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Wuppertal: Geballtes Wissen über die Hardt

Wuppertal : Geballtes Wissen über die Hardt

Ein neues Buch und eine Ausstellung über den Gartenkünstler Heinrich Siesmayer widmen sich der Parkanlage.

12.291 Mark und 80 Pfennige — so viel kostete die Bestellung von 23.666 Gehölzen, mit denen 1882 die "alte Neue Hardt" bepflanzt wurde. Die Pläne für die erste Erweiterungsfläche der ab 1807 in Wuppertal eröffneten Hardt zeichnete der Gartenkünstler Heinrich Siesmayer (1917 bis 1900), ein Meister seines Faches. Er schuf Parkanlagen für Fürst Metternich, die Rothschilds und wichtige Großindustrielle. Seine prachtvollen Teppichbeete und "Brezelwege" zum Prominieren prägen bis heute die Anlage. Aber auch bei ihm hinterließ die Arbeit in Wuppertal Spuren: "Die Hardtanlage mit ihren schwierigen Bodenverhältnissen ist eine meiner bedeutendsten Ausführungen für Gebirgsanlagen", schrieb er in seiner Biographie.

Dem Gartenkünstler der Gründerzeit widmet sich noch bis zum 11. August eine Ausstellung im Glashaus auf der Hardt. "Als wir von der Wanderausstellung über Siesmayer hörten, dachten wir gleich: Das ist doch was für uns", erzählt Antonia Dinnebier. Doch damit nicht genug: Die Gartenhistorikerin vom Verein Historische Parkanlagen Wuppertal bemühte sich alsbald darum, dass die Tafeln, die sich rein auf Siesmayers Wirken im hessischen Raum bezogen, um Wuppertaler Tafeln ergänzt wurden. Zwei Privatgärten in Langerfeld und auf dem heutigen Zoo-Gelände wurden ebenfalls von Siesmayer gestaltet.

Zeitgleich zur Ausstellung ist jetzt in der Edition Köndgen ein neues Buch über die beliebte Parkanlage erschienen. In "Gartendenkmal Hardt. Felsen, Palmen und Aussichtstürme" haben 13 Autoren viel Wissenswertes zusammengetragen. Grundlage bildete ein kleiner Führer über die Hardt, der 2007 erstmals erschien, inzwischen aber vergriffen ist. "In dem neuen Buch steht jetzt mehr über die Hardt selbst, dazu gibt es aber auch mehr Drumherum", sagt Antonia Dinnebier, die das Buch konzipiert hat. Im ersten Teil "Parkgeschichten" erfahren die Leser alles zu Steinbruch, Stiftung und Landschaftspark — vom frühen Volksgarten bis zum Neuen Garten aus dem Jahr 2007.

Unter dem Stichwort "Gartendenkmalgeschichten" schreibt Gärtner Andreas Schmiedecke über die Stadtgärtner, die auf der Hardt und in anderen Grünanlagen Wuppertals vor ihm gewirkt haben. In "Gartengeschichten" geht es zum Einen um Personengeschichten und um die Villa Eller und den Elisenturm — bis heute Wahrzeichen der Hardt — zum Anderen aber auch um die Pflanzenschätze und Gewächshäuser des Botanischen Gartens. Der Teil "Stadtgeschichten" schließlich befasst sich unter anderem mit der Vereinten Evangelischen Mission und dem Völkerkunde- und Missionshistorischen Museum.

Ein Ziel des Buches ist für Antonia Dinnebier und Frank Telöken, Leiter des Botanischen Gartens, auch, die Hardt nach außen besser zu vermarkten. Gerade erst ist sie als erste Wuppertaler Anlage ins Europäische Gartennetzwerk aufgenommen worden. "Die 400 Euro Beitrag pro Jahr übernimmt der Verein der Freunde und Förderer des Botanischen Gartens Wuppertal", sagt Telöken. Für die einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von 4000 Euro mussten zudem Spenden gesammelt werden.

In der Reihe "Wuppertals grüne Anlagen" sind bisher Ausgaben über die Waldanlage Nordpark, die grüne Meile Lüntenbeck und das Wasserreich Mirker Hain erschienen. Ende September wollen Sandra Balcke, Verlagsmanagerin der neugegründeten Edition Köndgen, und Verlagsleiter Thomas Helbig einen Band über den Wuppertaler Zoo herausbringen, im Frühjahr 2014 folgt dann ein weiterer Band über die Barmer Anlagen.

(RP)