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Arbeitskreis des Vereins für Heimatpflege Viersen arbeitet fleißig am neuen Buch

Heimatkunde in Viersen : Wie Detektive alte Spuren nachzeichnen

Eine Gruppe des Heimatvereins arbeitet Woche für Woche daran, historische Fotos zu finden und zu beschriften.

Die 16 Männer und Frauen begutachten jedes Bild ganz genau. Mal sind Viersener Straßenzüge mit Geschäften auf die Leinwand im Lesesaal des Kreisarchivs projiziert, mal Farbriken, Wohnhäuser oder Hotels. Rund 100 historische Fotos und Postkarten sehen die Mitglieder des Arbeitskreises Bildrecherche und -dokumentation an diesem Nachmittag, zu fast jedem Motiv kann mindestens einer aus der Gruppe etwas erzählen. Die Mitglieder wissen, wer wann wo welche Kneipe hatte, wie einst der Frisörladen an der Ecke hieß, zu welchen Fabriken die abgebildeten Schornsteine gehörten. Arbeitskreisleiter Frank Brüggen hört aufmerksam zu und macht sich Notizen. Denn er arbeitet mit an einem neuen Buch über Viersen-Rintgen, und die etwa 800 Bilder darin sollen natürlich so genau wie möglich beschrieben werden.

Seit 2009 ist Brüggen Mitglied des Arbeitskreises, der zum Verein für Heimatpflege Viersen gehört. Dessen Vorsitzender Albert Pauly habe damals die Idee gehabt, ein Buch über die Geschichte des Viersener Ortsteils Rintgen herauszubringen, erzählt der 76-Jährige – daran wollte er mitarbeiten. Es folgten ein Buch über Viersen-Dorf und eins über Viersener Straßenbilder, als nächstes erscheint nun wieder eins über Rintgen. „Wir haben seit dem ersten Buch so viele neue Informationen bekommen, zum Beispiel über Vereine, den Karneval und die Kirmesgeschichte“, sagt Brüggen. Der neue Band werde also keine erweiterte Neuauflage sondern ein neues Buch. „Es soll Ende des Jahres rauskommen.“ Brüggen verfasst dafür die Texte. Geplant sind 800 Seiten, „drei Viertel der Publikation sind schon fertig“, erzählt er.

Frank Brüggen leitet die Gruppe des Vereins für Heimatpflege Viersen. Er ist auch Teil des Redaktionsteams, das am neuen Buch arbeitet. Foto: Nadine Fischer

Seit 2018 arbeitet ein kleines Redaktionsteam des Arbeitskreises, zu dem auch Brüggen gehört, an dem Werk. Vier bis fünf Mitglieder treffen sich jeden Montag im Lesesaal des Kreisarchivs in Viersen, Unterstützung bekommen sie einmal im Monat in großer Gruppe von den anderen Mitgliedern des Arbeitskreises. „Der Arbeitskreis arbeitet uns inzwischen zu“, erläutert Brüggen. Diese Monatstreffen dienten auch dazu, zu prüfen, ob die Rechercheergebnisse des Redaktionsteams richtig sind: Ist das abgebildete Auto tatsächlich das vermutete Modell aus der vermuteten Zeit? Stimmen die recherchierten Namen der Geschäftsleute und Gastronomen?

Derzeit befassen sich die Ehrenamtler unter anderem mit Abbildungen von der Großen Bruchstraße und der Heierstraße aus den vergangenen 130 Jahren. „Ich bin an der Heierstraße aufgewachsen“, erzählt Brüggen, der seit 1980 in Grefrath wohnt. Doch nicht nur das macht für ihn den Reiz an der Recherche aus: „Alte Spuren nachzuzeichnen, macht Spaß“, sagt er. „Es ist auch immer wieder schön zu sehen, dass die Arbeit von der Bevölkerung honoriert wird.“

Montags trifft sich das Redaktionsteam für etwa zweieinhalb Stunden im Archiv, durchforstet Bücher, Ordner und Zeitungsartikel auf der Suche etwa nach neuen Informationen über Viersen-Rintgen, nach bisher nicht bekannten Fotos und nach Bildern, auf denen bekannte Persönlichkeiten zu sehen sind. „Wir blättern viel, kopieren uns die Sachen und machen dann zu Hause weiter“, erzählt Brüggen. Dort werden auch Fotos ausgewertet, die Privatleute dem Arbeitskreis oder dem Heimatverein zukommen lassen. Zehn bis zwölf Stunden pro Woche verbringt der ehemalige Berufskolleg-Lehrer für Fremdsprachen mit Recherche. Was das Redaktionsteam herausfindet, schreibt er auf und trägt es in den großen Monatssitzungen vor. Wie Brüggen gehört Beatrix Wolters zum kleinen Redaktionsteam. Seit 2016 ist die 57-Jährige dabei, wie Brüggen lebt sie mittlerweile nicht mehr in Viersen. Montags fährt Wolters von ihrem Wohnort in der Nähe von Aachen in ihre alte Heimat und recherchiert im Archiv. Alte Fotos und Schriften zu finden und auszuwerten, „ist im Prinzip wie Detektivarbeit“, sagt sie. Für Brüggen und sie ist es spannend, Puzzleteile zusammenzufügen, Rätsel zu lösen. Das gelingt natürlich nicht immer – aber auch Rückschläge gehören eben dazu.