Grünen-Chef Robert Habeck auf Wahlkampf-Tour im Duisburger UCI-Kino

Fragerunde statt langer Reden : Habeck und Reintke diskutieren im Kino

Keine Lautsprecher: der Bundesvorsitzende der Grünen und die NRW-Spitzenkandidatin in Duisburg.

Der Mann ist ein Phänomen. Wo er auftaucht, fliegen ihm die Sympathien nur so zu, und der Höhenflug der Grünen ist nicht zuletzt eng mit der Person des smarten 49-jährigen Autors und Politikers aus Schleswig-Holstein verknüpft. Der kann sogar Kanzler, finden zumindest seine Anhänger. Und so war man am Mittwochabend auch in Duisburg auf seinen Auftritt im Europawahlkampf gespannt. Anders als andere sein, das ist auch seine Devise. Und während Polit-Größen wie Katarina Barley (SPD) und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in den vergangenen Wochen auf dem König-Heinrich-Platz auf Tuchfühlung mit den Wählern gingen, wartete Habeck zusammen mit NRW-Spitzenkandidatin Terry Reintke im UCI-Kino am Hauptbahnhof auf.

„Die lange Bank vor dem Hauptbahnhof ist wie ein Steg an der Küste“, befand Habeck gleich zu Beginn und hatte damit die Lacher im nicht ganz voll besetzten Kinosaal auf seiner Seite. Terry Reintke berichtete, dass sie einmal drei Jahre lang in Duissern gewohnt hatte und dass es daher für sie ein wenig sei wie nach Hause zu kommen. Der Duisburger Felix Banaszak, Landesvorsitzender der Grünen, übernahm die Moderation und gab die Marschroute des Abends vor: „Im Wahlkampf ist es ja häufig so, dass Politiker die Leute so lange anschreien, bis sie einen wählen. Wir wollen das bewusst anders machen.“ Und so wurde nach kurzen Eingangsstatements der grünen Prominenz gleich eine Fragerunde mit dem Publikum eröffnet.

Dabei gab sich Habeck so, wie man es von ihm kennt. In hellen Jeans und dunkelblauem Hemd agierte er wie meist unaufgeregt und sachlich. Ein Lautsprecher ist er nun mal nicht. Eigentlich um keine Antwort verlegen, kam er auch bei seinem Auftritt in Duisburg nur einmal kurz verbal ins Straucheln – als er aus dem Publikum gefragt wurde, wie er die umstrittenen Äußerungen seines Parteikollegen Boris Palmer zu einer Imagekampagne der Deutschen Bahn beurteilt. Dies sei „nicht zu rechtfertigen“. Ein Parteiausschlussverfahren gegen Palmer lehnte er indes ab: „Parteiausschulssverfahren führen in der Regel nicht zu Parteiausschlüssen – siehe Sarrazin.“ Dies führe nur zu erhöhter Aufmerksamkeit, „und diesen Gefallen werde ich Boris nicht tun“.

Ansonsten entwickelte sich ein munterer Parforceritt über alle möglichen europäischen Themen, vom Klimaschutz über Landwirtschaft bis hin zur Frage, wie man Wähler bewegen wolle, die Grünen zu wählen, die lange in NRW an der Regierung waren und nicht genug bewegt hätten, wie ein Frager monierte. Dass die Grünen von der „fridays for future“-Bewegung profitierten, war Konsens. Dennoch gehe man in manchen Fragen nicht so weit, wie etwa bei der CO2-Besteuerung, so Habeck. Und am Ende ließ der Pop-Star der Grünen auch noch geduldig Selfies seiner Anhänger mit sich machen.

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