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Albumkritik: "Now" von Fury In the Slaughterhouse

Neues Album nach 13 Jahren : Fury In The Slaughterhouse sind zurück

Das Lied „Time To Wonder“ gehört zu den großen Hits der Band aus Hannover. Nun feiert sie ein Comeback: Das Album „Now“ erscheint am 23. April. Und es ist gut geworden.

Die Band Fury in the Slaughterhouse hat ihr erstes Album nach 13 Jahren „Now“ genannt. Das erinnert von der Idee her an Beatle Paul McCartney, der 2013 – mit Anfang 70 – sein neues Werk „New“ nannte und versuchte, besonders energievoll und aktuell zu klingen. Bei Fury in the Slaughterhouse bleibt es nicht beim Versuch: Mit dem neuen Produzenten Vincent Sorg, der sonst härtere Kaliber wie die Donots oder In Extremo produziert und auch Die Toten Hosen schon im Studio hatte, gelingt es ihnen, die Energie ihrer Live-Auftritte in zwölf mitreißende Aufnahmen zu bannen.

Sänger Kai Wingenfelder ist von diesem Ergebnis so begeistert wie überrascht: „Wir haben uns in den vergangenen zehn Jahren eigentlich überhaupt keine Gedanken mehr über ein neues Album gemacht. Aber dann trafen wir Vincent. Er kann extreme Gitarren, und wir können Melancholie und Pop – und auf der Bühne können wir auch richtig Krawall machen. Mit ihm ist uns die richtige Mischung gelungen.“

Eigentlich hatte sich die Band, die vor allem in den 1990er-Jahren erfolgreich war, über vier Millionen Alben verkaufte und Hits wie „Time To Wonder“ oder „Radio Orchid“ hatte, 2008 mit einer großen Tournee von ihren Fans verabschiedet. Ein Grund war, dass es zu viel Streit im Studio gab. „Aber wir sind auch wirklich Freunde“, sagt Kai Wingenfelder. „Gitarrist Christoph Stein-Schneider und ich kennen uns seit 40 Jahren, haben schon zusammengewohnt. Diese Familie existiert länger als meine mit den zwei Kindern, die ich zu Hause habe.“ So fand man sich immer wieder zusammen – zum Beispiel für Arena-Konzerte in 2017.

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Im Aufnahme-Prozess der neuen Platte gab es erstmals keinen Streit. Vielleicht lag es an einer gewissen Altersmilde: „Wir streiten uns nicht mehr über Kleinigkeiten. Das ist sinnlos und die Sinnlosigkeit haben wir erkannt“, sagt der Sänger. Vielleicht lag es aber auch an der Herangehensweise des neuen Produzenten in seinem kleinen Studio in der Nähe von Münster: „Er hat uns erklärt: Die Bereitschaft eines Künstlers, irgendwas gut zu finden, hört nach vier bis fünf Tagen auf.‘ Also haben wir immer nur einen Song aufgenommen und sind wieder nach Hause gefahren. Das hat gut getan.“

Entstanden sind so zwölf Songs, die unverwechselbar den Geist der alten Fury versprühen, aber in ihrer Soundästhetik und Produktion mühelos an aktuellen Pop anknüpfen können. Oder sagen wir: fast aktuellen Pop. Die neuen Fury in the Slaughterhouse klingen wie U2, R.E.M. und Coldplay in ihren jeweiligen Hochphasen. Das Titelstück „Now“ („Jetzt“) könnte außerdem ein Hit von Damon Albarns Gorillaz sein. „1995“ tönt wie ein Glücksrausch, es geht um die Zeit nach der Tour durch die USA: „Die kleine Band aus Hannover kommt zurück – sogar heil geblieben“, erinnert sich Kai Wingenfelder. „Das war wahnsinnig aufregend.“

Doch dem Sänger ist wichtig: „Das Album ist nicht nur eine Gute-Laune-Bombe.“ „Sorry“ etwa habe er als Entschuldigung für seinen Sohn geschrieben, dem eine zerstörte Erde hinterlassen wird. „Der Text ist simpel gehalten, damit auch jeder Blödmann ihn versteht.. Corona werde irgendwann vorbeigehen, glaubt er und hofft auf eine Tour im Sommer, „aber das Problem des Klimawandels bleibt.“

Info
„Now“ erscheint am 23. April.