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Kulturtipps zum Wochenende: die Band Wet Leg und eine Comic-Ausstellung in Oberhausen

Kulturtipps zum Wochenende : Punk, Comics und ein Klassiker

Sich lautstark auf der Chaiselongue räkeln, mit Wilhelm Tell von zu Hause die Umwelt retten oder – ganz analog – ins Schloss Oberhausen gehen, um unvollendete Comics zu sehen. Drei Kulturtipps fürs Wochenende.

Post-Punk-Welle Sie schwappten im Sommer von der Isle of Wight mit ihrer Debüt-Single „Chaise Longue“ hinüber nach Großbritannien. In der Postpunk-Welt schlugen Wet Leg mit den beiden Schulfreundinnen Rhian Teasdale und Hester Chambers hohe Wellen, und ihr Video im Stil einer US-Südstaaten-Romantik zwischen Rüschenbluse und Schaukelstuhl wurde bis heute allein bei Youtube fast 2,3 Millionen Mal gestreamt.

Mit der zweiten Single „Wet Dream" im Gepäck sorgten die beiden für ausverkaufte Konzerte in ganz Großbritannien. Jetzt erschienen mit „Too Late Now“ und „Oh No“ zwei neue Singles der Garagen-Indie-Band, für die der ehrwürdige „Rolling Stone“ das Wort „Sensation“ nicht scheute. Nun haben Wet Leg ihr Debütalbum „Wet Leg“ für den April 2022 angekündigt. Dazu geht es ab Frühjahr über die USA und das UK auch für drei Konzerte im Mai nach Deutschland (Köln, München, Berlin). Wem das zu lang dauert, um die motorischen Beats, eine enorme Punk-Bassline und elegisch schrammelnde Gitarren ins Ohr zu bitten, dem sei „Chaise Longue“ online ans Herz gelegt. Ein Song zum Großwerden.

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Den „Kulturnews“ sagte Rhian Teasdale über ihr jüngstes Werk „Too Late Now“: „Es geht um das Schlafwandeln ins Erwachsensein. Ich hätte nie gedacht, dass mein Leben als Erwachsener so aussehen würde, wie es jetzt ist.“ Und das ist auch gut so!

Die Comic-Szene packt aus Für diese Ausstellung wurde emsig in allerhand Schubladen gekramt – und das Ergebnis ist sehenswert: Rund 500 Bilder von gut 50 Comic-Zeichnern sind in der Ausstellung „Unveröffentlicht. Die Comicszene packt aus“ der Galerie Ludwig im Schloss Oberhausen zu sehen.

Mögen Schubert und Beethoven ihre „Unvollendeten“ hinterlassen haben, Wilhelm Busch, Erich Ohser, Willi Kohlhoff, Isabel Kreitz, Ulli Lust und Ralf König, Brösel, Atak, Fil haben ihre eigenen „Unveröffentlichten“. Diese unvollendeten Arbeiten – abgelehnt, zensiert, druckfertig oder unfertig – tragen oft sehr persönliche Handschriften, gerade weil sie nicht an einen Auftrag gebunden sind.

Da gibt es historische Originale und posthum veröffentlichte Geschichten von Comic-Vorreiter Wilhelm Busch. Erich Ohsers Zeichnungen aus den 1930er-Jahren lassen durchblicken, welch schweren Stand die Bilderstrips in dieser Zeit hatten. Da gibt es Zeichnungen von Pionieren wie Willi Kohlhoff und Hansrudi Wäscher aus den 1950er-Jahren, Arbeiten von bekannten Größen wie Isabel Kreitz, Ulli Lust und Ralf König. Brösels „Werner“ schaffte schließlich die massentaugliche Unterhaltung in den 1990ern, während Atak und Fil Goethes „Faust“ umdichteten.

Die Schätze aus der Comic-Geschichte querbeet durch Stile und Gattungen sind bis 16. Januar in der Galerie Ludwig, Schloss Oberhausen zu sehen, dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt vier Euro.

„Wilhelm Tell“ online lauschen Wer das Infektionsgeschehen derzeit misstrauisch beäugt, kann diese szenische Lesung von Friedrich Schillers Drama „Wilhelm Tell“ online genießen.

Im Mai des ersten Corona-Jahres 2020 hatte das Theater Krefeld-Mönchengladbach diese pandemische Notlösung in die virtuelle Welt gebracht, auch wenn der „Tell“ inzwischen sowohl in Krefeld als auch in Mönchengladbach das Bühnenlicht erblickt hat. Noch analog und live zu erleben in Mönchengladbach am 7. und 16. Januar.

Die Lesung seinerzeit im Mai 2020 ist minimalistisch, atmet den Zeitgeist der Pandemie: Alle Darsteller kommen nacheinander schwarz gekleidet mit weißem Mundschutz auf die Bühne und lassen sich auf einzelnen Stühlen im Sitzkreis nieder. Allein dieser Akt des Abstandhaltens wird zelebriert.

Matthias Gehrt und Thomas Blockhaus haben Schillers Klassiker bearbeitet, das heißt gekürzt auf eine verkraftbare Länge von einer Stunde und 20 Minuten. Und sie haben der Bearbeitung eine zeitgenössische Dimension verpasst, in der der feudale Missstand zum ökologischen wird. Ein Klima-Stück, das mit dem Apfel auf des Tochters Haupte gipfelt. Paul Steinbach gibt den Tell, Intendant Grosse den Gessler. Wunderbar minimalistisch, zum Lauschen.