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Kunstausstellung in Xanten: Himmel, Hölle und Madonna als Alibi-Frau​

Kunstausstellung in Xanten : Himmel, Hölle und Madonna als Alibi-Frau

Die Künstlerin Monika Lioba Lang zeigt ihre Werke im Dreigiebelhaus in Xanten. Bei einer Arbeit ließ sie sich vom Westportal des Doms inspirieren. Ein anderes Werk ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Kirche und der Rolle der Frau.

Aus Himmel und Hölle wollte Monika Lioba Lang schon immer ein Kunstwerk machen. Das Fingerspiel fasziniere sie, erklärt die Bildhauerin, weil aus einer Fläche etwas Räumliches entstehe, indem ein Blatt Papier zu einer Pyramide gefaltet werde. Und als sie vor einiger Zeit vor dem Westportal des Xantener Doms stand, habe sie wieder an das beliebte Kinderspiel gedacht, berichtet sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Vom Kunstverein Xanten hatte sie damals das Angebot für eine eigene Ausstellung im Dreigiebelhaus erhalten. Deshalb sei sie durch die Stadt gegangen, um sich inspirieren zu lassen, erzählt Monika Lioba Lang. Denn sie versuche immer, dass mindestens eine Arbeit in einer Ausstellung mit dem Ort zu tun habe. Am Westportal des Doms blieb sie schließlich hängen. „Die Tür sprach mich an.“

 Aus vielen Himmel-und-Hölle-Spielen fertigte Monika Lioba Lang ihre Arbeit „Porta“. Inspiriert wurde sie vom Westportal des Xantener Doms.
Aus vielen Himmel-und-Hölle-Spielen fertigte Monika Lioba Lang ihre Arbeit „Porta“. Inspiriert wurde sie vom Westportal des Xantener Doms. Foto: Armin Fischer (arfi)

Ihre Ausstellung ist nun im zweiten Obergeschoss des Dreigiebelhauses zu sehen, und eine Arbeit heißt „Porta“. Monika Lioba Lang hat das Kunstwerk direkt am Fenster positioniert. So ist hinter ihm das Westportal des Doms zu sehen. Ihr Portal hat die Form einer Flügeltür. Es besteht aus einem Rahmen und vielen Himmel-und-Hölle-Spielen. Sie hat sie alle gefaltet. Ein halbes Jahr habe sie an diesem Werk gearbeitet, berichtet die Künstlerin.

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Die Wirkung dieser Tür hängt nun vom Standpunkt des Betrachters ab. Auf der einen Seite schaut er auf die Spitzen der Himmel-und-Hölle-Spiele. Die Tür bekommt dadurch einen abweisenden, geradezu wehrhaften Charakter. Auf der anderen Seite bilden die beiden Flügel dagegen einen eigenen kleinen Raum, weil sie fast in einem 90-Grad-Winkel aufgestellt wurden. Es ist ein geschützter, besinnlicher Raum.

Diese zwei Seiten ihrer Tür – wehrhaft nach außen, beschützend oder besinnlich nach innen – sind gewollt. Sie arbeite gern mit Gegensätzen, sagt Monika Lioba Lang bei einem Rundgang mit unserer Redaktion durch die Ausstellung. Und auch eine Kirche habe von außen eine andere Wirkung als von innen. Welche Wirkung das sein kann, will sie offen lassen. „Es ist für jeden anders.“ Aber sie weist noch auf eine weitere Bedeutung hin: Ein Himmel-und-Hölle-Spiel sei auch ein kleines Orakel. Genauso wie eine Tür: „Wenn man in einem Raum mit vielen Türen steht, öffnet sich hinter jeder eine andere Zukunft.“

Auch in anderen Werken von Monika Lioba Lang lassen sich Gegensätze entdecken. Zum Beispiel in der „Schutzmantelmadonna“, die nur wenige Meter von der „Porta“ entfernt steht. Die Patentante ihres Mannes habe ihnen die Figur aus Eichenholz geschenkt, als sie in ein Pflegeheim gezogen sei, berichtet die Künstlerin. Die ältere Frau habe ihnen die Madonna also anvertraut, nun seien sie folglich für sie verantwortlich. „Ich wollte ihr einen Patz schaffen.“

Sie selbst komme aus einem katholischen Haushalt in Bottrop, berichtet Monika Lioba Lang, die in Münster bei Ulrich Erben studiert hat. „In der Kindheit hatte ich schöne Erlebnisse mit der Kirche.“ Sie und andere Mädchen seien zum Beispiel die ersten Messdienerinnen in der Gemeinde gewesen. Aber sie habe auch schon früh ein Problem mit der Kirche gehabt, denn sie habe nie verstanden, warum sie weder Papst noch Priesterin werden dürfe, wenn sie es wollte. So wurde die „Schutzmantelmadonna“ zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Sie habe viele gute Erinnerungen an die Kirche, sagt Monika Lioba Lang. Aber es gebe auch viel zu kritisieren. Und aus dieser Ambivalenz machte sie ein Kunstwerk.

So ist ihre Madonna umgeben von Stahl und Baumwollgarn. Einerseits ist es ein Symbol für den Schutzmantel, den die Madonna über all jene ausbreitet, die sich hilfesuchend an sie wenden. Andererseits haben Stahl und Garn die Form eines Haute-Couture-Kleids, das sich nicht tragen lasse, und auch die Form eines goldenen Käfigs. Denn die Madonna sei „so ein bisschen die Alibi-Frau der katholischen Kirche“. Sie solle die weibliche Seite repräsentieren, aber gleichzeitig dürfe sie nicht wirklich etwas machen, erklärt Monika Lioba Lang.

Sie erklärt auch, wie die anderen Kunstwerke entstanden sind, die sie im Dreigiebelhaus zeigt. Sie will keine Interpretation vorgeben. Sie berichtet nur, welche Gedanken sie sich selbst gemacht hat und wie sie die Idee dann umsetzte. Das hat sie auch bei der Eröffnung der Ausstellung vor Ostern gemacht. Die Menschen seien dankbar gewesen, noch weitere Informationen zu bekommen, sagt Monika Lioba Lang. Sonst würden die Besucher einer Ausstellung mit den Kunstwerken allein gelassen. Im besten Fall könne das funktionieren, aber es sei doch wesentlich leichter für die Betrachter, wenn sie erführen, wie etwas entstanden ist und sie auch nachfragen könnten. Deshalb bietet sie ein weiteres Künstlergespräch an: Am Sonntag, 12. Juni, um 12 Uhr, führt sie die Besucher durch ihre Ausstellung in der zweiten Etage des Dreigiebelhauses und beantwortet Fragen.

(wer)