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Polizeikommissarin Karoline Strauch-Schmitz: „i-Dötzchen sollten mit den Eltern üben“

Interview Karoline Strauch-Schmitz : „Kinder sollten mit den Eltern üben“

Die Geschäftsführerin der Verkehrswacht spricht über i-Dötze auf dem Schulweg und was Autofahrer beachten sollten.

Frau Strauch-Schmitz, wie sah denn ihr Schulweg aus?

Karoline Strauch-Schmitz Mein eigener Schulweg ging quer durch Dabringhausen. Wir haben damals mitten im Ortskern gewohnt und ich musste nach Höferhof hoch zur Schule laufen. Ich kann mich daran erinnern, dass wir zur Einschulung in die Schule gebracht wurden. Von da an sind wir selbstständig zur Schule gegangen. Es war damals üblich, dass alle Kinder zu Fuß gingen – außer denen natürlich, die in den Außenbezirken wie Bremen oder Limmringhausen wohnten. Bei uns gab es auch schon viel Verkehr, und auch keine Verkehrsberuhigung, Spielstraßen oder 30er-Zonen.

Sollte man mit den I-Dötzchen den neuen Schulweg zum Ferienende hin schon mal ablaufen?

Strauch-Schmitz Das ist auf jeden Fall sinnvoll. Denjenigen, die schon aus dem Urlaub zurück sind, empfehle ich, sich in aller Ruhe mit den Kindern den Schulweg anzusehen und ihn einzuüben. Gerade die Stellen, an denen die Kinder eine Fahrbahn überqueren müssen, sollten sie sich gut ansehen. Je nachdem, wie gefährlich die Stelle ist, lohnt es sich auch, eventuell einen kleinen Umweg zu suchen. Der ist zwar länger, dafür aber nicht so gefährlich.

Sollte man in den ersten Tagen auch noch mit den Kindern zur Schule gehen?

Strauch-Schmitz Ja, auf jeden Fall. Früher war die Situation ganz anders. Da sind wir teilweise schon in den Kindergarten allein gelaufen. Das ist heute gar nicht mehr üblich. Kinder sollten das also einige Zeit mit den Eltern üben, bis sie ganz sicher sind.

Und wie lange ist es sinnvoll, das zu tun?

Strauch-Schmitz Das ist ganz individuell vom jeweiligen Kind abhängig. Ich bin mit meinen Kindern früher auch immer die erste Zeit mitgelaufen. Ich hatte mir als Ziel gesetzt: Bis maximal zu den Herbstferien laufe ich mit, dann sollen sie alleine laufen. Aber ich habe das auch dem Kind angepasst. Es gibt Kinder, die sind in einer oder zwei Wochen soweit, bei anderen dauert es länger.

Sollte man für eine Übergangszeit den Kindern noch hinterhergehen?

Strauch-Schmitz Das ist nicht verkehrt – bei zwei meiner Kinder habe ich das auch gemacht. Ich war mir schlicht nicht sicher, ob es denn immer funktioniert, wenn sie alleine gehen, oder ob es noch Schwierigkeiten gibt. Außerdem ist es ganz interessant zu sehen, was die Kinder auf dem Weg machen, wenn sie alleine sind.

Wie kann man den Eltern die Angst nehmen, ihre Kinder alleine zur Schule zu schicken?

Strauch-Schmitz Auch hier gilt folgendes: Die Eltern sollten viel mit ihren Kindern üben. Das Thema Verkehrssicherheit wird auch schon im Kindergarten thematisiert. Da wird zum Beispiel der Fußgängerpass gemeinsam mit der Polizei gemacht, bei dem auch die Eltern eingebunden sind. Also wissen sie seit etwa einem Dreivierteljahr, auf welchem Stand der Nachwuchs ist, was die Kinder können und wo sie noch üben müssen. Es wird ja nur das fortgeführt, was Eltern und Kinder in den vergangenen Monaten haben üben können.

Welche Rolle spielen Schülerlotsen und wo sollten sie eingesetzt werden?

Strauch-Schmitz Allgemein kann man sagen, dass sie vor allem an potentiell gefährlichen Stellen eingesetzt werden sollen. Wo viel Verkehr ist oder wo man die Straße nicht so gut einsehen kann. Manchmal kommen entsprechende Hinweise auch von der Schule oder den Eltern.

Wie bekommt man Eltern dazu, diese Aufgabe zu übernehmen?

Strauch-Schmitz Von manchen Eltern kommt das Engagement, Schülerlotse zu werden, selbst. Aber diese Eltern haben dann oft Probleme, die Aufgabe weiterzuführen. Da gehört oft viel Überredungskunst von Seiten der Schule dazu. Und natürlich scheiden viele Eltern aus, weil ihre Kinder nicht mehr in der Schule sind- Dann ist es nicht einfach, Nachfolger zu finden. Bisher hat es aber meines Wissens nach noch immer geklappt.

Was sollten Kinder gerade in der dunklen Jahreszeit auf dem Schulweg anziehen?

Strauch-Schmitz Alle I-Dötzchen, zumindest aus Rhein-Berg, bekommen vom ADAC Warnwesten. Die sollten sie auf jeden Fall anziehen. Schulranzen sind zwar alle mit Reflektoren ausgestattet, aber die Weste ist eben noch sehr viel deutlicher zu sehen und hilft dabei, gesehen zu werden. Ich dränge immer darauf, dass die Kinder ihre Westen direkt in den Schulranzen packen, damit sie gar nicht vergessen werden können. Wir üben das auch schon mit den Kindergartenkindern, um sie darauf zu sensibilisieren.

Welche Bedeutung haben Reflektoren an den Schulranzen?

Strauch-Schmitz Reflektoren sind ganz wichtig. Wenn die Kinder ihre Schulranzen aufsetzen, dann sind sie von hinten nur durch die Reflektoren für Autofahrer zu erkennen. Jeder kennt die Situation, wenn plötzlich ein dunkel gekleideter Fußgänger auftaucht. Das erschreckt schon sehr.

Was raten Sie Autofahrern, wenn sie morgens zur Arbeit fahren?

Strauch-Schmitz Einfach ganz, ganz vorsichtig zu sein. Jeder Autofahrer weiß, dass Kinder am Straßenrand unberechenbar sein können. Gerade, wenn sie in einer Gruppe unterwegs sind, weiß man nie, was gleich passiert. Daher: Fuß vom Gas und bremsbereit sein! Es gibt ja die landesweite Banneraktion „Schule hat begonnen“, die Autofahrer vier bis sechs Wochen daran erinnern soll, dass jetzt wieder neue Schulkinder unterwegs sind.

Was halten Sie davon, den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule zu bringen, wenn die Entfernung auch gelaufen werden könnte?

Strauch-Schmitz Das ist ein Phänomen, das ich schon oft beobachtet habe. Wenn man sich vor die Schule stellt, dann sieht man, dass das größte Chaos nur dann herrscht, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Ich habe schon Situationen erlebt, dass ich mit Kindern vor der Schule kaum üben konnte, weil gar kein Auto mehr kommt, sobald dieser Run durch die Eltern vorbei ist. Ich würde sagen, dass Vieles im Bereich Schule/Schulweg durch die Eltern hausgemacht ist. Wenn wir die Eltern dazu bringen könnten, ihre Kinder weniger zur Schule zu fahren, dann wäre allen geholfen: Kindern, die ohnehin schon zu Fuß kommen, aber auch denen, die dann zu Fuß kommen könnten. Die Eltern nehmen ihren Kindern die Chance, sicher im Straßenverkehr zurechtzukommen. Es baut nämlich aufeinander auf. Wer sicher als Fußgänger unterwegs ist, wird auch zum sicheren Fahrradfahrer und später auch im Auto. Abgesehen davon – wenn Kinder morgens ein paar Meter zu Fuß gehen, werden sie auch wacher und fitter für den Unterricht. Unser Gehirn braucht Sauerstoff zum Funktionieren.