Wolf „Gloria“ vom Niederrhein wieder aufgetaucht - neue Fotos

Experten bewerten neue Fotos : Wölfin „Gloria“ vom Niederrhein ist wieder da

Die Wölfin ist nach vielen Wochen offenbar wieder aufgetaucht. Ein Schäfer aus Wesel will aktuelle Bilder von ihr gemacht haben. Das Land bewertet die Aufnahmen heute.

Bis auf 20 Meter soll sich Wölfin „Gloria“ im Januar mehrfach an die Schafherde heran gewagt haben, obwohl diese von vier Hunden bewacht wird. „Sie zeigt überhaupt keine Scheu“, sagt  Maik Dünow. „Sie kommt immer nachts und sucht in den Schutzvorkehrungen nach Schwachstellen. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls“, sagt der Schäfer aus Wesel.

Erst vor wenigen Tagen ist es Dünow eigenen Angaben zufolge gelungen, Fotos der Wölfin zu machen, als sie sich nahe seiner Schafherde herumtrieb. „Eine Kamera, die ich auf meine Schafe gerichtet habe, hat sie nachts aufgenommen“, sagt Dünow. Es wäre der Beweis dafür, dass sich die Wölfin noch am Niederrhein aufhält und keineswegs weitergezogen ist, wie einige Experten bereits vermutet haben. Seit Wochen hatte es kein Lebenszeichen mehr von Wölfin „Gloria“ gegeben.

Die Bilder, von denen unserer Redaktion eines vom 11. Januar vorliegt, werden am heutigen Freitag von Experten des Landesamtes für Natur und Verbraucherschutz (Lanuv) beurteilt. Erst danach will das Umweltministerium bekanntgeben, ob es sich auf den Fotos tatsächlich um die Wölfin handelt. Bis dahin gibt man sich vorsichtig. „Es gibt Indizien, dass die Wölfin noch am Niederrhein ist“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Dünow ist sich hingegen schon sicher, dass es sich um die Wölfin mit der amtlichen Kennung GW954f handelt, die „Gloria“ genannt wird. „Ich kenne das Tier. Es hat im vergangenen Jahr schon einige meiner Schafe gerissen.“

Anfang Oktober hatte das Land NRW ein Gebiet rund um Schermbeck als Wolfsland ausgewiesen. Das Gebiet umfasst rund 960 Quadratkilometer in den Kreisen Kleve, Wesel, Borken und Recklinghausen sowie in den Städten Bottrop und Oberhausen.

Dass Wölfe längere Zeit im Verborgenen blieben, sei indes nichts Ungewöhnliches. „Wölfe ernähren sich zu über 95 Prozent von wild lebenden Huftieren wie Reh, Hirsch, Wildschwein“, so der Ministeriumssprecher. Bei neu ankommenden Wölfen wie GW954f könne sich dieses Verhältnis in Richtung Nutztier verschieben, da die Schafherden nicht ausreichend geschützt seien. „In dieser Phase kann es für Wölfe einfacher sein, ungeschützte Schafe oder Ziegen zu reißen, statt Rehe zu jagen.“

Dünow, der auch Sprecher der Berufsschäfer in NRW ist, macht für diese Situation das Land verantwortlich. Man habe viele Jahre Zeit gehabt, sich auf Wölfe vorzubereiten. Doch die vielfachen Warnungen durch Weidetierhalter seien nicht ernst genommen worden. „Das Land möchte den Wolf. Dann muss das Land auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen.“

Beim Land NRW können betroffene Weidetierhalter Geld für die Errichtung von Schutzmaßnahmen gegen den Wolf beantragen. Nach Angaben des Umweltministeriums sind bislang 51 Anträge eingegangen und 23.335 Euro ausgezahlt worden.

Das Geld würde hinten und vorne nicht reichen, kritisiert Dünow. Er habe nichts gegen den Wolf, man könne nebeneinander leben. Aber das sei nur möglich, wenn die Schafe ausreichend geschützt seien. Und das sei mit den finanziellen Hilfen des Landes nicht ansatzweise zu bewerkstelligen. Die Schäfer selbst hätten dafür nicht die Mittel. Dünow rechnet vor: „Um eine Herde effektiv zu schützen, brauche ich mindestens vier Hunde. Und ich habe mehrere Herden. Ein zertifizierter Hund kostet 5000 Euro, hinzu kommen 2500 Euro für Futter pro Jahr.“

Vom Land bekomme er aber für drei Wirtschaftsjahre maximal 15.000 Euro, und davon gingen auch noch Gelder ab. Das könne nicht funktionieren. Zudem sei es ein enormer bürokratischer Aufwand, an die Landesmittel zu kommen. „Das dauert viele Wochen und ist extrem nervenaufreibend“, sagt Dünow. „So richtet man uns Schäfer zu Grunde.“