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Wladimir Putin wirft Wada politische Motivation bei Russland-Sperre vor

Strafe wegen Manipulation : Putin wirft Anti-Doping-Agentur politische Motivation bei Russland-Sperre vor

Russlands Staatspräsident hält das Olympische Komitee sein Land im Doping-Skandal für unschuldig. Den Ausschluss Russlands für vier Jahre durch die Welt-Anti-Doping-Agentur aus dem Weltsport verurteilt Putin.

Von Einsicht oder gar Reue war wie gewohnt keine Spur. Wladimir Putin wittert im Umgang mit dem Dopingskandal vielmehr eine Verschwörung. Russlands Präsident bezeichnete die verhängte Vierjahressperre gegen sein Sport-Imperium als "politisch motiviert", dem "russischen Olympischen Komitee ist nichts vorzuwerfen." Und natürlich will Putin die Demütigung nicht kampflos hinnehmen: "Wir haben allen Grund, Klage beim CAS einzureichen."

Im Fall der langen Sperre durch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wegen manipulierter Doping-Daten plant Russland also offenbar die Konfrontation. Es droht eine monatelange juristische Schlacht, die Russland wohl nur zu gerne austrägt. Schließlich steht für das Land im Kampf um Macht und Millionen sehr, sehr viel auf dem Spiel.

Im Sport ist Russland "ein großes, wichtiges Land. Mit China und den USA gehört es zu den Sportriesen", sagte WADA-Gründungspräsident Richard Pound, mit Einfluss auf "vielen Ebenen". Geschickt und mit einem klaren Plan hat sich Russland viel Kontrolle gesichert. Das Land richtet nur zu gerne Events aus, die sonst kaum einer haben und für die vor allem keiner zahlen will - wie die Weltmeisterschaften im Ringen oder im Volleyball 2022. "Sie haben also einen erheblichen Einfluss in den internationalen Verbänden", sagte IOC-Mitglied Pound.

Zudem sei Russland im Posten-Geschacher sehr "strategisch" dabei vorgegangen, Strippenzieher in internationalen Verbänden zu positionieren. Dadurch habe man Macht "von innen und außen", sagte Pound. Ein Drittel der olympischen Sommer-Sportverbände hat ein russisches Mitglied im Exekutivkomitee, sechs davon haben einen russischen Präsidenten oder Vizepräsidenten. Die Milliardäre Wladimir Lisin (Schützen) und Alischer Usmanow (Fechten) finanzieren "ihre" Verbände quasi alleine.

Kein Wunder, dass Sportminister Pawel Kolobkow dem Rest der Welt schon vor dem WADA-Urteil, das die ehemalige Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa als "grausam, ungerecht, entsetzlich, mörderisch" bezeichnete, unverhohlen drohte. "Ich denke, dass alle internationalen Organisationen ein Interesse daran haben, sicherzustellen, dass ihr Niveau der Zusammenarbeit mit Russland gleich bleibt", hatte der 50-Jährige gesagt. Über den Energieriesen Gazprom und die Bank VTB pumpt Russland als Sponsor viel Geld in den Sport - aber wie lange noch?

Ein möglicher Boykott der Olympischen Spiele in Tokio ist als Druckmittel in Russland derzeit aber kein Thema. Unabhängig vom Ergebnis vor dem CAS "müssen wir zu den Olympischen Spielen fahren und daran teilnehmen", sagte Wassili Titow, Präsident des russischen Turnverbandes, ein Boykott sei "in keiner Weise" eine Option.

Und Wladimir Salnikow, Chef des Schwimmverbandes, würde es natürlich bevorzugen, wenn "unsere Athleten unter russischer Flagge teilnehmen und die Hymne ihres Landes hören", aber wenn die Umstände anders sein sollten, hätte "niemand das Recht, den unschuldigen Athleten ihre Träume zu rauben."

(rent/sid)