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Handwerksgesellen in Wermelskirchen geehrt: Tischler, Fleischer und Friseurin

Tischler, Fleischer und Friseurin : Die besten Auszubildenden im Handwerk

Janine Klünder, Lennard Althoff und Niklas Stöcker haben ihre Ausbildungen jeweils beim Friseur, Tischler und Fleischer gemacht. Unserer Redaktion haben sie erzählt, warum sie einen handwerklichen Beruf gewählt haben und wie sie zu ihren Ausbildungsstellen gekommen sind.

Tischler, Fleischer oder Friseur – viele junge Menschen entscheiden sich oft gegen einen handwerklichen Beruf. Im Bergischen Land dagegen wurden am 26. Juni 32 junge Handwerker und Handwerkerinnen und 42 Tischlergesellen losgesprochen, darunter sechs aus Wermelskirchen, wie die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land mitteilte.

Die 31-jährige Janine Klünder aus Wermelskirchen ist eine von ihnen. Sie hat mit der Lehre im Friseursalon Coiffeur Steffens bereits die zweite Ausbildung in ihrem Leben absolviert, Klünder ist schon gelernte Verkäuferin, nach ihrer Ausbildung zur Verkäuferin hat sie acht Jahre lang in dem Beruf gearbeitet und sich dann umorientiert. In dem Friseursalon von Ramona Müller war sie eine von sieben Auszubildenden in ihrem Jahrgang und absolvierte die Lehre mit der Note „gut“. Dass sie nun von dem Betrieb übernommen wurde, freut sie sehr. „Durch mein auffälliges Aussehen habe ich damals nach meiner Arbeit als Verkäuferin erst nichts gefunden“, berichtet Klünder, die an beiden Armen stark tätowiert ist, Piercings und rote Haare trägt. „Vom Jobcenter wurde mir dann angeboten, dass ich noch eine zweite Ausbildung machen könnte, die zur Friseurin. Ich wollte schon immer Friseurin werden, das ist mein Traumberuf“, erzählt sie.

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Dass die Wermelskirchenerin offenbar Talent für diesen Beruf hat, bestätigt ihre Vorgesetzte. „Frau Klünder ist stets motiviert, engagiert und hat nie der Arbeit gescheut. Sie hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe, sie sieht mit eigenen Augen, welche Sachen zu erledigen sind, ohne, dass man sie groß darauf hinweisen muss“, meint Ramona Müller.

Dass Ramona Müller, Inhaberin des Coiffeur Steffens, nun eine Gesellin übernommenn hat, freut sie sehr. Denn momentan sei es sehr schwierig, Nachwuchs zu finden. „Das Interesse bei den jungen Menschen für einen handwerklichen Beruf ist leider nicht groß.“ Daher wünscht sich Müller, dass etwas getan werde. „Ob durch die Schulen oder die Medien, irgendwo muss man die jungen Leute abholen und das Handwerk wieder attraktiver gestalten. Fachkräfte werden dringend gesucht.“

So viel Glück, seinen ehemaligen Auszubildenden zu behalten, hatte die Tischlerei Riedesel nicht. Dort hat Niklas Stöcker seine Ausbildung absolviert und war sogar Prüfungsbester, wechselte danach aber den Betrieb. Der 21-Jährige habe von einem Kumpel von einem anderen Betrieb erfahren und verließ die Tischlerei in Wermelskirchen, wie sein ehemaliger Ausbilder, Stefan Riedesel erzählt. „Ich hätte ihn natürlich gerne behalten, aber man kann ja keinen zwingen“, meint dieser. Der Inhaber der Tischlerei zieht ein positives Resümee aus der Zusammenarbeit mit Stöcker. „Wir waren sehr zufrieden mit ihm, er war auch sehr arbeitswillig und hat sich gut ins Team eingebunden, das war okay.“

Stöcker hatte sich seine Ausbildung etwas anders vorgestellt. „Ich habe damals während der Schulzeit schon ein Praktikum in der Schreinerei gemacht. Ich wollte etwas mit Holz machen.“ Während der Lehre stellte Stöcker dann aber fest, dass die Ausbildung mehr mit Montage zu tun hat. „Ich habe viele Türen und Fenster eingebaut und viele Böden gemacht. Mein Gesellenstück war dann tatsächlich mein erstes Stück aus Holz, das war eine Kommode.“

Ein Handwerk, das etwas von der Norm abweicht, ist das Fleischern. Die Fleischerei Sachser, ein Betrieb mit jahrzentelanger Tradition, bildete in den vergangenen zweieinhalb Jahren den heute 18-jährigen Lennard Althoff aus, bevor er danach zur Fleischerei Daum und Eickhorn wechselte. „Darüber bin ich ein bisschen traurig“, erzählt der 64-jährige Inhaber Dirk Sachser. „Der Junge hat schon ein Praktikum bei uns gemacht, bevor er in die Lehre ging“, berichtet er weiter. „Er hatte ein starkes Interesse an unserem Beruf.“

Daher haben Sachser und sein Sohn den Wermelskirchener ausgebildet. Normalerweise dauert die Ausbildung zum Fleischer drei Jahre und ist mit einem Hauptschulabschluss möglich. Aufgrund seines Realschulabschlusses beendete Althoff diese jedoch bereits früher. Die Prüfung bestand er am Ende mit den besten Bewertungen seines Jahrgangs, Althoff wurde zudem Innungsbester der Region Bergisches Land.

Sachser war daher sehr zufrieden mit seinem ehemaligen Lehrling, der mittlerweile die Meisterschule besucht. Für Althoff stand auch schon lange fest, dass er einmal eine Ausbildung zum Fleischer machen wird: „Ich bin in den Beruf quasi rein geboren, wir hatten früher auch eine kleine Landwirtschaft, das heißt, mein Vater hatte eine Wanderschäferei mit knapp über 100 Schafen. Daher bin ich früh an diese Selbstvermarktung gekommen und habe aus diesem Grund auch ein Praktikum bei der Fleischerei gemacht.“

Darüber, dass ein weiterer junger Mensch diesen Weg einschlägt, ist sein ehemaliger Ausbilder Sachser froh, auch, wenn er Althoff nicht mehr weiter betreut. Denn auch der Fleischer hat ein Problem, Nachwuchs zu finden. Der Beruf des Fleischers sei ein ehrenhafter Job, „nur macht das heute keiner mehr, weil diese handwerklichen Arbeiten mit Samstags- und Sonntagsarbeit verbunden sind.“

Gerade der Beruf des Fleischers sei auch ein sehr vertrauenswürdiger, da man „dem Fleischer quasi aus der Hand“ esse, wie Schlachtermeister Dirk Sachser meint, und daher die Beziehung zwischen Verkäufer und Kunden stimmen müsse. Er hofft, dass er demnächst neuen Nachwuchs findet.