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Autogottesdienst am Sonntag in Wankum.

Autogottesdienst in Wankum : Kommunion durch das Autofenster

Zum Gottesdienst mit dem Motto „Don´t shake your hands — shake hearts“ kamen am Sonntag 123 Pkw, zwei Quads und ein Traktor. Die Wiese an der Aerbecker Straße war der perfekte Ort. Weihbischof Rolf Lohmann hielt die Predigt

Wenn es Autokinos gibt, warum dann nicht auch Autogottesdienste? Diese Frage stellten sich die beiden Wachtendonker Thomas Holtmanns, Chef der Firma Tonmann, und Tim Ophey, Geschäftsführer der Eventagentur Blue Place. Sie waren die Hauptinitiatoren des Wankumer Autogottesdienstes der am Sonntag unter freiem Himmel stattfand. Mit ihrer Idee konnten die beiden den Pastoralreferent Frank Ingendae der St.-Marien-Pfarrei schnell überzeugen. Zahlreiche Familien, Pärchen und Einzelpersonen schauten aus der Frontscheibe ihrer Autos in Richtung Bühne und verfolgten das Programm der außergewöhnlichen Eucharistiefeier. „Es dürften knapp 350 Personen hier sein“, schätzte Holtmanns, der gegen halb elf die ersten Zählungen vorgenommen hatte.

Was die Technik für einen derartiges Event anbelangt, ergänzten sich Ophey und Holtmanns hervorragend. Während das Tonamann-Team eine mobile Bühne zur Verfügung stellte, brachte Ophey den Gottesdienst ins Radio. „Die Sendetechnik gleicht der aus dem Autokino“, informierte der Fachmann für Eventtechnik. Unter der UKW-Frequenz „91.3“ konnte man den Autogottesdienst auch in den hintersten Reihen über das Autoradio optimal mitverfolgen.

Pünktlich eröffnete Pastoralreferent Ingendae die Zeremonie: „Besonders freue ich mich, dass Leute aus Herongen, Wankum und Wachtendonk, also der ganzen Gemeinde heute hier versammelt sind.“ Der 57-jährige Weihbischof Rolf Lohmann hielt die Predigt und bewunderte eingangs den Ideenreichtum in der Gemeinde: „Es ist eine große Freude und gleichzeitig auch eine Premiere hier in der Pfarrgemeinde einen so genannten Autogottesdienst zu halten.“ Es sei wichtig, in diesen Krisenzeiten neue Wege zu gehen.

Der Blick von oben auf den Gottesdienst mit Autos auf dem freiem Feld in Wankum. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die drei jungen Nachwuchsredner der St.-Marien-Pfarrgemeinde Jan-Luca Tomaschek, Clara Knuppertz und Katja Wetzels hatten Beiträge über das Miteinander der Menschen auch zu Zeiten der Corona-Krise vorbereit. Pastoralreferent Ingendae hatte die Gemeindemitglieder dazu aufgerufen, im Falle der Zustimmung nicht zu klatschen oder zu nicken, sondern drei Mal laut zu hupen. Clara Knuppertz machte den Anfang und sprach über das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten via Skype, Telefon und anderen digitalen Möglichkeiten. „Social distancing“, „flatten the curve“, „R-Wert“ und „Kontaktsperre“ seien die großen Stichworte in diesen Tagen, sprach auch Jan-Luca Tomaschek. Er zeigte auf, welche neuen Wege beschritten werden können oder bereits gegangen wurden, um die örtliche Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. So gab es den Ostermontagsgottesdienst im Livestreaming zu verfolgen. Durch die langsame Öffnung seitens der Politik sind Kirchengottesdienste zukünftig mit nur 30 Personen wieder möglich. Oder auch eine Eucharistiefeier im größeren Format wie jener Autogottesdienst machen Mut und Hoffnung. „Herr, Danke für die Kreativität und Tatkraft auch in unserer Gemeinde“, beendete Tomaschek seine Rede. Nach sämtlichen Redebeiträgen ertönte ein Hupkonzert über die Weiten des Wankumer Ackers.

Julia Waedt, Anne Hofacker, Rebecca Gallier sowie der Gitarrist Uli Anmann sorgten für musikalische und gesangliche Einlagen auf der „Mobile Stage“. Bischof Rolf Lohmann und seine Helfer verteilten am Ende der Eucharistie die Heilige Kommunion. Sie desinfizierten ihre Hände und zogen sich einen Mundschutz über Nase und Mund, bevor der Leib Christi an die Gemeindemitglieder in ihren Autos verteilt wurden.