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Grillweltmeister Oliver Sievers in Erkelenz: "Der Trend geht zum Wild"

Grillweltmeister zu Besuch in Erkelenz : „Der Trend geht im Moment zum Wild“

Der Grillprofi war am Wochenende beim Bike‘n‘BBQ in Erkelenz zu Gast. Mit uns spricht er über Nachhaltigkeit, vegetarische Alternativen – und warum Supermarktfleisch nicht zwingend schlecht sein muss.

Oliver Sievers ist Grillweltmeister, Fleischsommelier und Präsident der deutschen Grillvereinigung GBA. Ob Fleisch oder Gemüse – das Grillen ist seine große Leidenschaft, sich selbst bezeichnet Sievers als „Botschafter des guten Geschmacks“. Am vergangenen Wochenende war der Bochumer zur Großveranstaltung Bike‘n‘BBQ in Erkelenz zu Gast – und hat uns in diesem Rahmen verraten, woran man gutes Fleisch erkennt, was die neuesten Trends auf dem Grillmarkt sind und was man eigentlich als hauptberuflicher Griller macht.

Herr Sievers, es gibt wahrscheinlich nur wenige Menschen auf der Erde, die von sich behaupten können, mit der Grillkultur ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Was macht man in Ihrem Beruf eigentlich genau?

Oliver Sievers Gut, es gibt natürlich unzählige Menschen, die an Grillständen oder in Currywurstbuden arbeiten und damit ebenfalls ihr Geld verdienen. Aber mein Beruf unterscheidet sich davon natürlich. Ich bin amtierender Grillweltmeister und Fleischsommelier. Ich würde mich als Botschafter des guten Geschmacks bezeichnen. Ich trete im Fernsehen auf, habe einen Youtube-Kanal, schreibe Bücher, gebe Kurse, bin Dozent an der Fleischer-Hochschule in Augsburg und trete häufig auch zum Show-Grillen auf Messen oder Stadtfesten auf, wie zum Beispiel jetzt in Erkelenz. Da mache ich dann in der Regel ein Live-Grillen, mache kleine Häppchen, die die Leute probieren können, beantworte Fragen und gebe Autogramme.

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Woran erkennt man gutes Grillfleisch?

Sievers Das ist auf den ersten Blick tatsächlich schwierig. Man sieht aber zum Beispiel, ob Fleisch eine gute Marmorierung hat. Ist ein Stück völlig ohne Marmorierung, ist es entweder ein Filet oder es spricht nicht gerade für die Qualität. Eigentlich muss man Fleisch aber in die Hand nehmen, es eindrücken, um es richtig einschätzen zu können. Ich kann aber auch verstehen, dass das beim Metzger schwierig wird (lacht).

Ist für einen Grillprofi Fleisch aus dem Supermarktregal eigentlich tabu?

Sievers So pauschal würde ich das nicht sagen, denn es gibt mittlerweile auch viele Edeka- oder Rewe-Betreiber, die tolles nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Fleisch hinter die Theke legen. Aber der Kunde muss es auch mitmachen, Qualität hat ihren Preis. Und so einer Wurst sieht man halt leider oft nicht an, ob sie 40 Cent oder zwei Euro gekostet hat. Ich bin auf jeden Fall immer für Qualität.

Welchen Trend beobachten Sie in der Grillszene?

Sievers Vegetarisches und Veganes wird immer wichtiger, schon seit Jahren. Wir haben vor Kurzem die erste vegane Grillmeisterschaft ausgerichtet, bei der ich Schirmherr sein durfte. Das war eine tolle Sache mit super leckeren Produkten. Der Anteil der Menschen, die sich bewusst ernähren und zu solchen Produkten greifen, wird immer größer.

Finden Sie das gut?

Sievers Auf jeden Fall. Man muss ja nicht gleich Vegetarier werden, aber wenn jeder 20 Prozent weniger Fleisch isst, dann ist der Umwelt schon sehr geholfen. Und gleichzeitig kann man von dem dadurch gesparten Geld auch bessere Qualität kaufen.

Welches vegetarische Lebensmittel hat Sie zuletzt auf dem Grill überrascht?

Sievers Da gibt es zum Beispiel sehr schöne Sachen aus Blumenkohl. Schön geschnitten und abgewürzt, da fehlte mir kein Fleisch. Es gibt so viele tolle vegetarische Rezepte. So etwas muss man bei den Meisterschaften aber sowieso schon lange draufhaben, sonst hat man keine Chance. Wenn ich für viele Leute grille, dann muss ich auch etwas Gutes für die Vegetarier machen. Nur Fleisch, das reicht nicht mehr.

Zurück zum Fleisch: Wo geht der Trend in diesem Jahr hin?

Sievers Man hatte zuletzt das Gefühl, das Schwein ist bei vielen Leuten zeitweise in Ungnade gefallen. Das ist nicht mehr ganz so, aber die Leute probieren schon viele andere Sachen aus. Der deutlichste Trend geht im Moment zum Wild. Denn nichts ist mehr bio als Wild. Es lebt in der Natur und meistens direkt vor der Haustür. Die Leute fordern heutzutage Nachhaltigkeit und wollen etwas haben, das aus der Region kommt. Dieser Trend hat sich, glaube ich, auch durch die Corona-Pandemie noch einmal verstärkt.

Ist der Geschmack von Wild denn nicht zu intensiv für die breite Masse?

Sievers Das kommt ganz drauf an, man muss ja nicht direkt mit der Hammelkeule anfangen (lacht). Natürlich hat Wild einen eigenen Geschmack und ist etwas Besonderes. Aber wenn man einen Rehrücken hat, dann erinnert der schon stark an Rind, da ist der Unterschied gar nicht so groß, wie man vorher vielleicht meint. Und wenn einem das schmeckt, dann kann man sich ja weiter herantasten.