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Rom vertagt die geplante Finanzprüfung im Erzbistum Köln

Debatte um kirchliche Auftragsvergaben : Rom vertagt Finanzprüfung im Erzbistum Köln

Zu einer externen Untersuchung älterer Auftragsvergaben wird es im Erzbistum Köln erst einmal nicht kommen. Rom ordnete an, damit bis zur Rückkehr von Kardinal Rainer Maria Woelki am 2. März zu warten.

Köln wollte prüfen, Rom möchte damit aber noch warten. Auf diese Kurzformel lässt sich das jüngste Schreiben des Vatikans ans Erzbistum bringen. So soll eine externe Untersuchung der Auftragsvergaben im Erzbistum aus den zurückliegenden zehn Jahren erst nach dem 2. März stattfinden, wenn Kardinal Rainer Maria Woelki aus seiner Auszeit nach Köln zurückgekehrt ist. Die Prüfung hatte Weihbischof Rolf Steinhäuser angestoßen, der in Abwesenheit des Erzbischofs das Bistum als sogenannter Apostolischer Administrator leitet. Er wollte prüfen lassen, ob es dabei zu kirchenrechtlichen Versäumnissen gekommen sei.

Den Anstoß dazu gaben mutmaßliche kirchenrechtliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Gutachter- und Beratungsaufträgen, die im Zusammenhang mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt stehen. Aufträge hatten den Betrag von 500.000 Euro überschritten, ab dem gemäß Kirchenrecht die Zustimmung des Domkapitels und des Vermögensrats hätten eingeholt werden müssen. Anfang Dezember waren die Kosten für die beiden Missbrauchsgutachten, Kommunikations- und Rechtsberatung publiziert worden. Dabei entfielen auf die beiden Gutachten 1,27 Millionen Euro. Für das erste Gutachten der Kanzlei WSW sollen 757.500 Euro, für die Expertise der Kanzlei Gercke 516.200 Euro gezahlt worden sein. 820.000 Euro wurden in Kommunikationsberatung, weitere 600.000 Euro für rechtliche Beratung aufgewendet. Das Geld stammte aus dem „Fonds für Bedürfnisse des Bistums".

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Zu diesen Ausgaben sind inzwischen zwei unabhängige kirchenrechtliche Gutachten erstellt worden, die Rom zur Bewertung vorliegen. Dass der Vatikan nun die Prüfung weiter zurückliegender Auftragsvergaben vertagt, ist auf Kritik unter anderem der Reformbewegung von „Wir sind Kirche“ gestoßen. Sie vermutet dahinter eine „Verschleppungstaktik, die eine unabhängige Untersuchung vereitelt“, hieß es. Die Anweisung aus Rom trägt überdies zwei Botschaften. Zum einen wird von einer Rückkehr Woelkis und seiner Wiederaufnahme aller Amtsgeschäfte am 2. März fest ausgegangen - was bislang auch in kircheninternen Kreisen nicht unbedingt als sicher galt. Zum anderen ist dies ein deutliches Signal an Weihbischof Steinhäuser, sich mit Prüfungen früherer Amtsgeschäfte zurückzuhalten. Seinen Gestaltungsspielräumen wurden damit deutliche Grenzen gesetzt.