Schwermetall und Leder: Judas Pries, Screaming For Vengeance

Schwermetall und Leder : Judas Pries, Screaming For Vengeance

Die frühen 80er Jahre des letzten Jahrhunderts gehören für Freunde des härteren Rock mit zu den interessantesten. Dezibel-Giganten der ersten Stunde wie Led Zeppelin und Deep Purple hatten sich zwar verabschiedet, doch rückte jetzt eine Generation neuer Bands nach, die noch gitarrenlastiger und kompromissloser zur Sache ging.

Die so genannte New Wave of British Heavy Metal brachte Namen wie Saxon, Def Leppard und Iron Maiden hervor. Ausgelöst wurde diese Bewegung jedoch von Judas Priest. Die Gruppe aus Birmingham, 1969 gegründet, begann mit Bluesrock, legte aber nach mehreren Personalwechseln eine immer härtere Gangart ein.

Ende der 70er Jahre fand das Quintett, das sich nach einem Song von Bob Dylan benannt hatte, vor allem in Japan großen Anklang. Markenzeichen: zwei schneidende Lead-Gitarren, harte Riffs und der falsettartige Gesang von Frontmann Rob Halford — verpackt in schwarzem Leder und jeder Menge Nieten am Revers.

In Europa kam der Durchbruch 1980 mit dem Album "British Steel". Zwei Jahre später ließen sich dann auch die USA von dem Schwermetall-Virus aus England anstecken. Gleich zweimal Platin gab es allein dort für "Screaming for Vengeance", das weltweit zu den größten Verkaufserfolgen der Band zählt. Das Album wurde jetzt zum 30. Geburtstag neu aufgelegt (Sony Music). Zahlreiche Zusatztitel und eine Live-DVD der 83er Tour ergänzen das Songmaterial, aus dem vor allem "Electric Eye" und "You've Got Another Thing Comin'" herausstechen.

Besser als damals waren Priest danach nie mehr. Vielleicht hatte auch ein bizarrer juristischer Prozess die Entwicklung der Gruppe gebremst, die sich 1985 in den USA in einem Gerichtssaal wiederfand. Der Vorwurf: Ein Song auf einer ihrer Platten habe zwei Jugendliche zum Selbstmord animiert. Am Ende stand ein Freispruch. Die Band machte weiter. Heute befindet sie sich auf einer angeblichen Abschiedstournee. Vor drei Jahrzehnten hat sie ein ganzes Genre neu definiert.

(csi)
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