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Wuppertal: Neue Cragg-Skulptur erinnert an Domagk

Wuppertal : Neue Cragg-Skulptur erinnert an Domagk

2,50 Meter hoch ist sie und türkis: Am Donnerstag wurde die neue Bronzeskulptur von Tony Cragg vor dem Zoo eingeweiht als Ehrung für den Bayer-Forscher, Nobelpreisträger und Wegbereiter der Anibiotika Gerhard Domagk.

Die Skulptur, die auf einem Sockel vor den Zoogaststätten steht, begrüßt künftig die Besucher des Zoos. Die Komposition aus zwei Säulen, die sich in der Mitte berühren und nach oben wieder leicht auseinanderstreben, ahmt wie viele Arbeiten des britischen Bildhauers organische Formen nach: Sie besteht aus verschiedenen Schichten mit unregelmäßigen Vertiefungen, so dass sich am Rand eine gezackte Silhouette ergibt. Cragg beschäftigt sich in seinem Werk — wie auch der Forscher Domagk — mit Materialien und Strukturen. "Künstler und Wissenschaftler sind wie zwei Seiten einer Medaille", sagte der 64-Jährige. Der Künstler gebe dem Material eine Deutung, bei ihm besäße es eine "metaphysische Qualität".

Seine Domagk-Skulptur tauge nicht zum Porträt, sagte der Künstler schmunzelnd. Doch sicher hatte das im Vorfeld auch niemand erwartet, als Bayer Tony Cragg den Auftrag für eine Skulptur erteilte. Die Skulptur würdige eine der "herausragenden Forscher der Bayer-geschichte", sagte Dr. Klaus Jelich, Leiter des Bayer Standorts Wuppertal. Für Bayer Wuppertal ist dieses Jahr gleich doppelter Anlass zum Feiern: 150 Jahre Firmengeschichte und gleichzeitig begann an der Wupper vor 125 Jahren die Pharmaforschung. Antibiotika wie auch Aspirin wurden dort erfunden. Mittlerweile ist Wuppertal ein reiner Pharma-Standort mit 2500 Mitarbeitern.

Der Ort für die Skulptur vor dem Zoo sei nicht zufällig gewählt: Viele Bayer-Persönlichkeiten hätten hier gelebt. Das Haus der heutigen Technischen Akademie an der Hubertusallee beispielsweise gehörte Heinrich Hörlein, damaliger Leiter der Pharmazeutischen Forschung, der einst Domagk als jungen Forscher zu Bayer holte. Domagk entdeckte 1935 die antibakterielle Wirkung von Sulfonamiden und wurde dafür 1939 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet, den er wegen der Nazis erst 1947 entgegen nehmen konnte. Domagk habe Medizingeschichte geschrieben und "Millionen Menschen das Leben gerettet", sagte Bayer-Vorstandsmitglied Prof. Wolfgang Plischke. Die Skulptur, über deren Preis Bayer schweigt, sei auch ein Dank an Wuppertal, die Wiege des Unternehmens. Allein an diesem Standort investiert der Konzern 170 Millionen Euro in diesem Jahr.

Plischke dankte auch der Medizinisch-Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Wuppertal. Domagk gehörte mit zu den Gründern der Vereinigung, der heute 130 Wissenschaftler angehören und die die Idee zu der Skulptur hatte sowie den Kontakt zu Tony Cragg herstellte.

Dieser war gestern extra einen Tag aus seinem Urlaub zurückgekehrt und schwitzte mit seinem dunklen Jackett wie auch alle anderen Anwesenden bei der offiziellen Einweihung der Skulptur. Seit gestern ist er nicht mehr Rektor der Kunstakademie Düsseldorf — und wollte noch am Nachmittag seinen Schreibtisch dort räumen. Jetzt will der vielfach ausgezeichnete Künstler sich wieder mehr seinen eigenen Arbeiten widmen. Schließlich wurde der Skulpturenpark gerade erweitert — hier gibt es noch Platz für zahlreiche weitere Werke.

(RP)