Solingen: Das Baugewerbe hat weiter eine gute Konjunktur

Bauwirtschaft : Weiter Hochstimmung im Baugewerbe

Seit vier Jahren haben die Unternehmen des Bauhauptgewerbes eine sehr gute Auftragslage. Die niedrigen Zinsen begünstigen den Boom der Branche, die über Monate hinweg mit Aufträgen eingedeckt ist.

Unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen in der bergischen Region sind weder der Maurer noch andere handwerkliche Berufe zu finden. Für den Bauunternehmer Kai Buschhaus nicht nachvollziehbar, bietet doch gerade das Baugewerbe sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Und die Branche hat nicht nur aktuell, sondern bereits seit gut vier Jahren im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun: „Unsere Konjunktur zeigt weiter nach oben, begünstigt durch die Zinspolitik. Geld kostet zurzeit nichts“, sagt Kai Buschhaus.

Baufinanzierungen mit 0,5 Prozent Zinsen auf zehn Jahre – „jetzt besteht für viele die große Chance, sich Eigentum anzuschaffen“, sagt Buschhaus, der ein Abflachen des Booms nicht sieht. „Der Aufholbedarf ist größer, als das, was sich leisten lässt“, ergänzt Kai Buschhaus mit Blick auf Neubauten, aber auch auf Sanierungen und Reparaturen.

Buschhaus hat sich 1990 mit einem Bauunternehmen selbstständig gemacht. In der Region im Einzugsgebiet Düsseldorf bietet er mit seinen elf Mitarbeitern Hochbau- beziehungsweise Rohbauarbeiten an. „In dem Bereich machen wir alles“, sagt Buschhaus, der auch selbst ausbildet und froh ist, dass sich jetzt ein Abiturient für den Maurer-Beruf in seinem Unternehmen entschieden hat.

Die Auftragslage für das Solinger Unternehmen ist bestens – wie für so viele in der Branche. Sechs Monate Vorlaufzeit bei den Aufträgen sind momentan keine Seltenheit. Von daher ist es für Neukunden nur ratsam, sich rechtzeitig mit ihren Bauvorhaben, sei es nun Neubau oder aber Sanierung /Reparatur, zu melden. „Eine so lange Phase der Hochkonjunktur habe ich noch nie erlebt“, sagt Kai Buschhaus, der sich seit Jahren auch in der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal engagiert und hier das Amt des stellvertretenden Kreishandwerksmeisters bekleidet.

Unternehmen, die nicht selbst ausbilden und somit für die Fachkräfte von morgen sorgen, können nicht so ohne Weiteres angesichts der sehr guten Auftragslage expandieren. „Gut ausgebildete Fachkräfte sind auf dem Markt nicht verfügbar. Wer etwas kann, der hat einen Job“, weiß Kai Buschhaus. Von daher könne man lediglich versuchen, von anderen Unternehmen Fachkräfte abzuwerben. In Solingen vor Ort sind seinen Angaben zufolge etwa zehn Hochbau- und vielleicht fünf Tiefbauunternehmen. Gegenüber früheren Jahren deutlich weniger. „Aber wer heute eine Bauunternehmung neu gründen will, der braucht unter anderen viel Kapital“, sagt Kai Buschhaus.

Fast täglich bekommt der Bauunternehmer Anfragen für neue Projekte. „So zwei oder drei Tagesbaustellen können wir einschieben, aber grundsätzlich müssen wir zunächst immer prüfen, ob die Anfrage zum Zeitraum passt oder aber zum Leistungspekrum.“ Kunden müssten heute Vorlaufzeiten akzeptieren.

Das war nicht immer so in der Baubranche, es gab „denkbar schlechte Phasen“. Buschhaus weiß noch allzu gut von Bieterverhandlungen, die über mehrere Runden gingen und sich die Konkurrenten auf dem Flur trafen. Letztlich bekam das Unternehmen den Auftrag, das preislich Zugeständnisse machte. „Die Margen waren gering, heute sind sie besser“, sagt der Unternehmer.

Zumal es heute vorkommt, dass sich überhaupt kein Unternehmen auf eine Ausschreibung meldet oder aber nur eine Firma. Das liegt an der Auslastung der Baubranche, in der gleichwohl die Personal- und auch Materialkosten gestiegen sind. Die Beteiligung an öffentlichen Aufträgen sieht Buschhaus kritisch: „Die Beteiligung bedeutet einen erheblichen Aufwand für die Unternehmen, außerdem müssen stets neue Verordnungen beachtet und umgesetzt werden.“ Die Baugenehmigungsverfahren könnten nach Meinung des Solinger Bauunternehmers schneller über die Bühne gehen.

Davon lässt er sich aber die Stimmung nicht verderben. Buschhaus freut sich über den anhaltenden Boom: „Wenn die Zinspolitik so bleibt, läuft es weiter gut.“

Mehr von RP ONLINE