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Dschungelcamp 2020: Prince Damien gewinnt - warum er der richtige ist

Neuer König im RTL-Dschungel : Nur Prince Damien kam für den Titel in Frage

Wieder einmal hat im Dschungelcamp ein Kandidat gewonnen, der dazu anstiftet, an das Gute im Menschen zu glauben. Doch vielleicht haben wir Prince Damien auch aus reiner Niedertracht gewählt.

Montag müssen wir zurück ins Grau. Zu den Jobs, die wir so sehr hassen, dass wir nur noch auf den Gnadenschuss der Gleichgültigkeit hoffen, und zu den Menschen, die wir nur deshalb ertragen, weil wir uns an sie gewöhnt haben. Am Samstag hingegen machten wir uns vor, es gebe eine Alternative zu unserem Zynismus, und verabredeten uns dazu, an das Gute zu glauben. Am Samstag wählten wir Prince Damien zum Dschungelkönig.

Unmöglich war es uns, Danni Büchner die Krone aufzusetzen. Nicht, weil sie wieder einmal in ihrer Prüfung versagte und erstmals dafür sorgte, dass sich die drei Finalteilnehmer beim letzten Abendmahl eine einzige Vorspeise teilen mussten. Ihren Kopf hatte sie in eine Glaskugel zu stecken, mit den Händen in fünf Glaskästen fünf Sterne abzuschrauben, beide Gefäße gefüllt mit dem klassischen Ungeziefer des Dschungels. „Macht nicht diese Tiere, die ich hasse“, sagte sie. Vermutlich hätte sie nur dann nicht die Panikpolka getanzt, wenn die Ranger Golden-Retriever-Welpen ins Terrarium gestopft hätten.

Mit anderen Menschen hätten wir in solchen Momenten der Höllenqual Mitleid gehabt, bei ihr dachten wir bloß: „Jetzt stell dich nicht so an.“ Zu groß war unser Verdacht geworden, dass sie die Trauer um ihren Mann nur aufrecht erhielt, um sich wenigstens einen menschlichen Zug zu verleihen. „Ich hab es geschafft, Schatz“, o-tönte sie in die Kamera. „Danni Büchner im Finale, die eigentlich nur den sechsten Platz belegen wollte wie ihr Mann.“

Auch für Sven Ottke schlug der Muskel, der früher unser Herz gewesen sein musste, nur bedingt. Seine erwartbare durchberlinerte Bodenständigkeit honorierten wir immerhin mit Platz 2. Von einem ungeschlagenen Boxweltmeister hatten wir allerdings etwas mehr erwartet als einen Stern im Ekelfressen fürs Hauptgericht. Am Kuhauge scheiterte er, die Raupe versuchte er gar nicht erst, von der Schafplazenta biss er nur ab, die pürierte Schweinelunge spie er auf den Dschungelboden. Immerhin die Spinne mit Brutbeutel schickte er durch die Speiseröhre.

Nein, wir wollten jemanden zum König machen, der sich so sehr darüber freute, dass wir selbst uns für einen kurzen Moment mitfreuten. Niemand anderes als Prince Damien kam dafür in Frage. „Sven, der schreit regelrecht nach Liebe“, sagte Danni über ihn, und wir wollten ihm diese Liebe geben, der nach eigener Aussage noch nie eine Beziehung geführt hat. „Ich hab Riesenangst“, sagte Prince Damien fröhlich vor der Prüfung, die darin bestand, mit dem Rücken auf einer Drehscheibe liegend fünf Piñatas in Obstform kaputt zu schlagen, bis der Stern rausfiel - eine Aufgabe, die ihm viermal gelang. Obwohl er dabei lediglich mit Lebensmittelabfällen und Insekten beregnet wurde, fühlten wir mit dem Kerl, der es fertigbrachte zu kreischen, ohne dabei den Mund zu öffnen.

Als er später wieder den Mund öffnete, entschwebten ihm völlig abwegige, aber grundanständige Sätze wie: „Hier zählt der Mensch, hier zählt das Wir und nicht irgendwas anderes.“ Nicht mehr das Geringste entgegenzusetzen hatten wir, als er am Lagerfeuer Sven gedankenverloren mit dem linken Daumen übers Knie streichelte.

„Mein Herz überschwillt gerade vor Liebe“, kommentierte er seinen Sieg, der höchstens ihn selbst überraschen konnte. „Scheibenkleister. Oh mein Gott.“ Schwer atmend machte er sich auf den Weg zu Sonja und Daniel. Auf dem Thron verkündete er unter Tränen, 20.000 Euro seiner Siegprämie für den Kampf gegen die Buschbrände zu spenden, was uns kurz unangenehm daran erinnerte, dass wir, die wir die Ausstrahlung der Sendung noch vor zwei Wochen in Frage gestellte hatten, uns längst wieder stärker um den Tabellenstand unseres Bundesligavereins sorgten.

Montag kehren wir zurück ins Grau, und dann fällt uns ein, aus welchem Grund wir Prince Damien wirklich zum König gewählt haben. Nicht, weil Fremdrührung zu Selbstrührung führen soll. Unsere Entscheidung ist ein letzter Akt der Grausamkeit. Während wir längst die Bedeutungslosigkeit des Titels „Dschungelkönig“ außerhalb des Dschungels erkannt haben, lassen wir einen Menschen, der mit weniger Argwohn ausgestattet ist als ein Teletubby, noch ein wenig länger das Gegenteil glauben. Dass er nicht nur König des Dschungels ist, sondern König der Welt. Wir lieben das Geräusch, wenn jemand in der Realität auf Beton aufschlägt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Prince Damien holt sich die Dschungelkrone