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Rhein-Kreis Neuss: Zweite Chance für Jugendliche

Rhein-Kreis Neuss : Zweite Chance für Jugendliche

Das Berufsbildungswerk Neuss (BBW) am Hammfelddamm verhilft Jugendlichen mit einer schwierigen Vorgeschichte zu einem zweiten Start ins Berufsleben. Die Ausbildung läuft zweigleisig in Lehrwerkstätten und in Betrieben.

Wenn der Lehrvertrag unterschrieben ist, fangen die Probleme manchmal erst richtig an: Das frühe Aufstehen fällt schwer, Kritik einzustecken ebenfalls. Und in der Berufsschule läuft es auch nicht besonders gut. Wenn dann noch die Unterstützung aus dem Elternhaus fehlt, ist der Ausbildungsabbruch programmiert. Doch zu spät ist es dann noch lange nicht: Eine zweite Chance erhalten Jugendliche beim Berufsbildungswerk am Neusser Hammfelddamm. "BaE" – Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen.

In den Lehrwerkstätten im Gebäude des Berufskollegs werden derzeit 42 junge Männer und Frauen zwischen 17 und 24 Jahren in den Berufen Teilezurichter, Metallbauer sowie Maler- und Lackierer im Auftrag der Agentur für Arbeit ausgebildet. Unter ihnen sind Ausbildungsabbrecher genauso wie Jugendliche ohne Schulabschluss oder Förderschüler. "Bei uns bekommen alle eine Chance; wir kümmern uns um jeden einzelnen", sagt Reinhard Hoffmann (67).

Der ehemalige stellvertretende Schulleiter des Berufskollegs hat nach der Pensionierung seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Berufsbildungswerks beibehalten. Er führt die Einrichtung gemeinsam mit dem städtischen Dezernenten Lothar Häck und steckt viel Herzblut in diese Arbeit. Auch Sozialpädagogin Catrin Strahlegger macht den jungen Menschen Mut, auf die Suche nach ihren Stärken zu gehen und sich etwas zuzutrauen. Bestes Beispiel dafür: Im Januar 2011 haben alle zwölf Metallbauer die Gesellenprüfung bestanden.

Das Erfolgsrezept beim Berufsbildungswerk ist das Zusammenspiel von Lehrwerkstatt, sozialpädagogischer Begleitung, Berufsschule und zusätzlichem Stützunterricht - und zwar alles unter einem Dach am Hammfelddamm. Durch dieses engmaschig geknüpfte Netz der Unterstützung kann kaum jemand hindurch fallen. Diese integrative Form der Ausbildung hat für Hoffmann eindeutige Vorteile gegenüber der kooperativen Form, bei der die Teilnehmer in einem regulären Betrieb, aber unter der Regie eines Bildungsträgers ausgebildet werden: "Bei uns werden die Jugendlichen viel intensiver angeleitet. Wir haben daher weitaus weniger Abbrecher."

Doch auch bei einer außerbetrieblichen Ausbildung müssen die jungen Erwachsenen mit der reellen Berufswelt vertraut gemacht werden. Das geschieht in mehreren Praktikumsphasen. "Ziel ist, dass unsere Teilnehmer in eine Ausbildung übernommen werden", erklärt Hoffmann. An seine Mitarbeiter würden hohe Anforderungen gestellt: "Sie müssen viel Geduld mitbringen und sich für ihren Beruf begeistern." Der Lohn für diesen Einsatz: Wenn jemand erzählt, "dass dass er inzwischen eine eigene Familie und eine feste Arbeitsstelle hat".

(NGZ/jul)