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Wesel: Trauer um Journalistin Hanne Buschmann

Im Alter von 91 Jahren gestorben : Trauer um Journalistin Hanne Buschmann

Die langjährige Mitarbeiterin unserer Zeitung starb mit 91 Jahren.

Es ist nur eine kleine Anekdote aus einem langen und erfüllten Leben, aber sie sagt viel aus über den Menschen Hanne Buschmann. Vor rund einem Jahr kam die Weselerin von einem Krankenhausaufenthalt nach Hause. Das Gehen fiel ihr schwer, sie benötigte im Alter von 91 Jahren plötzlich einen Rollator, aber weil Hanne Buschmann eine Frau von großer Willenskraft und obendrein reiselustig ist, buchte sie direkt nach Ankunft zu Hause eine Reise: eine Expedition nach Spitzbergen. Sie wolle auch dieses Fleckchen Erde kennenlernen, wie sie zuvor schon so viele andere Teile dieser Welt gesehen hatte. Jetzt ist Hanne Buschmann im Alter von 91 Jahren gestorben. Die Reise in den Norden Norwegens, ans Ende der Welt, war ihr nicht mehr vergönnt.

Am 9. März 1927 wurde Hanne Buschmann in Hamm im Ruhrgebiet geboren, erlebte als junge Frau den Zweiten Weltkrieg, machte zunächst nach der Schule eine Schneiderlehre, ehe sie in Buddenburg in Westfalen ein Kunststudium begann. Dort lernte sie ihren späteren Mann Franz kennen. Als der eine Stelle als Grafiker in Wesel angeboten bekam, ging Hanne Buschmann mit, studierte weiter. Eine politische Entscheidung in NRW war es, die sie ins Lehramt brachte. Der damalige Kultusminister von NRW, Paul Mikat, wollte angesichts eines starken Lehrermangels mehr Seiteneinsteiger in den Beruf holen. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde Hanne Buschmann also Lehrerin. Die Pädagogen, die mit dieser Sonderregel in ihr Amt kamen, wurden später „Mikater“ und „Mikätzchen“ genannt. Hanne Buschmann war eines dieser Mikätzchen, wobei der Begriff für eine so eigensinnige und willensstarke Frau vielleicht etwas zu harmlos klingt. Als Lehrerin besaß sie eine gewisse Strenge, wissen ihre Schüler zu berichten. Gewissermaßen war es auch diese Strenge, die sie nach ihrer Dienstzeit als Freie Mitarbeiterin zur Rheinischen Post brachte. Sie schilderte die Anekdote in einem großen Artikel anlässlich ihres 90. Geburtstages, den sie für unsere Zeitung schrieb. Hanne Buschmann blickte da darauf zurück, wie sie im späten Alter noch Journalistin wurde. Der Grund war, dass ein reingereichter Artikel von Buschmann fehlerhaft in einer Zeitung erschien. Es war nicht die Rheinische Post – für Hanne Buschmann war das aber Motivation, selbst schreiberisch tätig zu werden, es besser zu machen. Als kunstaffine Person berichtete sie viele Jahre über das Kulturgeschehen am Niederrhein. Ihr Urteil war gefürchtet, wenn sie es auch manchmal in freundliche Worte zu kleiden wusste. Diplomatische Schleifen im persönlichen Umgang waren ihr fremd. Direkt konnte Hanne Buschmann sein, auch fordernd. Ihre Texte schrieb sie auch im hohen Alter noch in der Redaktion. Den 90. Geburtstag feierte die Redaktion mit ihr gegenüber beim Griechen. Es war ein munterer kleiner Festakt. Mit der Technik haderte Hanne Buschmann ab und an, bisweilen brauchte sie kleine Denkpausen. Am Ende stand aber immer pünktlich vor Redaktionsschluss jeder Text.

91 Jahre alt ist Hanne Buschmann geworden, als Angehörige leben nur noch die Nichte Bettina und Schwester Helga (85). Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 9 Uhr, im Bestattungshaus Keunecke statt.