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Edi Tusch hat jetzt vorübergehend in Viersen einen Drive-in mit Backfisch und Currywurst

Imbiss in Viersen : Schausteller Tusch eröffnet Drive-in

Stadtfest, Kirmes, Mainacht: Weil Veranstaltungen abgesagt sind, verliert Edi Tusch wichtige Einnahmequellen. Einen seiner Imbisswagen hat er jetzt zum Drive-in umfunktioniert, damit er endlich wieder arbeiten kann.

Der Geburtstag fängt ruhig an. Edi Tusch sitzt an diesem Dienstagvormittag rittlings auf einer Holzbank neben seinem Haus in Viersen in der Sonne, ab und zu entdeckt ihn aus der Ferne ein Passant oder Nachbar, winkt, ruft „Herzlichen Glückwunsch!“. Tusch winkt zurück, ruft „Danke!“. Der jetzt 54-Jährige ist bekannt in der Stadt, als  Caterer, Veranstalter, Schausteller. Mit seinen Imbisswagen ist er auf Schützen- und Stadtfesten in Viersen ebenso vertreten wie auf der kleinen Dorfkirmes, dem beschaulichen Pfarrfest und dem großen Schöppenmarkt. Jetzt würde eigentlich für ihn die Saison richtig anlaufen. Doch wegen der Corona-Krise musste Tusch nun sein Geschäftsmodell ebenso kurzfristig ändern wie seine Geburtstagspläne: Statt mit Frau Dani und Freunden zu feiern, wird er ab nachmittags in seinem neuen Drive-in an der Theke stehen.

Seit Mitte März kann Tusch, der aus einer Schaustellerfamilie stammt, nicht mehr wie gewohnt arbeiten. Vier bis fünf Schaustellerfamilien seien in Viersen aktiv, erzählt er. Auch für seine Kollegen gilt: So lange Veranstaltungen verboten sind – derzeit bis zum 31. August – fehlen wichtige Einnahmequellen. Einige Einzelhändler dürfen wieder öffnen, Möbelhäuser auch: Aber die kleine Kirmes unter freiem Himmel, auf der Besucher durchaus Abstand halten könnten, werde verboten, sagt Tusch. „Das ist für unsere Branche schwer verständlich. Man könnte auch dort Hygienestationen aufbauen“, ergänzt er.

„Normalerweise bin ich am Wochenende mit zwei, drei Wagen unterwegs“, sagt Tusch. Zwei gebuchte Catering-Jobs mit 100 und 200 Personen seien abgesagt, zusätzlich fallen die „Weiße Mainacht“ auf dem Remigiusplatz, die er sonst für mehrere Hundert Besucher ausrichtet, und sein Vatertags-Treff „Ride on Rickhof“ in ähnlicher Größenordnung aus. Wie lange er in dieser Lage geschäftlich durchhalten kann? „Schwer zu sagen. Aber ich bin optimistisch, dass es nach dem 31. August wieder los geht.“ Sein Drive-in verschafft dem 54-Jährigen zwar Einnahmen, aber seine Verluste kann er so nicht ausgleichen. Er habe auch schon Soforthilfe beim Land beantragt, erzählt Tusch.

Am Karfreitag hat der Viersener zum ersten Mal den Drive-in an der Straße Hülsdonk geöffnet. „Ich bin froh, dass ich eine Möglichkeit gefunden habe, selber Geld zu verdienen und wieder zu arbeiten“, sagt Tusch. Die Genehmigung sei sehr zeitnah erteilt worden, „die Stadt Viersen hat da richtig schnell mitgespielt“, lobt er. An Karfreitag lockte Tusch die Kunden vor allem mit Backfisch, auf der Straße habe sich zwischenzeitlich eine Schlange gebildet, erzählt er.

Dienstags bis freitags dürfen die Kunden ab nachmittags an der Theke vorfahren. Backfisch können sie nur freitags bestellen, sonst die anderen Imbiss-Klassiker wie Reibekuchen, Currywurst, Hähnchen und Pommes. „Sie müssen nicht aussteigen. Viele schwatzen mit mir durchs offene Fenster, bis das Essen fertig ist.“ Das stelle er dann meistens verpackt auf den Rücksitz. Gezahlt werde in bar, nach jedem Abkassieren desinfiziere er sich die Hände. Bis zu etwa 30 Gäste habe er täglich, die Freitage seien besonders beliebt. Wenn sehr viel zu tun sei, helfe ihm in der Regel seine Frau Dani – sie hat Zeit, weil sie ihren Friseursalon coronabedingt noch nicht wieder öffnen darf.

Mittags beginnt er mit den Vorbereitungen wie Hähnchen backen, Kartoffeln reiben, Knoblauchsoße anrühren. „So um 16 Uhr gehe ich dann raus“, sagt Tusch. Den zum Drive-in umfunktionierten Imbisswagen erkennen vermutlich viele Kunden wieder, „er steht sonst auf Stadtfesten“, erläutert er. Tusch arbeitet darauf hin, dass die Kunden einen seiner Wagen bald auch wieder in der Viersener Fußgängerzone sehen werden: „Ich habe einen Antrag bei der Stadt gestellt“, sagt er. Dort mit dem Verkauf zu starten, sei aber erst sinnvoll, wenn das Kontaktverbot aufgehoben sei. Im September möchte er dann am liebsten wie gewohnt weiter machen: „Ich hoffe auf die Herbstkirmes in Süchteln und die Rocknacht in der Alten Papierfabrik.“