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Wölfin in NRW: Herdenschutz wirkt offenbar - keine Angriffe auf Schafe

Wölfin Gloria am Niederrhein : Herdenschutzhunde schützen Schafe vor Angriffen durch Wölfe

Seit Wochen wurden keine Schafe mehr am Niederrhein gerissen: Schäfer Maik Dünow führt dies auf das Einsetzen von Schutzhunden zurück. Er ist aber überzeugt, dass die Wölfin Gloria noch hier ist.

Es ist still geworden um die Niederrhein-Wölfin GW954f: Seit mehr als zwei Monaten gibt es keine bestätigten Nutztierrisse mehr. Schäfer und Naturschützer und das Landesumweltamt zeigen sich aber überzeugt, dass die Wölfin weiterhin am Niederrhein zu Hause ist. Maik Dünow, Großschäfer vom Niederrhein und selbst in den vergangenen Monaten mehrfach Leidtragender von Nutztierrissen, glaubt vielmehr, dass der bessere Herdenschutz die Wölfin von weiteren Rissen abhält.

Dünow hat sich vier Herdenschutzhunde angeschafft, die seine insgesamt 500 am Niederrhein laufenden Tiere schützen. „Wenn die nicht wären, dann sähe es anders aus“, sagt Dünow. Er zeigt sich sicher: „Die Wölfin ist noch hier.“ Auch das Landesumweltamt ist ähnlicher Auffassung. Dessen Sprecher Wilhelm Deitermann sieht die Tatsache, dass es seit Wochen keine nachgewiesenen Wolfsrisse an Schafen gab, als Beweis für guten Herdenschutz. Die Strategie des Landes, Schäfern mit Zäunen und Hunden zu helfen, greife.

Der Weseler Schäfer Maik Dünow sieht jedoch ein großes Risiko: Derzeit hätten nur Schäfer mit großen Herdenbeständen ihre Tiere auf der Weide stehen. Viele Halter mit kleineren Beständen hingegen hätten ihre Tiere im Stall. Wenn die Schafe nun auf die Weide kommen und auch die kleinen Lämmer dort laufen, dann könnte auch Wölfin GW954f schneller als erhofft wieder zuschlagen, fürchtet Dünow.

 Die Herden-Schutzhunde zwischen den Schafen halten den Wolf offenbar ab.
Die Herden-Schutzhunde zwischen den Schafen halten den Wolf offenbar ab. Foto: Fritz Schubert
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Das Landesumweltamt dokumentiert auf seinen Internetseiten sowohl Wolfsnachweise als auch gemeldete Nutztierrisse, bei denen zunächst geprüft werden muss, was hinter dem Vorgang steckt. Bei den Nachweisen datiert der letzte Eintrag vom 8. und 9. Dezember 2018. An zwei aufeinander folgenden Tagen schlug GW954f in Hünxe bei Maik Dünow in Hünxe zu. Bei den gemeldeten Nutztierrissen gibt es auch im neuen Jahr einige neue Einträge. Im Kreis Viersen wurde demnach an zwei Tagen (22. und 29. Januar) ein Nutztier gerissen, in Bergisch-Gladbach am 22. Januar, in Olpe am 25. Januar. Aufhorchen lässt ein Fall vom 5. Februar: An diesem Tag wurde in Oberhausen, unweit von Hünxe, ein Schaf gerissen. Zu betonen ist allerdings, dass alle Fälle noch nicht ausreichend untersucht sind. Ein Beweis für den Wolf steht aus. Die Nutztierrisse können auch durch andere Tiere verursacht worden sein.

Ist die Wölfin wirklich noch hier? Auch Peter Malzbender, Chef des Naturschutzbundes, glaubt weiter an die Präsenz von GW954f. Er ist zuversichtlich, dass das Tier durch die Herdenschutzmaßnahmen von Rissen abgehalten wird und stattdessen auf normales Wild im Wald setzt. Dass auch solche Wildtierrisse zuletzt nicht bekannt wurden, ist für Malzbender kein Argument „Es wird ja längst nicht mehr jeder Riss bestätigt.“ Maik Dünow hatte die Wölfin zuletzt auf per Nachtsichtfoto direkt an seiner Herde aufgenommen. Das Land bestätigte nach Sichtung der Bilder, dass es sich um GW954f handelt. Weil Dünow seine Herde nun an einer anderen Stelle stehen hat, wo mehr Publikumsverkehr herrscht, macht er auch keine Bilder mehr mit den Nachtsichtkameras.

Seine aus Brandenburg stammenden Schutzhunde jedenfalls würden ganze Arbeit leisten: 5000 Euro kostet jedes einzelne Tier. Gut investiertes Geld für den 44-Jährigen. Dünow hält es allerdings eigentlich für nötig, noch viel mehr Hunde anzuschaffen. Die Zäune jedenfalls, für die das Land finanzielle Unterstützung bietet, würden keinen vollumfänglichen Schutz bieten. „Ob sie nun 1,20 Meter oder wie bei mir 90 Zentimeter hoch sind; wenn der Wolf will, dann kommt er zur Herde.“ Eines will Peter Malzbender nahezu ausschließen: dass ein Jäger den Wolf getötet haben könnte. „Das macht kein Jäger, denn irgendwann kommt das raus.“ Bis zu 50.000 Euro Geldstrafe drohten für das Töten eines Wolfes. „Diesem Risiko setzt sich kein Jäger aus.“

(sep)