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Deutschlands größte Flughäfen streiten mit Lufthansa

Wegen Verspätungs-Chaos : Deutschlands größte Flughäfen streiten mit Lufthansa

Unmittelbar vor dem Luftfahrtgipfel am kommenden Freitag attackieren die vier größten Flughäfen Deutschlands ihren wichtigsten Kunden. Beide Seiten streiten schon länger über die Ursache für das Verspätungschaos im Sommer 2018.

Der für Freitag geplante Luftverkehrs-Gipfel in Hamburg wird von einem großen Krach zwischen den vier wichtigsten deutschen Flughäfen und der Lufthansa überschattet. Denn nachdem Lufthansa-Chef Carsten Spohr mehrfach öffentlich gefordert hatte, man solle die Kapazitäten an diesen vier Airports begrenzen, um weiteres Verspätungschaos zu vermeiden, schlagen die Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin-Tegel nun zurück: Sie fordern in einem Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dass auf dem Luftverkehrs-Gipfel ausdrücklich festgelegt wird, dass die Bundesregierung sich „weiterhin dafür einsetzt, dass eine bedarfsgerechte Erweiterung der Flughafenkapazitäten erfolgt“.

Es habe zu „Verärgerung“ bei ihnen geführt, dass die Lufthansa bei der Politik durchsetzen wolle, dass an den vier Flughäfen die Zahl der erlaubten Starts- und Landungen gesenkt werde. Der Brief vom 28. September liegt unserer Redaktion vor. Die Forderungen der Lufthansa hätten eine hohe „Brisanz für die deutschen Flughafenstandorte“, heißt es weiter. Ihnen nachzugeben wäre „ein dramatisches Zeichen der Politik“. Denn die Erweiterung von Flughäfen sei schon jetzt nur „mit großen Schwierigkeiten“ möglich.

Konkret fordern die Airport-Chefs, dass für das Treffen in Hamburg ein für sie unangenehmer Punkt aus den Vorlagen gestrichen wird. Danach solle die Bundesregierung am Ende der nächsten Saison überprüfen, ob bei „Flughäfen mit zentraler Slot-Koordination die Koordinierungs-Eckwerte Einfluss auf die jeweilige Verspätungssituation haben“. Im Klartext: Eine Prüfung, ob zu viele Flüge Grund für zu viele Verspätungen sind, lehnen die Airports-Chefs ab.

Lufthansa-Chef Spohr hat schon mehrfach erklärt, dass er gerade in Düsseldorf und Frankfurt Verspätungen darauf zurückführt, dass zu viele Flugzeuge starten und landen. Er lobte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen sogar dafür, dass der Airport Düsseldorf nun frühestens im Jahr 2022 die Genehmigung für höhere Kapazitäten erhalten soll.

Der Streit zeigt, wie unterschiedlich Lufthansa und Flughäfen das Verspätungschaos des Sommers 2018 sehen. Für die Flughafenleiter sind es vorrangig Engpässe bei der Flugsicherung und die Übernahme großer Teile von Air Berlin durch Eurowings, die dazu führten, dass im vergangenen Sommer so viele Flüge zu spät in Deutschland ankamen wie nie.

Gegenüber unserer Redaktion hat Düsseldorfs Flughafen-Chef Schnalke darauf hingewiesen, dass Lufthansa und Eurowings in Düsseldorf nur rund 50 Prozent Marktanteil hätten, doch für 60 Prozent der Flug-Absagen verantwortlich seien. Schnalke: „Ich sehe die Hauptprobleme unserer Branche ganz klar in der Luft und nicht bei den Flughäfen.“

Die Lufthansa dagegen geht davon aus, dass die Airports mitschuldig sind am Chaos. Sie räumt zwar ein, eine der Ursachen sei auch der Mangel an Fluglotsen in Deutschland und Europa. Die Lufthansa geht aber davon aus, es werde noch Jahre dauern, ausreichend neue Fluglotsen auszubilden. Gleichzeitig sind für den Marktführer niedrigere Kapazitäten im Heimatmarkt gut. „Das bedeutet vorrangig, dass Aufsteiger wie Ryanair weniger Startrechte erhalten“, sagt der Branchenexperte Gerald Wissels, „wogegen die Lufthansa zumindest in Frankfurt, München und Düsseldorf ein so starkes Übergewicht hat, dass eine Verknappung des Angebots ihnen stabilere Ticketpreise beschert“.

Die Logik der Airports ist umgekehrt: Jeder zusätzliche Flug bringt Einnahmen und zieht weitere Passagiere an – da ist eine gezielte Verknappung geschäftsschädigend.