Diesel: Angela Merkel hält Technologie nicht für Auslaufmodell

Kanzlerin wirbt für Maßnahmen-Paket : Merkel hält Diesel nicht für Auslaufmodell - trotzdem scharfe Kritik an Industrie

Der Diesel bleibt erstmal. Davon geht Bundeskanzlerin Angela Merkel aus. Die Technologie sei aktuell noch unverzichtbar. An der deutschen Autoindustrie übt sie dennoch scharfe Kritik.

Die Bundesregierung wolle mit ihrem diese Woche beschlossenen Maßnahmen-Paket erreichen, dass alle Diesel-Besitzer „weiter ihre Mobilität nutzen können“, betonte die Kanzlerin. „Das wird auch zu einer verbesserten Akzeptanz des Diesel führen, den wir noch viele Jahre brauchen, bevor wir dann in Zukunftstechnologien vollkommen einsteigen können“, fügte sie hinzu.

Mit Blick auf die zögerliche Haltung der Autobauer in Sachen Hardware-Nachrüstung sagte Merkel, neben Umtauschangeboten werde es „die Möglichkeit der Hardware-Nachrüstungen geben, wo immer das technisch möglich ist. Auch hier tritt die Automobilindustrie in die Verantwortung“.

Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Kiel hat Merkel die deutsche Autoindustrie erneut heftig kritisiert. Es sei dort in der Diskussion um Schadstoffreduzierungen gelogen und betrogen worden. Etliche in der Autoindustrie hätten sich „sehr schuldig gemacht und Vertrauen verspielt“. Sie wolle dennoch, dass es weiterhin einer starke Automobilwirtschaft in Deutschland gebe.

In ihrer Zeit als Umweltministerin habe sie versucht, sich an viele Forderungen aus der Autoindustrie zu halten, sagte Merkel. Sie habe sich damals nicht vorstellen können, dass es Autos gebe, die auf 90 Prozent der Strecke zwischen München und Berlin ohne Katalysator fahren würden. Dass man da misstrauisch werde, liege nicht an der Politik, sondern an der Autoindustrie.

Die Spitzen der schwarz-roten Bundesregierung hatten sich nach langem Streit auf ein Paket geeinigt, um Diesel-Fahrverbote in Städten mit hoher Schadstoff-Belastung zu verhindern. Es sieht Anreize zum Kauf neuer Wagen vor. Für umstrittene Motor-Nachrüstungen bei älteren Autos fehlen noch grundlegende Zusagen der Autobauer.

(hebu/dpa)
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