"Hart aber fair": Sparer sollte Geld in Aktien und Immobilien anlegen

Finanzexpertin Mohn bei „Hart aber Fair“ : „Sparer müssen aufwachen und anlegen“

Sparstrümpfe stricken, Gold in den Keller legen oder Aktien kaufen? Bei “Hart aber Fair” ging es am Abend in der ARD ums liebe Geld. Wohin damit, wenn die Bank keine Zinsen mehr zahlt? Politiker und Expertinnen haben durchaus interessante Antworten parat.

Darum ging es

"Wer jetzt noch spart, ist selber schuld: Muss uns die Politik vor den Minuszinsen retten?”, fragt Susan Link, die in der ARD-Diskussionsrunde den erkrankten Moderator Frank Plasberg vertritt. Fünf Gäste - Politiker, Journalisten und Finanzexpertinnen - sprechen darüber, weshalb traditionelles Sparen nicht mehr lohnt und wie die Deutschen vielleicht trotzdem ihr Altersgeld oder Vermögen aufstocken können.

Die Gäste

  • Christian Achilles, Deutscher Sparkassen- und Giroverband
  • Anja Kohl, ARD-Börsenexpertin
  • Markus Blume, CSU-Generalsekretär
  • Sahra Wagenknecht, Bundestagsabgeordnete Die Linke
  • Dorothea Mohn, Team Finanzmarkt Verbraucherzentrale Bundesverband

Der Frontverlauf

“Wir sind kaum auf der Welt, da haben wir schon den ersten Euro im Sparschwein”, bringt Moderatorin Susan Link eine der liebsten Tugenden der Deutschen auf den Punkt. Über sechs Billionen Euro haben die Deutschen derzeit angespart. Auf dem Sparbuch scheint dieses Geld allerdings in Zeiten der Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) wenig Sinn zu machen. “63 deutsche Geldinstitute verlangen derzeit Negativzinsen für Anlagen von Neukunden”, sagt Link. Die gebe es zwar schon länger, sie seien aber nicht an die Kunden weitergegeben worden. Kann und soll der Staat eingreifen, und wenn ja wie?

Und: Müssen die Bürger ihre Angewohnheiten ändern? Unbedingt, findet Anja Kohl: “Wir leben in einer Welt ohne Zins”, sagt die ARD-Börsenexpertin, nur hätten die meisten die gesellschaftliche Tragweite der Situation noch nicht verstanden. “Der Zins wird nicht wiederkommen. Auch nicht in den nächsten Jahren.” Dass jetzt die Sparer für die Misere verantwortlich gemacht würden, nennt sie “fast schon zynisch und unverschämt”. Die Bankkunden müssten nun versuchen, ihr Geld anders zu verteilen.

In der Runde wird auf die Banken geschimpft, die Sparverträge kündigten und durch indirekte Gebühren auszugleichen suchten. Christian Achilles verteidigt: An der Situation trügen nicht die Geldinstitute Schuld, die selbst keine Anlagemöglichkeiten mehr fänden. Man müsse für sein Gespartes eben Alternativen finden, die in der heutigen Finanzwelt auch funktionierten. Auch Markus Blume wirbt für Verständnis vor allem für die Sparkassen, die auf den Finanzmärkten in der Vergangenheit oft eine stabilisierende Rolle gespielt hätten. “Am Ende ist wichtig, dass der Sparer nicht der Dumme ist”, sagt der CSU-Generalsekretär.

Er schlägt ein Startpaket für Kinder vor, in das 18 Jahre eingezahlt und im Rentenalter ausgezahlt werden könne. Außerdem will Blume Sparern mit einer Investitionsanleihe helfen: Geld könne für zehn Jahre angelegt und dann mit 2 Prozent verzinst in Start-Ups investiert werden. Falls die nicht erfolgreich seien, könne am Ende der Staat einspringen und die Zinsen zurückzahlen.

Dorothea Mohn kanzelt das als einen “völlig halbgaren Vorschlag” ab, Start-Ups seien ohnehin schon risikoreich, die Idee bringe auf dem Weg zu einer Beteiligungskultur rein gar nichts. Sie hat pragmatischere Ansätze parat: “Die Menschen müssen aufwachen und anlegen”, sagt die Finanzexpertin von der Verbraucherzentrale und rät zum Kauf von Aktien oder Immobilien. “Rendite werfen nur noch Unternehmensbeteiligung - sprich Aktien - und Immobilien ab.” Das müssten nicht nur Sparer langsam begreifen, Lehrer müssten es bereits in Schulen unterrichten. Achilles ermutigt ebenfalls zum Aktienkauf: Er empfiehlt Anlegern zu streuen und sagt, es mache durchaus Sinn, die breite Bevölkerung am Aktienmarkt zu beteiligen.

Bis auf Sahra Wagenknecht widerspricht in der Runde niemand dem Rat. Die allerdings wird richtig sauer: “Ich finde es wirklich fahrlässig, Kleinanleger auf das Kasino der Aktienmärkte zu verweisen”. Da gehe es hoch und runter, man könne viel zu viel verlieren. Es sei unverhältnismäßig zu verlangen, dass Leute den Aktienmarkt einschätzen können. Immobilien brächten nur in ländlichen Regionen vielleicht noch echte Vorteile. Wer in Großstädten investiere, habe längst zu hohe Kosten. Die Linke fordert stattdessen: die gesetzliche Rente so zu gestalten, dass die Bürger gar nicht unbedingt fürs Alter sparen müssten.

Mohn ist anderer Ansicht, betont allerdings, das Aktien in der Tat nichts für Anleger seien, die das Geld kurzfristig bräuchten: Man brauche mindestens 15 Jahre um einen positiven Trend abzuschöpfen. Das A und O sei, Geld in Unternehmensbeteiligungen langfristig einzusetzen. Auch Kohl stimmt zu: Investition in Sachwerte hätten sich bislang noch immer ausgezahlt, außer Immobilien sei auch Gold eine Möglichkeit.

Sie ist es auch, die Susan Link hilft, als sie den Zuschauern erklären will, wieso wir uns eigentlich in dieser Situation befinden. Der italienische Zentralbanker Mario Draghi und die EZB hätten das Finanzsystem zusammen mit anderen Notenbanken 2008/2009 vor dem Kollaps bewahrt. Das sei ihr großer Verdienst. Seither sei der Leitzins auf Null, was nun an die Banken und Sparer weitergegeben werde. Nur habe die Politik die Situation nicht zurückgeführt. Die Schuldenstände im Euroraum seien jetzt so hoch, “dass wir sie nicht mehr werden tilgen können”. Gut finde sie das nicht: “Man hat der Politik einen unlimitierten Freifahrtschein erstellt.” Das System laufe Gefahr, zu stark destabilisiert zu werden. Aufwachen müsse auch die Politik.