Musikwettbewerb am 11. Mai Diese neuen Regeln gelten für den ESC in Malmö

Düsseldorf · Der Eurovision Song Contest ist eine große Party, aber trotzdem auch ein Wettbewerb. Um den fair zu halten, gibt es von den Veranstaltern sämtliche Regeln, die eingehalten werden müssen. Wie funktioniert die Abstimmung, was besagen die neuen Regeln, und warum dürfen keine Tiere auf die Bühne?

 Ab 2024 gelten beim ESC drei neue Regeln.

Ab 2024 gelten beim ESC drei neue Regeln.

Foto: dpa/Andy Von Pip

Welche neuen Regeln gelten in Malmö für das Voting?

Auf gleich drei neue Regeln dürfen sich die Zuschauer für den diesjährigen ESC in Malmö einstellen. Zwei davon betreffen das Voting. Die Big Five-Länder und Schweden werden in diesem Jahr dank Regeländerung außerdem im Halbfinale auftreten – ohne bewertet zu werden. Damit bekommen die fünf größten Geldgeber und der Gastgeber, die schon für das Finale gesetzt sind, die Chance, genau so häufig aufzutreten, wie die anderen Teilnehmer. Zwar nicht ganz neu, aber wieder abgestaubt aus den archivierten Regelwerken wieder hervorgeholt, ist die Änderung, dass nun bereits vor der ersten Performance im Finale die Leitungen für das Voting geöffnet werden. Das wurde zuletzt 2011 in Düsseldorf so gemacht. ESC-Fans aus der ganzen Welt können übrigens Online schon beim „Rest of the World“- Voting knapp einen Tag vor Beginn der Final-Show Online abstimmen.

Wer sind die sogenannten „Big Five“?

Als Big Five-Länder bezeichnen sich die teilnehmenden Länder, die zur Veranstaltung des Wettbewerbs finanziell am meisten beitragen und daher den Vorteil haben, automatisch im Finale gesetzt zu sein – genauso wie das Gastgeberland. Zu den Ländern gehören neben Deutschland auch Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien.

Wer ist in den Halbfinals und im Finale stimmberechtigt?

In den Halbfinals stimmen seit 2023 nur noch die Zuschauer darüber ab, wer ins Finale einzieht. Die Jury wurde für die Halbfinals somit abgeschafft. Sonst sind die in den jeweiligen Halbfinals antretenden Länder auch stimmberechtigt sowie – und das ist zumindest teilweise auch neu – die nun auch auftretenden Big Five-Länder sowie das Gastgeberland. Deutschland, Schweden und das Vereinigte Königreich treten im ersten Halbfinale auch und sind daher auch dann stimmberechtigt sind. Frankreich, Italien und Spanien stimmen im zweiten Halbfinale ab und werden dann live auf der großen Bühne zu sehen sein.

Wie funktioniert die Punktevergabe?

Während in den Halbfinals nur die Zuschauer per Televoting abstimmen, haben im Finale sowohl die Fans an den Telefonen und den Apps das Sagen als auch die nationalen Jurys. Die vergeben, nachdem alle Auftritte vorüber sind, 1-8, 10, sowie die Höchstpunktzahl „Douze Points“ an ihren Favoriten. Zusätzlich werden die Punkte der Zuschauer von den Moderatorinnen präsentiert. Dabei bekommt das Land mit den wenigsten Jury-Stimmen zuerst die Punkte, das Land mit den meisten erhält zuletzt die Zuschauer-Punkte.

Wie funktioniert das Televoting?

Das vorneweg: Man kann nicht für das eigene Land abstimmen. Sonst können die Zuschauer aber, und das ist in diesem Jahr neu, von Beginn der Sendung an für ihren Favoriten anrufen oder in der App abstimmen, kostenpflichtig.

Was ist die EBU?

Die EBU, oder vollständig die European Broadcasting Union (Europäische Rundfunk Union) ist ein Zusammenschluss aus über 60 Rundfunkanstalten in über 50 Europäischen und Nordafrikanischen Staaten und Ländern in Vorderasien. Neben den Vollstaaten gibt es noch Dutzende sogenannte assoziierte Sender weltweit. Gegründet wurde das Kooperationsnetzwerk mit Sitz in Genf, um auch die technische Entwicklung der Sender voranzutreiben und zu standardisieren. Dank der EBU konnte beispielsweise die Krönung von Königin Elisabeth II weltweit übertragen werden.

Warum dürfen Israel und Australien teilnehmen?

Israel oder Aserbaidschan etwa dürfen teilnehmen, weil diese Staaten EBU-Mitglieder sind. Außerdem heißt der Wettbewerb „Eurovision Song Contest“ und nicht wie oftmals falsch behauptet oder berichtet „European Song Contest“. Eurovision steht für den Austausch von Fernseh- und Radiomaterial, das schließt Länder außerhalb Kontinentaleuropas nicht aus. Australien hingegen ist kein vollwertiges Mitglied, sondern nur ein assoziiertes. Seit den 70ern wird der Wettbewerb allerdings schon Down Under übertragen, seitdem ist die Nation ESC-verrückt und durfte zum 60. Jubiläum zum ersten Mal am Wettbewerb teilnehmen. Bis heute werden sie regelmäßig eingeladen.

Wie wird die Reihenfolge der Startplätze im Finale festgelegt?

Während die Länder für die zwei Halbfinal-Sendungen noch ausgelost werden, gibt es für das Finale nun ab diesem Jahr die sogenannte „Producers Choice“. 25 der 26 Finalteilnehmer ziehen ein Los, das entscheidet, ob sie in der ersten oder in der zweiten Hälfte des Finales auftreten, oder die Wahl auf das Produzententeam fällt, die die Startposition Hälften-unabhängig wählen. Allein das Gastgeberland (dieses Jahr Schweden) bekommt als gesetzter Finalist einen Startplatz ausgelost. Das heißt: Es gibt jeweils für Hälfte eins und Hälfte zwei Lose für sechs Positionen. 14 weitere Positionen werden von den Produzenten zugeordnet.

Wie setzen sich die Jurys zusammen?

Die Jury besteht in jedem Teilnehmerland aus fünf Experten, ihre Zusammensetzung sollte hinsichtlich Alter, Geschlecht und beruflichem Hintergrund ausgewogen sein. Die Jurymitglieder müssen die Staatsangehörigkeit des Landes besitzen, für das sie im Einsatz sind und dürfen in den letzten beiden Jahren noch nicht Mitglied der Fachjury gewesen sein. Die Jurymitglieder sind der Regel nach Hörfunkmoderator, Musiker, Komponist, Textdichter oder Produzent. Zudem wird darauf geachtet, dass sie in keiner geschäftlichen Beziehung zum Kandidaten des eigenen oder eines anderen Landes stehen. Sie dürfen auch keine Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt des jeweiligen Landes sein.

Wer sitzt in der deutschen Jury?

Wer in diesem Jahr in der deutschen Jury sitzt und die internationale Musik bewerten darf, steht noch nicht fest. Der NDR gibt das meist kurz vor dem Wettbewerb bekannt.

Welche Lieder dürfen teilnehmen?

Die Regeln sind klar: Die Beiträge müssen die jeweiligen Rundfunkanstalten von Anfang September bis Mitte März bekannt geben, der Teilnehmer muss mindestens 16 Jahre alt sein und darf selbstverständlich nur für ein Land antreten. Lieder, die außerhalb der Frist, also davor oder danach erscheinen, werden disqualifiziert. Das Lied muss ein Original sein, also kein Cover, kein Plagiat und muss ohne Samples aus anderen, bereits erschienenen Liedern auskommen. Die Beiträge müssen drei Minuten lang sein, dabei ist es egal, ob sie in der jeweiligen Sprache, auf Englisch oder einer Phantasie-Sprache gesungen werden.

Welche Regeln gelten für den Live-Auftritt?

Es muss auf jeden Fall live gesungen werden, das gilt als oberstes Gebot. Seit Corona dürfen die Delegationen aber entscheiden, ob die Stimmen der Background-Sänger auch live oder aber vom Band kommen. Außerdem dürfen nicht mehr als sechs Leute je Beitrag auf der Bühne stehen. Tiere sind verboten.

Was gilt für politische Bekundungen?

Laut EBU gilt die Regel: „Der ESC ist eine unpolitische Veranstaltung.“ Beiträge mit klarer politischer Botschaft werden kontrolliert und zur Not disqualifiziert. Einer solchen Kontrolle musste sich Israel in diesem Jahr dreimal unterziehen. Der letzte Beitrag aus Belarus (2021), der als Propaganda des Belarussischen Präsidenten Lukaschenkos gewertet wurde, wurde ebenfalls disqualifiziert. So ganz funktioniert das aber nicht immer, zumindest sind die Grenzend fließend. Etwa als die Ukraine 2016 mit dem Lied „1944“ gewann, für viele übermittelte das Lied eine klare politische Botschaft. Jamala sang von Vertreibung von Krimtataren nach Zentralasien durch Stalin.

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