Tour-Auftakt im Kölner E-Werk: Calexico lädt den Akku wieder auf

Tour-Auftakt im Kölner E-Werk : Calexico lädt den Akku wieder auf

Die amerikanische Band Calexico hat einen fulminanten Auftakt ihrer Europa-Tournee im fast ausverkauften Kölner E-Werk gefeiert. Denn: Ein Abend mit Calexico lädt den inneren Sehnsuchts-Akku wieder auf.

Denn die Band aus Tucson, Arizona, versteht es nach wie vor meisterhaft, die Landschaften des amerikanischen Südwestens in melancholisch grundierte Klangwelten umzusetzen. Bei Calexico trifft Gitarre auf Orgel auf Bläser, verbinden sich Rock, Jazz und Latin-Rhythmen zu einem mystischen Tanz.

In den Liedern geht es oft um die Suche, um das Unterwegssein im Nirgendwo. Geschichten aus dem Grenzland, gespielt von musikalischen Grenzgängern. Auch dass das neue Album "Algiers" heißt, nach einem Stadtteil von New Orleans, hat nichts am flirrenden, von Mariachi-Trompeten geprägten Cinemascope-Western-Sound geändert. In Europa, in Deutschland vor allem, liebt man die Band dafür mehr noch als in deren Heimat.

So war denn der Auftakt der Tournee im Kölner E-Werk gestern Abend eine Art Heimspiel. Sänger Joey Burns freute sich sichtlich, vor fast vollem Haus aufzutreten. Mitgebracht hatte er nicht nur seinen Freund und festen Band-Kollegen John Convertino (Schlagzeug), sondern auch eine Reihe erstklassiger Musiker, unter denen vor allem Trompeter und Sänger Jacob Valenzuela herausragte.

Großartig, wenn er sich bei "Puerto" und "No Te Vayas" das Mikro mit Burns teilte. Manches lief noch nicht ganz rund im Zusammenspiel der siebenköpfigen Truppe; andererseits bewies die Band angesichts etlicher ruhiger Stücke trotz des Premierenfiebers ihre virtuose Klasse.

Los ging es gleich mit dem Opener vom neuen Album, "Epic", einem typischen, opulent instrumentierten Calexico-Song. Vor allem in der ersten Hälfte des Abends präsentierte die Band etliche Stücke vom neuen Album wie "Splitter" oder "Para", zumeist flächig arrangierte Midtempo-Songs. Nichts gegen die Lieder an sich, aber sie brauchen noch ein wenig, müssen sich erst ihren Platz erobern im Gesamtwerk. Aus dem hätte man gerne mehr gehört.

Zwar streute Burns auch ältere Sachen ein, den Hit "Crystal Frontier" zum Beispiel oder die Rarität "Dead Moon", ein paar mehr, vor allem druckvollere Songs hätten es aber schon sein dürfen. Trotzdem war der Kölner Abend ein gelungener Tournee-Auftakt, entspannt, abgeklärt, ein bittersüßer, wunderbar wehmütiger Gitarren-Gruß aus der Wüste.

(csi)