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In Afrika gibt es jetzt "Shermbeck-Avenue"

Gagu-Zwergenhilfe : In Afrika gibt es eine ,Schermbeck-Avenue’

Der Rotary-Club Lippe-Issel fördert den Bau eines Gesundheitszentrums in Sierra Leone.

Nach der Rückkehr von ihrem zweiwöchigen Aufenthalt in Sierra Leone berichteten am Freitag Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt als Vorstandsmitglieder des Vereins GAGU-Zwergenhilfe von ihren Eindrücken in Malokka nahe der Großstadt Freetown, wo die Schermbecker Gruppe seit 2002 bedürftige Menschen in verschiedenster Form unterstützt.

„Viele glückliche Momente bestimmten das Wiedersehen“, berichtete Gudrun Gerwien von dem herzlichen Empfang, von dem neuen Straßenschild „Shermbeck Avenue“, das den Weg zum Home of hope zeigt, einem Heim für Kinder und Jugendliche, das die Schermbecker 2012 einweihten. Dem kleinen Rushid, der 2018 nach Deutschland gebracht wurde, weil ihm die verschluckte Kappe eines Filzstiftes aus der Lunge entfernt werden musste, geht es sehr gut. Auch Ibrahim hat sich kräftig entwickelt. Als die GAGUs ihn vor vier Jahren kennenlernten, war er völlig unterernährt. Unter der Führung seiner Großmutter, die von den GAGUs unterstützt und beraten wurde, hat sich der Junge prächtig entwickelt. Inzwischen besucht er die Schule. „Da kann man sehen, was man mit 30 Euro pro Monat alles erreichen kann“, freut sich Gerwien über den Erfolg. 30 Euro monatlich kostet eine Patenschaft, die es ermöglicht, ein Kind zu beköstigen, ihm eine Schulausbildung zu bieten und dazu noch ein ärztliche Behandlung.

Positives gab es auch von den Heimbewohnern zu berichten. Einige sind schon zu jungen Erwachsenen heran gereift. Einige bereiten sich gerade auf die Uni vor und besuchen so genannte Trainingscamps. Janet studiert bereits seit einigen Monaten. Sie möchte gerne Anwältin werden „Wir sind unsagbar stolz, denn sie ist die Beste unter ihren Kommilitoninnen“, freut sich Dieter Schmitt über Janet, die zwar nicht im Home of hope wohnt, aber von den GAGUs finanziell unterstützt wird.

Im GAGU Trade Center wurde erfolgreiche Ausbildungsarbeit geleistet. In der Schneiderei haben fünf junge Menschen eine zweijährige Ausbildung absolviert. Sie haben nicht nur von den GAGUs ein Certificate of Merit erhalten, sondern auch eine Nähmaschine, sodass sie jetzt zu Hause selbstständig Arbeiten ausführen und ein eigenes Gehalt beziehen können. Da die Ausbildung neuer Lehrlinge bevorsteht, müssen nun fünf neue Nähmaschinen gekauft werden. „Vielleicht hat jemand noch eine alte Tret-Nähmaschine zu Hause, die er uns geben kann“, hofft Gudrun Gerwien. Tretmaschinen seien sinnvoller als elektrische Maschinen, weil in Malokko oft der Strom ausfalle. Die Maschine könne auch getrost kleine Funktionsfehler haben, weil sie vor Ort repariert werden könne.

Das Hopeful Starlight House ist inzwischen fertig gestellt, obwohl es Schwierigkeiten mit den Architekten gab. Der erste Architekt war plötzlich verschwunden. Sein Nachfolger hat aus zwei geplanten Zwei-Raum-Häusern kurzerhand ein Vier-Raum-Haus errichten lassen. „It´s Africa“, sagt Dieter Schmitt und lacht. Er freut sich jedoch, dass der Bau wunderschön geworden sei. In dem Haus werden ab März zwei Familien wohnen, die sich verpflichten müssen, Ebola-Waisen in die Familie mit aufzunehmen.

Die mitgebrachten Bilder von der örtlichen Entbindungsstation zeigen, dass diese Station extrem weit vom mitteleuropäischen Standard entfernt ist. „Da wird man ganz still, wagt es nicht, den anderen anzuschauen, denn wenn man dessen Tränen sieht, kann man die eigenen auch nicht mehr halten“, beschrieb Gudrun Gerwien ihre Gefühle beim Anblick der Station. Umso mehr freut sie sich, dass dank der finanziellen Unterstützung durch den Rotary-Club Lippe-Issel jetzt ein Health-Center errichtet werden kann.

Während des Aufenthaltes in Sierra Leone erhielten sie vom Schermbecker Rotarier Stephan Proff die Mitteilung, dass das Projekt realisiert werden kann, das vom ehemaligen Präsidenten Helmut Ackmann eingestielt wurde. In dem Gesundheitszentrum, mit dessen Bau jetzt begonnen wurde und das 2020 eingeweiht werden soll, werden künftig Menschen behandelt, die sich keinen Arztbesuch leisten können. Für diese Menschen möchten die GAGUs eine Anlaufstelle im Bereich der alltäglichen Allgemeinmedizin schaffen. Dazu gehören die Versorgung bei Verletzungen und ausreichend Medikamente und Verbandsmaterialien ebenso wie Impfungen, damit Lappalien nicht mehr so leicht zum Tode führen können. Die Kosten für den Bau werden etwa 50.000 Euro betragen. Hinzu kommen die Kosten für das medizinische Equipment.