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Wermelskirchen: Idylle in der Kleingartenanlage Wirtsmühle

Mein Wermelskirchen: Musikerviertel : „Der Garten ist mein Mallorca“

In der Kleingartenanlage Wirtsmühle herrscht eine idyllische Ruhe und sorgt eine Blütenpracht für ein beschauliches Ambiente. Auf seiner Parzelle im Ostviertel findet Vladimir Eger den Ausgleich, nach dem er sich sehnt. Bei gutem Wetter ist immer in der Anlage. Zur Zeit arbeitet der 53-Jährige an dem Anbau einer Terrasse an sein Gartenhaus.

Folgt man Wirtsmühler und Bachstraße bis an den Rand des Ost- bzw. Musikerviertels, entdeckt das wache Auge unweigerlich die Anlage des Kleingartenvereins Wirtsmühle, der einer von vier Vereinen im Wermelskirchener Stadtverband der Kleingärtner ist. Die Kleingartenanlage im Musikerviertel präsentiert sich als ein Idyll, sie strahlt erholsame Ruhe aus, die Blütenpracht in den Kleingärten zeugt von den Vorlieben ihrer Betreiber. Auf einer Parzelle betreibt ein Kleingärtner sogar seine kleine Imkerei, stellt seinen eigenen Honig her: Ein Schild am Eingang „Hier leben Bienen“ kündet davon.

Vladimir Eger ist begeisterter Kleingärtner und setzt in seinem Kleingarten mehr auf Gemüse: Drei verschiedene Sorten Tomaten haben er und seine Lebensgefährtin angepflanzt, dazu Zucchini, Kürbis und Rhabarber. „Das ist alles ein Bioprodukt“, sagt der Kleingärtner mit einem Lachen. Seine Ernte reicht für den Eigenbedarf und den Verzehr mit Freunden.

Die Wochenenden im Sommer verbringen Vladimir Eger und seine Lebensgefährtin, die gemeinsam in der Querbacher Straße wohnen, immer in der Kleingartenanlage Wirtsmühle. Oft kommen dorthin Freunde zum Grillen zu Besuch. „Meine Freundin kümmert sich um die feinen Arbeiten mit den Blumen, ich bin der Mann fürs Grobe“, meint der 53-Jährige verschmitzt. Er arbeitet in der Maschinenmontage der Wermelskirchener Firma Rasspe, ist dort grundsätzlich in der Frühschicht im Einsatz: „Das ist für mich ein Plus, weil ich bei gutem Wetter nachmittags in den Garten kann.“

Zur Zeit arbeitet Eger an einer etwa sechs Quadratmeter großen Terrasse, die er an sein etwa 16 Quadratmeter großes Gartenhaus anbaut. Die Kleingartenparzelle „ergatterte“ Eger vor drei Jahren: „Damals stand hier nur der kleine Schuppen, der über 50 Jahre alt und schon etwas morsch ist“, erzählt Vladimir Eger, der zu den sogenannten „Russland-Deutschen“ zählt, sich selbst als „Wolga-Deutschen“ bezeichnet und 2002 nach Deutschland kam. Den kleinen Schuppen nutzt Eger noch als Abstellraum für Werkzeug.

Einmal im Jahr zahlen Eger und die anderen Kleingärtner ihre Pacht an den Kleingartenverein, Egers Parzelle hat geschätzt eine Gesamtgröße von rund 150 Quadratmetern. Darin steckt viel Mühe: Das leichte Gefälle hat er zum Teil durch Terrassierungen unterbrochen, auch beim Bau der Terrasse musste er für die Unterkonstruktion den Höhenunterschied ausgleichen, um eine waagerechte Fläche zu erhalten. Aber er ist handwerklich geschickt.

Oft werde er gefragt, ob er in Urlaub gewesen sei, denn Vladimir Egers Haut ist von der Sonne sichtlich gebräunt. „Dann muss ich immer lachen“, meint Eger und blickt sich in seinem Kleingarten um: „Das hier ist mein Mallorca.“

Dass er nachmittags die Zeit finden kann (Eger: „Wenn ich von der Arbeit nicht zu müde bin“), auf seiner Parzelle zu werkeln, hat einen weiteren Vorteil: Dann kann er sägen und hämmern. „Das darf sonntags nicht sein, dann herrscht auf der Anlage erholsame Ruhe, obwohl fast alle Kleingärtner auf ihrer Parzelle sind“, berichtet Eger. Der Samstagvormittag stände bei den Kleingärtnern ganz im Zeichen der Gartenarbeit, dann würde auch mal ein Rasenmäher knattern.

Für Vladimir Eger ist die Kleingärtnerei ein erfüllendes Hobby: „Ich bin hier mein eigener Chef. Mal arbeite ich schneller und wenn es mal langsamer geht, dann geht es eben langsamer.“ Nicht ohne ein wenig Stolz zeigt Vladimir Eger eine Fleischtomate aus eigenem Anbau, die so stattlich ist, dass sie die Handfläche eines erwachsenen Mannes bedeckt. Er gibt einen Tipp: „Beispielsweise Gurken müssen täglich gegossen werden. Tomaten nur einmal in der Woche – dann aber kräftig, die Erde muss richtig durchnässt sein.“