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England und Spanien gehen auf Kontrontationskurs: Streit um Abstellungen für Länderspiele eskaliert

Ligen auf Kontrontationskurs zur Fifa : Streit um Abstellungen für Länderspiele eskaliert

Der Streit um die kommende Länderspiel-Abstellungsperiode eskaliert. Die Ligen aus England und Spanien gehen auf Konfrontationskurs zur Fifa.

Den warmen Geldregen für seine Fifa konnte Gianni Infantino nicht so recht genießen. Denn so schön die Nachricht der US-Generalstaatsanwaltschaft über den üppigen Schadensersatz von 201 Millionen Dollar aus dem Korruptionsskandal auch war - der nächste Brandherd für den Fußball-Weltverband flammte da schon längst auf: Der Streit um die Abstellungsperiode für die kommenden Länderspiele ist eskaliert, weshalb sich Fifa-Präsident Infantino am Mittwoch zu einem Machtwort gezwungen sah.

"Die Abstellung von Spielern für die anstehenden internationalen Fenster ist dringend und unglaublich wichtig", sagte der Schweizer einer Stellungnahme und forderte unmissverständlich: "Ich rufe alle Fifa-Mitgliedsverbände, Ligen und Klubs dazu auf, sich solidarisch zu verhalten, wie es sich für den weltweiten Fußball gehört."

Am Abend zuvor waren die Ligen aus England und Spanien auf Konfrontationskurs gegangen, indem sie einer Vielzahl von Spielern die Abstellung für die anstehenden Länderspiele Anfang September verweigerten. Die Premier League lässt fast 60 Profis nicht in Risikogebiete der sogenannten "Roten Liste" reisen, La Liga mindestens 25 Spieler nicht nach Südamerika. Doch hinter der Sorge vor drohende Quarantänen steckt auch viel Ärger über einen Alleingang der Fifa.

Das machte der spanische Ligazusammenschluss überaus deutlich und attackierte den Weltverband direkt. Es sei eine "schwerwiegende einseitige Entscheidung der Fifa" gewesen, die beiden Abstellungsfenster im September und Oktober für die WM-Qualifikationsspiele in Südamerika von jeweils neun auf elf Tage zu verlängern, "ohne andere Lösungen zu berücksichtigen, die auf dem Forum der Weltligen vorgeschlagen wurden".

In ihrem Ärger sind die Spanier nicht alleine. Zwar begründete die Premier League ihren Schritt hauptsächlich mit der verpflichtenden zehntägigen Quarantäne für Reiserückkehrer aus Ländern der "Roten Liste". Doch auch die englischen Klubs äußerten ihre "Unzufriedenheit" über die eigenmächtige Verlängerung der Südamerika-Abstellungen, "was sich nachteilig auf ihre Verfügbarkeit für ihre Vereine auswirkt".

Der französische Spitzenklub Paris St. Germain beschwerte sich ebenfalls bereits schriftlich bei der Fifa. Schließlich sind im argentinischen Neuzugang Lionel Messi und Brasiliens Neymar seine beiden Superstars betroffen und könnten das Heimspiel am 12. September gegen Clermont Foot verpassen.

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Bislang galt während der Corona-Pandemie eine Ausnahmeregel, wonach Klubs ihre Spieler bei drohenden Quarantänen nicht abstellen mussten. Diese Ausnahme entfällt nun jedoch, was vor allem die englischen Klubs stört. Die Verantwortung schob Infantino aber an den britischen Premierminister Boris Johnson weiter.

Er habe Johnson "in einem Schreiben um die nötige Unterstützung gebeten", sagte Infantino. Doch anders als noch bei der EM im Sommer gibt es in Großbritannien für Rückkehrer aus Risikogebieten der "Roten Liste" keine Quarantäne-Ausnahmen mehr. Deshalb rief Infantino "alle dazu auf, dafür zu sorgen, dass Nationalspieler für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele abgestellt werden."

Für die Bundesliga ist die Lage weniger dramatisch, da ohnehin nur eine Handvoll Südamerika-Legionäre infrage kommt. Dazu entfällt die Quarantäne-Pflicht in Deutschland bei Einreise aus Hochrisikogebieten für Geimpfte und Genesene. Dennoch befindet sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) im engen Austausch mit den betroffenen Klubs - und übte ebenfalls Kritik am Vorgehen der Fifa.

"Entscheidungen in Bezug auf Abstellungsperioden müssen den Interessen der Klubs als Arbeitgeber der Spieler und den Interessen der nationalen Ligen Rechnung tragen", teilte die DFL auf Anfrage mit: "Eine Verlängerung der Abstellungsperiode um zwei Tage sowie eine Abstellungsverpflichtung trotz Quarantäne-Pflichten tun dies nicht."

(dör/SID)