CSU-Umfragewerte: Seehofer und Söder zanken um Schuldfrage

Vor der Landtagswahl in Bayern : Seehofer und Söder zanken um Schuld für schlechte CSU-Umfragewerte

Die CSU steuert in Bayern auf ein miserables Abschneiden zu, zumindest legen das Umfragen nahe. Jetzt ist ein offener Streit zwischen Ministerpräsident Söder und Parteichef Seehofer über die Schuld daran entbrannt.

Nachdem Söder vor allem die Berliner Politik verantwortlich gemacht hatte, spielte Seehofer den Ball zurück nach München. „Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt“, sagte der Bundesinnenminister der „Süddeutschen Zeitung“. „Das ist das persönliche Vorrecht des Ministerpräsidenten Markus Söder. Er ist zuständig für strategische Überlegungen im Wahlkampf.“ Söder hatte Seehofer im März als bayerischer Ministerpräsident abgelöst.

Seine eigene Arbeit in Berlin bewertete Seehofer als positiv, er könne große Erfolge als Innenminister vorweisen: „Ich bin rundum zufrieden.“ Er gehe davon aus, dass die CSU bei der Landtagswahl „immer noch gut abschneiden“ könne. In Bayern wird am 14. Oktober gewählt.

Aktuelle Umfragen sagen der CSU massive Verluste bei der Landtagswahl am 14. Oktober voraus. Im neuen ZDF-„Politbarometer“ (Freitag) kommt die Regierungspartei auf 35 Prozent, im ARD-„Bayerntrend“ (Donnerstag) ist sie auf 33 Prozent abgesackt. Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU 47,7 Prozent erreicht. Den neuen Umfragen zufolge würde die CSU nicht nur ihre absolute Mehrheit klar verfehlen. Rechnerisch wäre sogar eine Vierer-Koalition gegen die CSU möglich, auch wenn dies als unwahrscheinlich gilt. Auch Paul Ziemiak, der Chef der Jungen Union, ist alarmiert.

Nach der Veröffentlichung des „Bayerntrends“ hatte Söder am Donnerstag die große Koalition in Berlin zumindest mitverantwortlich für die schlechten Umfragewerte gemacht. „Das sind natürlich alles Zahlen, die unglaublich geprägt werden durch die Berliner Politik“, sagte er bei einer Veranstaltung der „Bild“-Zeitung in Nürnberg. Dabei kritisierte er indirekt auch das Verhalten Seehofers im Zusammenhang mit dessen Flüchtlings-Masterplan: „Ich gebe zu: Das waren nicht gerade unsere allergrößten Sternstunden!“

(hebu/dpa)
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