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Wie die Corona-Warn-App funktioniert: Download, Speicherplatz, Nutzung

Fragen und Antworten : Wie die neue Corona-Warn-App funktioniert

Seit Dienstag kann die Anwendung der Bundesregierung und des Robert Koch-Instituts heruntergeladen werden. Sie soll dabei helfen, Infektionsfälle besser nachzuverfolgen und eine zweite Corona-Welle zu verhindern. Wir haben uns die App angeschaut.

Die lang angekündigte Corona-Warn-App ist da. Das Smartphone soll zu einem Warnsystem werden, indem es mit anderen Geräten verschlüsselte Codes austauscht. Die Bundesregierung verspricht sich davon einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie. Doch es gibt noch Schwachstellen.

Wie finde ich die offizielle App? Die Corona-Warn-App kann mit dem Smartphone über die App-Stores von Google und Apple heruntergeladen werden. Wer dort lediglich das Suchwort „Corona“ eingibt, findet jedoch diverse Apps. Wer die offizielle Anwendung laden möchte, muss „Corona-Warn-App“ ins Suchfeld eingeben. Verbaucherschützer Klaus Müller kritisierte die Bezeichnung. „Die schlechte Auffindbarkeit durch die unklare Bezeichnung der App kann natürlich dazu führen, dass weniger Menschen sie auf ihrem Handy installieren, wenn die erste Aufmerksamkeitswelle vorbei ist“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Der Download und die Nutzung sind kostenlos.

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Auf welchen Smartphones funktioniert die App? Das aktuelle Betriebssystem von Apple iOS 13.5 ist Mindestvoraussetzung, und das gibt es erst ab dem iPhone 6s oder SE – ältere iPhones wie das 5, 5s oder 6 reichen nicht aus. Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android müssen über die Version 6 und den Bluetooth-Standard LE verfügen. Zudem müssen auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google-Dienste. Nutzer eines freien Android-Systems ohne Google-Services können die App nicht installieren. Für die aktuellen Huawei-Modelle, die wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China die Google-Dienste nicht nutzen dürfen, will der chinesische Hersteller die notwendigen Schnittstellen nachbauen. Das wird aber noch etwas dauern. Die App funktioniert via Bluetooth-Technologie, diese muss also am Smartphone dauerhaft aktiviert sein.

Warum funktionieren die älteren Betriebssysteme nicht? Die Software-Schmiede SAP, die an der Entwicklung der App beteiligt war, verweist auf die von Apple und Google bereitgestellten Schnittstellen. Über sie können Geräte mit unterschiedlichen Betriebssystemen kommunizieren, ältere Versionen können das den Angaben zufolge so nicht.

Welche Daten müssen angegeben werden? Informationen wie Name, Alter oder E-Mail-Adresse muss der Nutzer nicht eingeben. Daten werden anonymisiert und verschlüsselt weitergegeben. Der Nutzer bleibt bei der gesamten Anwendung der App anonym. Die Smartphones tauschen verschlüsselte Codes aus – ohne Rückschlüsse auf die Besitzer.

Wie ist die App aufgebaut? Die App soll möglichst leicht zu verstehen sein, falsch machen kann der Nutzer wenig. Nach dem ersten Öffnen wird die Datenschutzerklärung angezeigt, anschließend soll der Nutzer die sogenannte „Risiko-Ermittlung“ aktivieren. Nur wenn das geschehen ist, werden Begegnungen aufgezeichnet. Anschließend wird kurz beschrieben, was zu tun ist, wenn man als App-Nutzer Corona-positiv getestet wurde.

Wie erfahre ich, ob ich einem Infizierten begegnet bin? Wer positiv auf Corona getestet wurde und die App nutzt, trägt das in der App ein. Um Missbrauch oder einen Fehlalarm zu verhindern, muss der Positiv-Status offiziell bestätigt werden. Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man auch eine TAN eingeben, die man von einer Telefon-Hotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren. Im Infektionsfall erhalten die betroffenen Kontakte einen Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen. In wenigen Wochen könnte der Weg über die Hotline überflüssig werden, weil dann alle Labore den digitalen Zugang haben sollen.

Mit welchen Folgen rechnen Ärzte durch die Nutzung der App? Der Hausärzteverband erwartet durch die Corona-Warn-App einen erhöhten Beratungsbedarf der Patienten.  „Allgemein tauchen in den Hausarztpraxen derzeit vermehrt Fragen zum Thema Testung auf – auch unabhängig von der App“, sagte der Chef das Deutschen Hausärzteverbandes Ulrich Weigeldt unserer Redaktion. Es bedürfe hier einiger medizinischer Aufklärung von Seiten der Hausärztinnen und Hausärzte, da bei vielen Patientinnen und Patienten noch immer große Verunsicherung herrsche. Weigeldt erklärte weiter: „Dieser Aufklärungsbedarf in den Hausarztpraxen wird sicherlich mit der App noch einmal zunehmen.“ Testen könnten die Hausärzte natürlich nur, wenn sich der Patient nach der Warnung auch mit seiner Hausarztpraxis in Verbindung setze – am besten zunächst telefonisch. In diesem Fall würden die Hausärzte ihre Patienten ebenso aufklären, wie sie mögliche Infizierte bisher auch aufgeklärt hätten: Das beinhalte unter anderem die medizinische Aufklärung über Covid-19  wie Symptome, Ansteckungsrisiken, hygienische Maßnahmen und anderes, aber auch Informationen über die Funktionalität der Testung. „Ist der Patient über die App gewarnt, hat er dann auch die Möglichkeit, getestet zu werden“, betonte Weigeldt.

In welchen Sprachen ist die App verfügbar? Derzeit wird die App auf Deutsch und Englisch angeboten, weitere Sprachen wie Türkisch, Arabisch, Französisch und Russisch sollen nach Regierungsangaben folgen.

Erübrigen sich andere Schutzmaßnahmen? Nein, die Nutzung App ersetzt nicht das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder andere Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen. Die App kann lediglich dazu beitragen, Infektionsketten schneller aufzudecken und zu unterbrechen, um lokale Corona-Ausbrüche zu verhindern.

Müssen tatsächlich 40 Millionen User die App installieren, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten kann? Diese Zahl geht auf eine britische Studie zurück, wonach der volle Effekt erst dann erreicht wird, wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr beteiligen. Doch die Berechnungen aus Oxford gingen von der Annahme aus, dass es gar keine anderen Mittel des Kampfes gegen die Pandemie gebe. Deswegen gilt: Je mehr Menschen die App nutzen, desto wirksamer kann sie sein. Jeder einzelne Anwender hilft.

(ahar/grof/jd/qua/dpa)