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Kolumne: Warum Minderjährige keinen Zugang zu Pornos haben sollten

Kolumne „Hier in NRW“ : Keine Pornos für Minderjährige

Dass Kindern der Zugang zu Sexfilmchen im Netz offensteht, ist unverständlich.

Das erste Urteil im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde ist gesprochen. Nach der Sommerpause nimmt der Untersuchungsausschuss seine Arbeit auf. Die Aufarbeitung dieses unfassbaren Falls nimmt also ihren Lauf. Das ist gut und richtig, aber es reicht nicht.

Zwar setzt der Innenminister inzwischen mehr Einsatzkräfte ein, um Kinder-Pornografie auf die Spur zu kommen. Auch hat der Familienminister eine erste Analyse veröffentlicht. Wer aber wirksam verhindern will, dass sich Kinderpornografie weiterhin recht ungehindert verbreiten kann, muss mehr tun.

Prävention muss früh ansetzen, und zwar bei aller Art von Pornografie. Heute können schon Kinder per Smartphone im Netz ohne großen Aufwand Pornos konsumieren. Es ist erstaunlich, dass der Gesetzgeber nicht einschreitet. Zumal Länder wie Großbritannien bereits erste Erfahrungen damit gemacht haben, strikte Beschränkungen einzuführen. Was das mit Kinderpornografie zu tun hat? Eine Menge, wie Studien nahelegen. Den Ergebnissen zufolge haben Jungen, die schon früh regelmäßig Pornos anschauen, ein erhöhtes Risiko, später Kinderpornos zu konsumieren.

In Großbritannien also müssen Internetnutzer seit dem Frühjahr zum Porno-Gucken ihr Alter bestätigen, indem sie Informationen aus einem Führerschein, einer Kreditkarte oder einem Reisepass eingeben. Wer seine persönlichen Daten nicht angeben möchte, kann einen speziellen Identitätsnachweis erwerben, der für weniger als zehn Pfund erhältlich ist. Websites, die gegen die Altersüberprüfungsregeln verstoßen, können mit einer hohen Geldstrafe belegt oder blockiert werden. Noch ist es zu früh zu beurteilen, ob die Restriktion funktioniert. Aber - und das ist vielleicht genauso wichtig - es ist ein starkes Signal gegen den allgegenwärtigen Porno-Konsum.

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