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Tatort-Kritik: Fall "Unklare Lage" aus München - ein Highlight im Krimijahr

Tatort-TV-Kritik : Ein Krimi-Highlight aus München

Wie eine Stadt in Panik verfällt, schildert der Fall „Unklare Lage“ des Bayerischen Rundfunks. Ein richtig starker „Tatort“, auch weil die Kommissare ausnahmsweise nur eine Nebenrolle spielen.

Worum es ging München ist im Ausnahmezustand, nachdem eine Person mit Kapuzenpulli in einem Bus einen Kontrolleur erschossen hat. Danach ist alles unklar und möglich: Amoklauf in einer Schule und ein Attentat mit einer Nagelbombe in der U-Bahn. Die Polizei versucht, alle Spuren und Hinweise zu deuten und die Katastrophe zu verhindern.

Wie es war Richtig gut. Der Film „Unklare Lage“ mit den Ermittlern Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) bezieht den Zuschauer quasi in Echtzeit mit in die Ermittlungen ein. Er ist ebenso ratlos und hastet von Einsatzort zu Einsatzort hinterher. Der Krimi löst Beklemmung aus, weil er so realistisch zeigt, wie eine Stadt in Panik verfällt und sich jeder verdächtig macht, der einen Kapuzenpulli trägt. Zeugen melden, den Täter gesehen zu haben - quasi an jeder Ecke. Die Einsatzleitung steht unter einem schier unmenschlichen Druck, die Hinweise zu sichten, die jeweilige Situation einzuschätzen und dann richtig zu reagieren. Vielleicht - das wäre zumindest zu hoffen - hat der Zuschauer nach diesem Film mehr Verständnis dafür, wenn Bahnhöfe oder Einkaufszentren wegen einer unklaren Bedrohungslage geräumt werden und am Ende sich alles doch nur als schlechter Scherz herausstellt. Wer nie über Menschenleben entschieden hat, kann sich diese Belastung kaum vorstellen. Wohltuend ist in diesem Fall auch, dass Batic und Leitmayr wirklich nur eine Nebenrolle spielen: Es gibt viele Akteure in der Leitstelle, die Kommissare sind zwei Teil von vielen und nicht die Super-Polizisten, die alles im Alleingang lösen. Das große Finale gehört aber ihnen. Wohltuend auch, dass die letzte Szene nicht mehr aufgelöst wird.

Stärkste Szene Oft wird kritisiert, dass nach einer Gewalttat der Täter zu sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Der Film von Pia Strietmann ist aber gerade deshalb so stark, weil er den Täter und sein Umfeld einbezieht. Denn für Maria Scheuer (Isabella Bartdorff) bricht eine Welt zusammen, als sie in den Nachrichten sieht, dass ihr Sohn erschossen wurde und als Amokläufer gilt. Strietmann blendet diesen Schmerz nicht aus, sondern gibt der Familie des mutmaßlichen Täter Raum. Denn auch sie wird in dem Moment der Tat zu Opfern.

Das reale Vorbild „Ich will hier kein zweites OEZ“, sagt der Einsatzleiter in der Kommandozentrale. OEZ steht für Olympia-Einkaufszentrum, wo ein Teenager vor fast vier Jahren neun Menschen erschoss. Die damalige Stimmung hat sich in Münchens Gedächtnis eingebrannt. Und sie empfindet der „Tatort“ wirklich eindringlich nach.