Strompreis könnte durch den Kohleausstieg um 20 Prozent steigen

Ein Cent je Kilowattstunde: Kohleausstieg könnte Strom 20 Prozent teurer machen

Der Kohleausstieg wird laut RWI-Institut teuer für Stromkunden und Steuerzahler. Dabei zahlen die Deutschen schon jetzt am meisten. Die 9000 Mitarbeiter von RWE Power warten nun auf die Details zum Stellenabbau.

Der Ausstieg aus der Kohle-Verstromung könnte Verbraucher in Deutschland teuer zu stehen kommen. „Nach diversen Studien zu diesem Thema könnte der Kohleausstieg den Strompreis an der Börse um rund 20 Prozent beziehungsweise ein Cent je Kilowattstunde steigen lassen“, sagt Manuel Frondel, Energieexperte des RWI–Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Er bezieht sich auf einen Ausstieg bis 2035. Das bedeute für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von typischerweise 4000 Kilowattstunden 40 Euro im Jahr an Mehrkosten. „Strom wird ohnehin teurer, denn der Ausbau der Erneuerbaren wird über die EEG-Umlage finanziert, die Netzentgelte steigen und mit der Braunkohleverstromung fällt mittelfristig eine günstige Möglichkeit zur Stromerzeugung weg“, erläutert Thilo Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft.

Die Kohlekommission hat empfohlen, bis 2038 aus der Kohle auszusteigen und bereits bis 2022 rund 12,5 der 43 Gigawatt Kohlekraftwerks-Kapazität stillzulegen. Zudem soll bis 2022 der letzte Atommeiler vom Netz gehen. Zwar werden immer mehr Windräder und Solaranlagen installiert, je nach Wetterlage liefern sie aber nicht genug Strom.

Entlastung

Die Kommission rät  dem Bund, die Verbraucher im Gegenzug um zwei Milliarden Euro bei den Netzentgelten zu entlasten. Aber noch ist unklar, wie das geschehen soll und ob die EU das mitmacht. Mit zwei Milliarden Euro könnte etwa die Stromsteuer um etwa ein Drittel gesenkt werden, also von zwei Cent je Kilowattstunde auf etwa 1,3 Cent, so RWI-Experte Frondel. „Aber es ist bislang noch unklar, wie die Entlastung der Stromverbraucher erfolgen soll.“

Der Industrie wäre damit ohnehin nicht geholfen: „Wenn mit den zwei Milliarden Euro etwa die Stromsteuer gesenkt würde, wäre der Industrie wegen ihrer Ausnahmeregelung bei der Stromsteuer nicht geholfen“, so Frondel. Auch der CDU-Wirtschaftsrat ist alarmiert. Er mahnte, dass die Stromversorgung sicher und bezahlbar bleiben und der Netzausbau beschleunigt werden müsse. Bundesweit sei erst ein Achtel des Stromnetzausbaus von 7700 Kilometern realisiert worden. Deutsche Verbraucher zahlten schon heute die höchsten Preise in Europa. Berlin wiegelt ab: „Die Regierung wird alles tun, damit die Verbraucher vor Strompreisanstiegen durch den Umstieg von Kohle auf erneuerbare Energie geschützt werden“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Steuerzahler

„Stärker werden die privaten Haushalte in Form von Steuern durch die in Aussicht gestellten 40 Milliarden Euro für die Kohle-Bundesländer in Mitleidenschaft gezogen“, so RWI-Experte Frondel. „Diese Belastung wäre vermeidbar, wenn man den Kohleausstieg dem Markt, sprich steigenden Preisen für Kohlendioxid-Zertifikate im EU-Emissionshandel, überlassen würde.“ Doch die Bundesregierung wolle offenbar teure Symbol-Politik zu betreiben, die für den weltweiten Klimaschutz wenig bringt.

Anleger

Den Anlegern gefiel der sich abzeichnende Anstieg der Strompreise und die in Aussicht gestellten Milliarden-Kompensationen, erläuterte der Commerzbank-Analyst. Die Aktien von RWE und Uniper notierten zeitweise im Plus.

Stellenabbau

Die Mitarbeiter von RWE müssen auf Details zum Stellenabbau noch warten. Im rheinischen Revier sind bei der Kraftwerkstochter RWE Power 9000 Mitarbeiter direkt in Tagebauen und Kraftwerken beschäftigt. Die Braunkohle-Arbeitsplätze werden mit dem Ausstieg bis 2038 wegfallen. Schon bis 2023 soll es laut RWE-Chef Rolf Martin Schmitz einen „signifikanten Abbau“ geben. Bis 2030 könnten es laut Konzernkreisen bereits einige Tausend Stellen sein, die gestrichen werden. Wann welcher Block abgeschaltet wird, hängt von den nun kommenden Verhandlungen ab. Bereits klar ist, dass der Abbau sozialverträglich erfolgen soll. „Es soll sichergestellt werden, dass den Beschäftigten keine unbilligen sozialen und wirtschaftlichen Nachteile entstehen. Insbesondere müssen die betroffenen Unternehmen in die Lage versetzt werden, betriebsbedingte Kündigungen ausschließen zu können“, heißt es im Kommissionsbericht.

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