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Gelderner Musikschule "Plug&Play" trotzt dem Coronavirus

Musikunterricht in Corona-Zeiten : Gitarrenriffs in Zeiten der Maskenpflicht

Marcel Grothues hat seine Musikschule „Plug & Play“ am Gelderner Südwall wieder öffnen dürfen. Bei der Umsetzung der Vorschriften hilft dem studierten Jazzmusiker sein Improvisationstalent. Im Vorgarten steht ein Wartezelt, Händewaschen, Trennscheiben und Mundschutz gehören selbstverständlich dazu.

Musik soll in erster Linie Spaß machen – so lautet das Credo von „Plug & Play“. Doch am 17. März war erst einmal Schluss mit lustig. Wie so viele Einrichtungen musste auch die Musikschule am Gelderner Südwall wegen des Coronavirus vorübergehend ihre Pforten schließen. Seit vergangenem Montag ist die Zeit der Video-Tutorials und anderer digitaler Unterrichtsformen wieder vorbei. Mit ihren Masken und hochgezogenen Halstüchern erinnern Leiter Marcel Grothues und seine Gitarrenschüler zwar momentan noch etwas an Countrymusiker in einem Saloon. Doch egal – Hauptsache, man sitzt sich wieder gegenüber.

„Wir haben zwar das Beste aus der Situation gemacht. Aber ich bin natürlich froh, dass wir jetzt wieder öffnen dürfen. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, alleine durch die stillen Gänge zu laufen, wo sonst immer so viel los ist“, sagt Grothues, der in Zeiten wie diesen ganz besonders von seiner Ausbildung zum Jazzmusiker profitiert. Diese beherrschen bekanntlich die Kunst der Improvisation. Und so hat der 46-jährige Gelderner alles daran gesetzt, die amtlichen Auflagen so zu erfüllen, dass die rund 200 Schüler und seine 14 Kollegen ab sofort wieder das „Plug & Play“-Feeling genießen können.

Im Vorgarten der Musikschule steht momentan ein Pavillon, in dem sich die Wartezeit auf den Unterricht gerade bei sonnigem Wetter wunderbar überbrücken lässt. Und im Gegensatz zu den relativ engen Fluren im Gebäude lässt sich dort auch der nötige Abstand wahren. Für den Gesangsunterricht, der ebenfalls wieder angelaufen ist, hat Grothues 1,70 Meter hohe Acrylglasscheiben besorgt – eine durchsichtige Trennmauer für Viren jeglicher Art. Das Händewaschen ist aktuell genauso selbstverständlich wie das Einstimmen der Instrumente, die ebenso wie Schlagzeug-Sticks von zu Hause mitgebracht werden müssen. Die Klaviertastaturen werden nach jeder Unterrichtseinheit desinfiziert – mehr Vorsorge ist ganz einfach nicht möglich.

Wahrscheinlich dürfen sich in dieser Woche auch wieder Chöre und Bands (jeweils in Minimalbesetzung) zu den Proben treffen. Allmählich kehrt in der Musikschule am Südwall das Gefühl der Normalität zurück. „Plug & Play“ hat die mehrwöchige Zwangspause halbwegs unbeschadet überstanden. „Wir sind jetzt nicht von der Pleite bedroht, wobei ich allerdings nicht sagen kann, ob wir auch einen zweiten ,Shutdown’ überstehen würden. Ein Beispiel: Erfahrungsgemäß haben wir im beginnenden Frühjahr 20 bis 25 Neuanmeldungen und können damit die Zahl der Schüler ausgleichen, die Geldern und damit auch uns nach dem Abitur verlassen. Diesmal gab’s keine einzige“, erklärt Grothues.

Nach wie vor gibt’s kleine Klippen, die Lehrer und Schüler umschiffen müssen. Angehende Gitarristen müssen ohne Hilfestellung auskommen, wenn’s darum geht, die Finger richtig auf Steg und Saiten zu platzieren. Grothues nimmt’s mit einem Augenzwinkern: „Das ist nicht so schlimm. Manchmal macht man schließlich auch Fortschritte, weil man ein Problem selbstständig lösen muss.“ Auch der Gewöhnungsprozess in Sachen Mundschutz ist auf dem Weg nach oben. „Ich habe zwar immer das Gefühl, lauter sprechen zu müssen. Und zwischendurch gehe ich auch mal auf den Balkon, um Luft zu schnappen. Aber das geht schon alles.“

Die Musik hilft dem Chef, seinen Mitarbeitern und den Schülern dabei, das Leben etwas angenehmer zu gestalten, das sich in Corona-Zeiten überwiegend in den eigenen vier Wänden abspielt. Grothues: „Das gilt aber für alle Menschen, die sich mit irgendeinem Hobby beschäftigen und die Zeit vertreiben können.“

Wie viele seiner Kollegen ist auch der Gelderner Musikschulleiter in seiner Freizeit in einer Band im Einsatz. Während Marcel Grothues ansonsten Zuversicht ausstrahlt, ist er allerdings noch etwas skeptisch, ob er die Menschen demnächst wieder am Bass unterhalten darf. „Zum einen müssen sich Konzerte für den jeweiligen Ausrichter lohnen. Und das sind meistens Gastronomen, die ja selber strenge Regeln einhalten müssen. Außerdem seien wir doch einmal ehrlich: Rock und Jazz mit 1,5 Meter Abstand – das funktioniert irgendwie nicht.“