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Paris: Front National versucht den Neustart

Paris : Front National versucht den Neustart

Die Franzosen misstrauen den Rechtspopulisten von Marine Le Pen. Ein neuer Partei-Name soll helfen.

Über die Stimmungslage von Marine Le Pen ist viel spekuliert worden. Ist die Chefin des Front National (FN) ihres Amtes überdrüssig? Will sie sich aus der Politik zurückziehen? Die 49-Jährige hatte die Gerüchteküche noch angeheizt, als sie im Radiosender France Inter sagte: "Ich könnte alles aufgeben, etwas anderes machen. Zum Beispiel Katzen züchten." Vorerst wird es allerdings nichts werden mit den Katzen, denn der FN-Parteitag wird sie am Wochenende ohne Gegenkandidaten erneut zur Parteichefin wählen. "Es gibt niemand anderen, der die Partei verkörpern kann", sagt der Rechtsextremismus-Experte Jean-Yves Camus. "Sie ist gezwungen zu bleiben."

Und so wird die Juristin das tun, was sie schon am Abend ihrer Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen angekündigt hatte: den FN neu aufstellen. Dazu gehört ein neuer Name für die Partei ihres Vaters Jean-Marie Le Pen. "Die Nationalen" könnten sich die "Frontisten" nun nennen und damit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus des Gründers übertünchen. Gleichzeitig will die Chefin damit ihre Partei für Koalitionen öffnen. "Front bedeutet eine Opposition gegen jemanden. Wir müssen das jetzt überwinden. Wir müssen unseren Willen zeigen zu regieren", fordert Le Pen in der Zeitung "Le Figaro". Aber Partner, die es für eine Regierungsübernahme braucht, sind nicht in Sicht. Anders als in Österreich, wo die rechtspopulistische FPÖ mit der konservativen ÖVP regiert, sind die französischen Konservativen gegen eine Allianz.

Stattdessen versucht Parteichef Laurent Wauquiez, mit einem strammen Rechtsaußen-Kurs dem FN Stimmen abzujagen. Gleichzeitig darf der grauhaarige 42-Jährige allerdings die Wähler der Mitte nicht vergraulen, ohne die er bei den Europawahlen im nächsten Jahr kaum Erfolg haben kann. Ein schwieriger Spagat, der Le Pen erspart bleibt. Die Rechtspopulistin kann ungeniert den nationalistischen und anti-europäischen Wahlkampf machen, der schon bei den Europawahlen 2014 zur stärksten Partei Frankreichs werden ließ.

Der Parteitag in Lille dürfte zur Gruppentherapie für das verunsicherte Parteivolk werden. "Ich rechne nicht mit einer tiefgreifenden Umwälzung", sagt Experte Camus.

(RP)