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Im Juni fällt die Entscheidung über die Haaner Kirmes

Krisentreffen : Haaner Kirmes: Entscheidung im Juni

Organisator Rainer Skroblies sieht die Chance für das Spektakel zwar nicht sehr optimistisch, aber auch nicht bei Null.

In den sozialen Medien wird es bereits rauf und runter diskutiert:  Das Münchener Oktoberfest abgesagt – da sei es doch wohl unvermeidlich, dass auch die Haaner Kirmes in diesem Jahr vom Festkalender gestrichen werden müsse, argwöhnen einige. Schließlich lägen beide Volksfeste im gleichen Zeitkorridor.

Rainer Skroblies beteiligt sich an dieser Diskussion nicht. Der „Vater“ der Haaner Kirmes, der das Festival seit 18 Jahren für die Stadt organisiert, hält überhaupt nichts vom Oktoberfest-Vergleich: „Bei der Wies’n reden wir von einem Massenspektakel, das Millionen Menschen aus aller Herren Länder anzieht, die dann in Festzelten zu Tausenden dicht an dicht sitzen“, sagt er. Teilweise müsse schon jetzt mit ersten Aufbauten begonnen werden: „Dass so etwas bei der derzeitigen Unsicherheit nicht durchgezogen werden kann, lässt sich denken.“

Ganz anders die Haaner Kirmes: „Hier reden wir von einer reinen Freiluftveranstaltung, bei der zwar bereits 95 Prozent der Verträge abgeschlossen sind – deren Aufbau aber binnen weniger Tage über die Bühne geht“, sagt der städtische Ordnungsamts-Vize.

Dann fügt er den wichtigen Satz hinzu: „Wir werden uns Anfang Juni mit allen Beteiligten zusammensetzen – Polizei, Feuerwehr, Sicherheitsdienst und Schausteller. Dabei prüfen wir dann, was geht.“ Bis zum 31. August dürfen per Behördenerlass im ganzen Land keine Volksfeste stattfinden. Sollte dieser Erlass danach gelockert werden oder wegfallen, hätte die Haaner Kirmes vielleicht noch eine Chance.

Auf den Erörterungstermin im Juni setzen Oliver Wilmering und seine Kollegen große Hoffnungen. Der 41-Jährige ist Vorsitzender des Schaustellerverbandes Düsseldorf. Er sagt: „Für viele von uns ist die Haaner Kirmes eine Art Hoffnungspunkt. Denn die letzten Einnahmen aus Veranstaltungen stammen bei den meisten noch aus dem Weihnachtsgeschäft. Da hängen richtig Existenzen dran.“

Wilmering und seine Familie gehören seit vielen Jahren zur Stammbesetzung in Haan. Sein Vater Dieter, der im vergangenen Jahr verstarb, war bereits in den ersten Kirmes-Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinem„Glückshaus“ dabei. Jetzt betreibt Olivers Bruder die Losbude. Er selbst bereichert den gastronomischen Bereich mit seinem Imbiss, und auch der Brezelstand ist im Familienbetrieb.

Gemeinsam mit anderen kleineren Buden versucht der Schausteller zurzeit ein Konzept umzusetzen, das eine Art dauerhaften Wochenmarkt in größeren Städten über die Sommermonate hinweg beinhaltet. Dann fielen zumindest die gastronomischen Anbieter nicht auf Null.

Wilmering nennt allerdings auch das Beispiel eines Kollegen, der gerade erst 2,5 Millionen Euro in sein neues Fahrgeschäft investiert hat. „Der verdient im Augenblick keinen Cent, um diese Ausgabe wieder hereinzuholen. Und er ist längst nicht der einzige.“

Eine Haaner Kirmes im September wäre zumindest etwas „fürs Gemüt“, betont der Schausteller-Chef: „Denn die Atmosphäre hier ist herzlich und familiär. Das tut uns allen gut.“

Fürs wirtschaftliche Überleben sei jetzt aber Vater Staat gefragt – und zwar nicht mit Krediten, sondern handfesten Zuschüssen. Andernfalls wäre so manches Kirmesspektakel künftig in Gefahr, nicht nur das Haaner. „Ohne Hilfe“, sagt Wilmering, „ gehen 80 Prozent der Schausteller pleite.“