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Hans-Jürgen Schrans aus Alpen-Veen trainiert die Boxer beim TuS Xanten

Boxtrainer Hans-Jürgen Schrans : Vom Ring im Thailand zum TuS-Trainer

Hans-Jürgen Schrans trainiert seit 1997 die Boxer des TuS Xanten. Der Weltergewichtler beendete seine eigene Amateur-Laufbahn nach einem kuriosen Kampf in Südostasien. Nun kämpft er gegen die Pandemie und ihre Folgen.

An einer Wand der alten Tenne im Haus am Veener Weg hängt ein Poster, das Manny Pacquiao beim Boxkampf zeigt. Der philippinische Politiker und Profiboxer (42) ist als erster und aktuell einziger Profiboxer in der weltweiten Geschichte des Boxsports in sieben Gewichtsklassen anerkannter Weltmeister. Von der Decke baumelt ein prall gefüllter roter Sandsack, auf dem Boden liegen Boxhandschuhe und Fitnessgeräte. Hanteln, Springseile, Schlagpratzen – eine Art Teller, die der Trainer hält und auf die sein Gegenüber mit den Boxhandschuhen schlägt. „Um die Augen zu trainieren“, sagt Hans-Jürgen Schrans, der seit drei Jahren mit seiner Frau Josy und seinem Sohn Marvin (27) wieder dort wohnt, wo er aufgewachsen ist.

Der 57-Jährige muss es wissen: Er ist Amateurboxer, ist vor 30 Jahren über das Kickboxen zum klassischen Boxen gekommen. Seit 1997 ist er Trainer der Box-Abteilung beim TuS Xanten, die Friedhelm Forth (89) ein Jahr zuvor mit Heinrich Gundlach ins Leben gerufen hatte. Damals mit dem vom Deutschen Sportbund auch finanziell unterstützten Ziel, jungen Russland-Deutschen über den Sport zu helfen, sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren. „Wir sind eine kleine Abteilung. Wenn alle da sind, kommen wir auf 28 aktive Mitglieder.“

Mit „da“ ist das Training in der Sporthalle am Stiftsgymnasium gemeint, eine Stunde dienstags, 90 Minuten am Samstagvormittag. Das findet natürlich zur Zeit nicht statt, Boxen ist ein Vollkontaktsportart. Also trainiert Hans-Jürgen Schrans zwei Mal in der Woche auf der heimischen Tenne, geht regelmäßig in der Hees joggen, macht Klimmzüge an der Stange, haut mit dem Vorschlaghammer auf alte Treckerreifen.

Manchmal trainiert er zusammen mit seinem Sohn Marvin, der sich wie der Vater dem Boxsport verschrieben hat, der für ihn einen wichtigen Ausgleich zum Beruf bedeutet. Marvin arbeitet im Schichtdienst in der psychiatrischen Forensik der Landeskliniken in Bedburg-Hau. Mit 13 war er Niederrhein- und Bezirksmeister im Amateurboxen. Fußball spiele und gucke er zwar auch, genau wie Basketball. Aber Boxen, da stimmt er mit dem Vater überein, ist sein Ding. Weil da der ganze Körper trainiert wird. Und weil es im Gegensatz zum Teamsport eine Eins-gegen-Eins-Sportart ist. „Wenn man verliert, kann man nur sich selbst verantwortlich machen“.

Fit werden, ein paar Pfunde verlieren, sich selbst verteidigen können: Die Mitglieder der Boxabteilung beim TuS Xanten hatten unterschiedliche Motive, als sie mit dem Boxsport angefangen haben. „Wir haben nicht so viele Hallenzeiten, sonst könnten auch Jüngere bei uns mitmachen“, begründet Hans-Jürgen Schrans die Tatsache, dass das jüngste Mitglied zwölf ist. Mit seinen 57 Jahren ist der Trainer der Älteste im Box-Team, dem immerhin sieben Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren angehören. Um die 20 Aktive waren immer da, als man noch in der Gymnasiums-Halle trainieren konnte. Mit Sandsäcken, Springseilen, Schlagpratzen, Kugel- und Boxhanteln, einem Battleroap und für das Training auf Augenhöhe mit einem Boxdummy, der auf einem mit Wasser gefüllten Fass steht. Im ersten Lockdown im Frühjahr konnte das Training noch nach draußen in den Kurpark verlegt werden. Aber jetzt geht das natürlich nicht (mehr).

Als Amateurboxer trat Schrans zu seinen aktiven Zeiten für den Boxclub Wesel an, ging im Weltergewicht an den Start. Und er hat sich natürlich auch schon mal eine blutige Nase eingefangen, kam mit einer Rippenprellung oder blauen Augen nach Hause. „Ich bin auch mal angeklingelt gewesen“, gibt er zu und lacht. Sein Gewicht von 67 Kilogramm hat er gehalten. Seinen letzten Kampf bestritt Hans-Jürgen Schrans im Juli 2000. In Thailand, der Heimat seiner Frau. „Der Boxring war zwischen zwei Kneipen aufgebaut, da konnte jeder mitmachen.“ Im Hafen hätten zwei Marineschiffe aus den USA vor Anker gelegen, „die haben alle auf mich gewettet“. Und sie lagen richtig: Schrans gewann den Kampf nach Punkten.

Sein Vorbild sei, ganz klar, Schwergewichtsboxer Cassius Clay, alias Muhammad Ali. Auch Kämpfe von Henry Maske hat er sich gerne angeschaut, „der war immer fair“. Er schaut sich gerne auf Youtube Boxkämpfe an, weiß natürlich auch, wer der Ringrichter war, den der bullige Rechtsausleger Peter Müller aus Köln im Kampf um die Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht im Juni 1952 ausgeknockt hat. „Pippow hieß der“, weiß Schrans genau.

Ans Aufhören denkt der 57-Jährige noch lange nicht. „Ich halte es mit Max Schmeling, der mit 85 sagte, er würde jetzt langsam mal das Seilspringen sein lassen.“ Schmeling wurde 99 Jahre alt.