Kabelwerk in Mönchengladbach-Rheydt: Nexans plant großen Stellenabbau in Deutschland

Kabelwerk in Mönchengladbach : Nexans plant großen Stellenabbau in Deutschland

Der Kabelhersteller will 600 Stellen in Deutschland streichen. Im traditionsreichen Kabelwerk in Rheydt sollen 110 der rund 400 Arbeitsplätze wegfallen. Das Werk in Hannover soll ganz aufgegeben – und die dortige Zentrale nach Mönchengladbach verlegt werden.

Der nächste Mönchengladbacher Industriebetrieb steht vor heftigen Einschnitten: Der französische Kabelhersteller Nexans plant den Abbau von 110 der rund 400 Arbeitsplätze im Rheydter Kabelwerk. Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Donnerstag entsprechende Informationen unserer Redaktion. Die Mitarbeiter wurden am Nachmittag bei einer Versammlung über die Schritte informiert, teilte der Konzern mit.

Im selben Zug wird die Zentrale der deutschen Tochter von Hannover nach Mönchengladbach verlagert. Dies betrifft rund 30 Mitarbeiter. Gleichzeitig soll das Werk in Hannover ganz aufgegeben werden. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers betrifft dies 470 Jobs, die abgebaut oder verlagert werden sollen. An allen deutschen Standorten will Nexans rund 600 Arbeitsplätze streichen. Auch die Standorte in Hof und in Nürnberg sind betroffen, der Standort in Bramsche in geringerem Maße. Insgesamt beschäftigt die deutsche Tochter des französischen Konzerns eigenen Angaben zufolge rund 2000 Mitarbeiter in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurden bereits bei Schorch, General Electric und SMS Group in Mönchengladbach Stellen abgebaut.

In Kürze sollen die Gespräche mit Tarifpartnern und Arbeitnehmervertretern über den geplanten Stellenabbau beginnen. Ende des Jahres soll die Umstrukturierung abgeschlossen sein. Auch betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. „Uns ist bewusst, dass die nun anstehenden Konsultationsprozesse sehr schwierig für unsere Mitarbeiter und ihre Familien sind“, teilte der Sprecher mit. Bei den Verhandlungen würden auch die „Leistungen und die Unterstützung seitens des Unternehmens stehen, die dazu beitragen sollen, betroffenen Mitarbeitern einen erfolgreichen Übergang in eine neue Beschäftigung zu erleichtern“.

Die IG IG Metall in Mönchengladbach kritisierte die neuerlichen Einschnitte in dem traditionsreichen Kabelwerk. „Es ist schon sehr heftig, dass man offensichtlich keine Probleme damit hat, Hannover ganz zu schließen und in Mönchengladbach deutlich abzubauen“, sagte Reimund Strauß, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Mönchengladbach. „Das Werk in Mönchengladbach hat sich gut entwickelt, die Auftragsbücher sind recht gut gefüllt.“

Der Konzern begründete die Schritte damit, dass das Rheydter Kabelwerk trotz hoher Auslastung und „großer Anstrengungen und Anpassungen immer noch nicht profitabel“ sei. „Die Gründe dafür sind zu hohe Kosten und hoher Preisdruck, verursacht durch aggressive Wettbewerber sowie zu hohe technische und organisatorische Komplexität“, sagte ein Sprecher.

Außerdem habe es in den Bereichen Mining (also Kabel für Bergbau) und Navy (Schiffe) in Deutschland einen starken Rückgang gegeben. Im Bereich Schiffskabel hatte der Standort Mönchengladbach im Jahr 2017 den Verlust eines Großkunden zu verkraften, teilte die Nexans Deutschland GmbH in ihrer erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Bilanz mit. Das habe auch der starke Bereich Windenergie nicht auffangen können. Dadurch lag das operative Ergebnis unter Vorjahr und Budget.

Generell hat sich 2017 die Ertragslage deutlich verschlechtert. Der Umsatz der Nexans Deutschland GmbH ging laut Unternehmensbilanz um knapp vier Prozent auf 309,5 Millionen Euro zurück. Der Jahresüberschuss sank von 23,6 Millionen Euro (2016) in sich zusammen auf 1,2 Millionen Euro. Weil die deutsche Tochter aber auch noch schlechte Ergebnisse aus den vergangenen Jahren vor sich herschiebt, wies das Unternehmen für 2017 einen Bilanzverlust von 49,5 Millionen Euro aus. Offenbar reichte es jetzt dem französischen Mutterkonzern, der am Donnerstagmorgen in Paris Veränderungen ankündigte. Am Nachmittag kamen diese Entwicklungen dann auch in Hannover und Mönchengladbach an.

Die Produktion von Papierkabeln, Sensorkabeln, Bahn- und Bahninfrastruktur in Mönchengladbach soll fortgeführt werden. Der Bereich Windenergie soll ausgebaut werden.

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