Martina Roth spielt im Filmeck.

Wermelskirchen: Schwermütige Stimmung im Film-Eck

Im Theaterstück „Susanna – Ich bin ein Kontinent“ glänzt Martina Roth auf der Bühne und auf der Leinwand.

Da hockt das Mädchen auf einer Leiter und der Zuschauer im Filmeck hofft, dass sie nicht herunterfällt. Dieses Bangen macht sich breit mit dem ersten Blick auf die Bühne des Stückes „Susanna – Ich bin ein Kontinent“ nach der Lyrikerin Gertrud Kolmar.

Susanna (Martina Roth) auf der Leiter ist eine junge, gemütskranke Frau, die offensichtlich auch in ihrer pubertären Entwicklung zurückgeblieben ist: In einem feuerroten Kleid schmachtet sie in ihrer Vorstellung als Königstochter aus der Geschlechtslinie Davids nach ihrem Meeresprinzen unter Wasser, fühlt sich als Fisch, erfreut sich am „Meerhund“ und glaubt auch schon mal, als Ertrunkene unter Wasser zu gleiten. Spätestens dann weiß der Zuschauer: Oh, oh, das geht nicht gut aus. Von allem hat die Person zur Susannas Seite – die Erzieherin (auch Martina Roth) – keine Ahnung. Im hoch geschlossenem Gewand und steif wie ein Bügelbrett, an dem die Sinnlichkeit geplättet wurde, glaubt die Erzieherin, sie hat einen leichten Job mit Susanna. Von wegen. Sie erreicht Susanna nicht. Der Dialog zwischen beiden schwankt zwischen direkter Rede, entrückten Monologen und Erinnerungen. Eine direkte Handlung existiert nicht. Keine leichte Kost für den Zuschauer. Zumal zwischendurch Martina Roth Gertrud Kolmars Gedichte in Liedformen presst und singt. „Spannend“, sagte eine Zuschauerin. Immer, wenn man geglaubt habe, den Handlungsfaden endlich gefunden zu haben, habe er sich erneut in den gesungenen metaphorischen Texten verloren.

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Ohne Zweifel: Das Stück ist technisch brillant und schauspielerisch grandios gemacht. Die Erzieherin flattert über eine Leinwand und befindet sich in einem virtuellen Raum. Roth und Johannes Conen, verantwortlich für Vertonung und Technik, haben die Erzieherin komplett wie auf einem Film gebannt. Er wird abgespult. Martina Roth spielt dazu die Figur der Susanne live. Sie passt sich sekundengenau ihrem Gegenüber aus der Konserve an. Bereits nach kurzer Zeit sieht es aus, als ständen zwei Personen live auf der Bühne. Phantastisch. Diesen Eindruck verstärkt Conen noch durch sein sphärisch dichtes Gitarrenspiel. Damit begleitet er Martina Roth zu den Liedern.

Die Grundstimmung dieses Stück ist schwermütig. Am Ende verlässt Susanna die Bühne und nutzt eine kurze Schlafpause der Erzieherin, um ihrem phantastischen, verschwundenen Geliebten zu folgen. Doch sie ist arm und macht sich deshalb entlang der Schienen zu Fuß auf dem Weg. Die Erzieherin sieht gerade noch, wie Susanna aufgesammelt wird. Ein Selbstmord? Wer weiß. Der Zuschauer bleibt hilflos zurück. Gut, dass in Wermelskirchen keine Züge mehr rollen. Vielleicht wären einige Zuschauer auf den Schienen nach Hause gegangen.

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