die Gruppen anders auf, so dass nur noch zwei Sternsinger unterwegs sind und dann an jeder Tür erklären müssen, warum das so ist, oder sie kommen nur noch bei Voranmeldung, wie es andere Gemeinden bereits machen", sagt sie.

Ute Trienekens weiß, dass es die selben Probleme unter anderem auch in Stadtmitte gibt. Besonders schwerwiegend ist dort, dass die Sternsinger das Krankenhaus und drei Seniorenheime besuchen. In die Klinik kann nicht ein Kind von sechs oder sieben Jahren geschickt werden, und die Bewohner der Altenheime freuen sich immer ganz besonders über den Besuch der Heiligen Drei Könige.

(NGZ/rl)