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Grevenbroich: Englisch am Stammtisch

Grevenbroich : Englisch am Stammtisch

Beim zweiten Treffen des "Brit-Tisches" drehte sich alles um das Ja-Wort von Kate und William. Meinungen über Kleid und Kuss wurden ausgetauscht – nur in englischer Sprache. Jetzt sind weitere Veranstaltungen geplant.

Beim zweiten Treffen des "Brit-Tisches" drehte sich alles um das Ja-Wort von Kate und William. Meinungen über Kleid und Kuss wurden ausgetauscht — nur in englischer Sprache. Jetzt sind weitere Veranstaltungen geplant.

Nur 20 Briten leben in Grevenbroich — offiziell. Einige von ihnen kamen zum zweiten Treffen des neuen deutsch-britischen Stammtisch in die Ratsstube. Dort sorgen Fahnen mit dem "Union Jack" für Heimatgefühle. Zu zehn Gästen können Peter Habura (58) aus Grevenbroich und Kirsty Aretz (40), die aus York stammt, "Hello" sagen. Pünktlich um 20 Uhr wird am "Brit-Tisch" — dieser Name wurde beim ersten Treffen gewählt — nur noch Englisch gesprochen. Jetzt geht es um die Hochzeit von Prinz William und Kate.

Keine Überraschung, dass die meist weiblichen Teilnehmer die königliche Hochzeit verfolgt haben. Ob das elegante Kleid der Braut, der erste kurze Kuss auf dem Palast-Balkon: "Einfach schön" lautete das Urteil, nachdem die Begriffe für "Seide" und "Spitze" geklärt waren.

"Ich lebe schon so lange in Deutschland, dass ich nicht nur Deutsch spreche, sondern auch denke und träume", sagt Donna aus London. "Ich vermisse meine Muttersprache und bin froh, dass ich mich mal auf Englisch unterhalten kann." Die anderen Teilnehmer nicken. Jeder kommt aus einem anderen Grund: Die Enkel sind nach Singapur ausgewandert, ein Teil der Familie lebt in England oder auch aus Interesse an der fremden Sprache und Kultur "von der Insel".

Peter Habura, dessen halbe Familie in England lebt, und Kirsty Aretz haben sich bei einem englischen Konversationskursus an der Volkshochschule kennengelernt und den neuen Stammtisch gegründet. "Für die Deutschen geht es darum, sich zu trauen, keine Angst zu haben, dass sie ausgelacht werden — im Gegenteil, sie erhalten sogar Hilfe", sagt Habura. "Und die Engländer, Iren und Schotten möchten ihre Muttersprache nicht verlernen und andere aus der Heimat treffen."

Für Birgit Flues (37) aus Korschenbroich, die vor 18 Jahren als Au-pair-Mädchen in England war, ist der Brit-Tisch eine Chance, Briten kennenzulernen und Englisch zu sprechen: "Ich habe schon damals schnell gemerkt: Mit Schulenglisch kam ich nicht weit. Deshalb sind diese Treffen optimal." Jennifer Clemens (57) lebt seit 37 Jahren in Deutschland. Geplant war ein Jahr, aber "man sieht ja, was daraus geworden ist", sagt sie lachend. "Bis vor kurzem hatte ich noch die Möglichkeit, mich in der englischen Kirche auszutauschen. Auch in meinem Beruf bei einer Privatbank in Köln habe ich viel mit meiner Muttersprache gearbeitet." Weil es die Kirche nicht mehr gibt und sie woanders arbeitet, vermisse sie die Sprache.

"Wir planen noch einige Veranstaltungen. Zum Beispiel werden wir die Mönchengladbacher Kaserne besichtigen, uns zu einem britischen Frühstück treffen oder eine englische Stadtführung machen", kündigt Peter Habura an.

(NGZ)