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NRW: Personalengpässe in Kitas und Kliniken - Warnung vor Ende der Isolierung

Trotz sinkender Inzidenzen : Kitas und Kliniken in NRW drohen Personalengpässe

Omikron hat das Land im Griff: Örtliche Kita-Schließungen seien unvermeidbar, so der Familienminister. Krankenhäuser rechnen mit steigenden Patientenzahlen. Die Gesundheitsämter warnen davor, Infizierte nicht mehr zu isolieren, wie es Großbritannien plant.

Die Omikron-Welle hat Deutschland fest im Griff und verursacht in Krankenhäusern und Kitas die befürchteten Personalausfälle.

Kitas NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) erwartet in den nächsten Wochen Kita-Schließungen. „Um Schäden von unseren Kindern bestmöglich abzuwenden, wird die Landesregierung weiter keine flächendeckenden Einschränkungen im Regelbetrieb veranlassen. Dennoch wird es auch in den kommenden Wochen coronabedingte Personalausfälle geben. Es kommt daher unvermeidbar vor Ort zu Einschränkungen oder sogar Schließungen“, heißt es in einem Brief von Stamp an Eltern und Beschäftigte. „Ich bin erleichtert, dass sich Omikron für unsere Kinder und für geimpfte Beschäftigte im Verlauf als überwiegend harmlos herausgestellt hat. Allerdings hat uns die hohe Ansteckungsrate wiederum massive Personalengpässe beschert.“ Der Minister erinnert an die Spielregeln: „So beginnt künftig die Testpflicht in der Kindertagesbetreuung nicht nur bei einem positiven PCR-Test, sondern auch bei einem positiven Schnelltest, der in einem Testzentrum durchgeführt wurde. Die Dauer der Testpflicht beträgt nun zehn Tage, in denen insgesamt vier Tests vorgelegt werden müssen.“

Krankenhäuser Der Scheitelpunkt der Omikron-Welle ist noch nicht erreicht. „Die Situation in Krankenhäusern bleibt trotz leicht sinkender Inzidenzen angespannt. Zunächst rechnen wir aber noch mit steigenden Zahlen in den Kliniken“, sagt Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW. Er geht davon aus, dass es erst in etwa zwei Wochen zu einem Rückgang der stationären Covid-19-Fälle kommt. Die meisten Patienten könnten auf Normalstationen behandelt werden, die teils an ihre Belastungsgrenze kämen. „Die Intensivstationen sind durch die Omikron-Variante zum Glück nicht so stark beansprucht wie in den früheren Pandemie-Wellen. Trotzdem sorgen vielerorts immer noch Personalausfälle für angespannte Verhältnisse. Deshalb müssen in einigen Krankenhäusern planbare Operationen verschoben werden“, so Blum.

Eine Verschärfung der Lage fürchten Kliniken durch die Impfpflicht. „Schon jetzt haben die Krankenhäuser mit krankheitsbedingten Personalausfällen zu kämpfen. Trotz der hohen Impfquote in den Kliniken erwarten viele Krankenhäuser zudem personelle Einschränkungen infolge der einrichtungsbezogenen Impfpflicht“, sagte der Vize-Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Andreas Wagener.Das zeige, wie dünn die Personaldecke in den Kliniken insgesamt sei und wie sehr schon relativ geringe Personalschwankungen zu Problemen bei der Patientenversorgung führen könnten.

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Krankmeldungen Führende Krankenkassen registrieren derzeit einen deutlichen Anstieg der Krankmeldungen. Nach Angaben der Barmer hatten sich in der Zeit vom 2. bis 8. Januar 10.700 Mitglieder krankgemeldet, das entspricht einem Anteil von 2,86 Personen je 1000 Anspruchsberechtigte. In der Woche vom 30. Januar bis 5. Februar waren es 35.300 krankgemeldete Personen (9,42 Personen je 1.000 Anspruchsberechtigte). Auch die DAK-Gesundheit meldete einen Anstieg.

Lockerungen Wegen der fallenden Inzidenzen wird über weitere Lockerungen debattiert. Großbritannien will gar die Isolierung für infizierte Patienten aufgeben. Das lehnt Elke Bruns-Philipps, Vize-Chefin des Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, ab: „Ich halte es für falsch, die Isolation für Infizierte aufzugeben, wie es Großbritannien plant. Wer sich infiziert hat, muss sich isolieren, bis er nicht mehr infektiös ist, das sind bei Covid-19 mindestens fünf Tage.“ Die Regel, Vorsorge zu treffen, damit sich andere nicht infizieren, gelte für alle ansteckenden Krankheiten. „Und das sollte auch für positiv getestete geimpfte Personen gelten, da sie – auch bei mildem Verlauf oder Symptomfreiheit – Überträger von Covid-19 sein können. Hier haben sich die Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes bewährt.“ Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, mahnt planvolle Lockerungen an: „Alle Zahlen zeigen, dass die Zeit gekommen ist, dass wir als Gesellschaft wieder zurück den Weg in die Normalität gehen werden.“ Die Politik müsse einen transparenten Plan aufstellen, welche Öffnungsschritte hin zur Normalität wann erfolgen können – „und das im Wesentlichen idealerweise bundesweit ohne landesindividuellen Flickenteppich“. Der Plan müsse Empfehlungen für die Zukunft enthalten „wie sich Menschen, insbesondere bei individuellen Risiken, auch bei wieder ansteigenden Zahlen schützen können“.

Wie geht es mit der App weiter? Die Corona-Warn-App und die Cov-Pass-App bilden künftig die geänderte Gültigkeit des Genesenen-Status ab. In einem Papier des Bundesgesundheitsministeriums heißt es dazu: „Für den nationalen Kontext wird die Gültigkeit einer Genesung in den Apps an die geltende Rechtslage angepasst und mit einer Länge von 90 Tagen abgebildet.“ Die Cov-Pass-Check-App, mit der etwa Gastronomen den Immunstatus ihrer Gäste prüfen können, wurde ebenfalls angepasst. Sie zeigt künftig an, ob die Genesung innerhalb der vergangenen 90 Tage stattfand (gültig) oder ob diese bereits über 90 Tage zurückliegt (ungültig). Doch es bleibt kompliziert: Denn ausgedruckte Zertifikate sollen weiterhin 180 Tage gültig sein. „Dies ist wichtig für den grenzüberschreitenden Reiseverkehr. Hier gilt weiterhin eine Gültigkeit von 180 Tagen.“