Grevenbroich: Politik und RWE diskutieren bei der NGZ über Kohleausstieg

Diskussion mit der mobilen Redaktion : Ende der Kohle ist nicht das Ende der Stadt

Was wird aus Grevenbroich? Diese Frage stellen sich angesichts des vorgezogenen Kohleausstiegs viele. Die Mobile Redaktion der NGZ bot am Donnerstag ein Podium: Politiker und RWE-Vertreter diskutierten und stellten sich den Fragen der Bürger.

Lebhaft diskutiert wurde am Donnerstagnachmittag auf dem Grevenbroicher Marktplatz: Die Neuß-Grevenbroicher Zeitung machte dort mit ihrer Mobilen Redaktion Station – und bot einer Expertenrunde aus RWE-Vertretern und Politikern ein Podium, um darüber zu diskutieren, was die Empfehlungen der Kohlekommission in Berlin für Auswirkungen auf die Schlossstadt haben werden. Was wird also aus Grevenbroich? So lautete die zentrale Frage.

Der Kohleausstieg ist jetzt für das Jahr 2038 angepeilt, sieben Jahre früher als ursprünglich geplant. „Das wird gravierende Konsequenzen haben“, sagte Michael Eyll-Vetter gleich zu Beginn der trotz eisiger Temperaturen gut besuchten Veranstaltung. Eyll-Vetter ist Leiter der Tagebauplanung bei RWE. Er geht davon aus, dass auch das Rheinische Revier von weiteren Kraftwerks-Abschaltungen bis zum Jahr 2022 betroffen sein wird. „Wichtig ist, dass wir wieder Planungssicherheit erhalten, dass der Tagebau Garzweiler zu Ende geführt wird, dass alle Umsiedlungen durchgeführt werden.“

Die Stimmung in den RWE-Betrieben ist gespalten. „Viele Kollegen sind verunsichert“, berichtete RWE-Betriebsrats-Vize und IG-BCE-Sprecher Klaus Emmerich. „Viele fragen sich, was die Regierung aus der Empfehlung der Kommission macht.“ Auf dem Spiel steht viel: Geschätzt 10.000 Jobs hängen an der Braunkohleförderung. „Die Menschen in der Region wissen, dass sie von und mit der Braunkohle leben“, sagte Emmerich. Als Alternativen taugten aus seiner Sicht vor allem tarifgesicherte Arbeitsplätze, keine „Logistikunternehmen mit prekären Arbeitsverhältnissen“. Er betonte: „Die Region ist eine Symbiose. Wir setzen das System leichtfertig aufs Spiel. Der Strukturwandel braucht Zeit.“

Der plötzlich deutlich nähergerückte Kohleausstieg versetzt die ganze Region in Zugzwang. „Wir müssen jetzt ordentlich reinklotzen“, sagte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Attraktive Arbeitsplätze müssen her, zukunftsträchtig, sicher, am besten gut bezahlt. Für neue Industrie im Fokus: das Kraftwerks-Areal in Frimmersdorf und das geplante interkommunale Gewerbegebiet zwischen Grevenbroich und Jüchen, gelegen an der A540. „Der Standort Frimmersdorf soll ein Industrie-Standort bleiben“, sagte Michael Eyll-Vetter. Er kündigt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auch mit der Stadt Grevenbroich an, deren Bedeutung Bürgermeister Klaus Krützen bei der Mobilen NGZ-Redaktion einmal mehr unterstrich. „Die Kommunen haben die größten Herausforderungen und bisher die wenigsten Antworten auf ihre Fragen“, sagte Krützen auf die Frage von NGZ-Redakteurin Gundhild Tillmanns, ob Grevenbroich nach den am Samstag veröffentlichten Empfehlungen der Kommission nicht erschreckt sei. „Das wird für nachdrückliche Änderungen in der Stadt sorgen.“

Landrat Petrauschke betonte, wie wichtig es ist, jetzt nicht in Panik zu verfallen. Gleichwohl sagte er: „Wir müssen jetzt besser und schneller sein als der Rest der Republik.“ Auch Bürger schalteten sich mit in die Diskussion ein, appellierten etwa, zügig neue Infrastruktur zu schaffen – neue Straßen, Bahnanbindungen, schnelleres Internet. Klaus Krützen: „Wir müssen auch größere Projekte schneller starten. Und die Parteien müssen Hand in Hand gehen. Es geht um unsere Region.“ Ein anderer Bürger äußerte Unverständnis: In China würden ständig neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen, während hierzulande ein Ausstieg übers Knie gebrochen werde. Michael Eyll-Vetter von RWE warnte abschließend vor einem Strom-Engpass in den 2020er Jahren, wenn auch die Kernkraftwerke abgeschaltet sind: „Dann kann es eng werden.“ Die Zuschaltung von Gaskraftwerken könne zudem den Strompreis in die Höhe treiben.

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