Solingen: Burg und Höhscheid seit 1999 ein Stadtbezirk

Rundgang durch den Bezirk Burg/Höhscheid : Die Wupper ist das verbindende Element

Seit 20 Jahren bilden Burg und Höhscheid einen gemeinsamen Stadtbezirk. Höhscheid ist ein beliebtes Wohngebiet, Burg ein Magnet für Touristen.

Einen Ortskern sucht man in Höhscheid vergeblich. „Als in den 1880er Jahren das Höhscheider Rathaus gebaut und kurz danach der Höhscheider Platz angelegt wurde, sollte hier eigentlich ein Ortskern etabliert werden“, sagt Bezirksbürgermeister Axel Birkenbeul (SPD). Die Rechnung der Verantwortlichen im damals noch eigenständigen Höhscheid ging allerdings nicht auf. „Viel mehr entwickelte sich ein reges Geschäftsleben auf der Neuenhofer Straße und der Grünewalder Straße in Richtung Solingen“ erklärt Axel Birkenbeul.

Der einstige Höhscheider Platz heißt seit den 1980er Jahren übrigens Peter-Höfer-Platz, benannt nach jenem Mann (1774-1852), der von 1823 bis 1849 Bürgermeister von Höhscheid war. Überwiegend wird der Platz heute als Parkplatz genutzt, hin und wieder als Veranstaltungsfläche.

Mit Blick auf Neuenhofer Straße und Grünewalder Straße ist der Bezirksbürgermeister beim Rundgang durch den Stadtteil aber grundsätzlich zufrieden. „Hier gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, an diesem Straßenzug gibt es viele gute Geschäfte“, sagt Birkenbeul. Große Discounter, vor allem aber inhabergeführte Geschäfte zählt der Bezirksbürgermeister dazu. Die guten Parkmöglichkeiten entlang des Straßenzugs in Richtung Innenstadt führt Birkenbeul mit für den Erfolg an. Und: „Es gibt nur ganz wenig Leerstand“.

Gleichwohl findet es Axel Birkenbeul äußerst schade, dass der „Andere Laden“ bald Höhscheid den Rücken kehrt und sich in Ohligs (mit reduziertem Sortiment) ansiedelt. Andererseits freut er sich, dass in den derzeit leerstehenden Räumen der Gaststätte Windhövel im Herbst wieder ein Gastronomie-Betrieb einzieht. „Die Höhscheider fühlen sich wohl in ihrem Stadtteil. Man ist in wenigen Minuten im Wald, der Grünzug reicht bis an die Wupper“, sagt der Bezirksbürgermeister und ergänzt: „Das ist eine attraktive Wohnlage“. Zumal Höhscheid geprägt ist durch seine Bachtäler, die die einzelnen Höhenrücken (Katternberg, Höhscheid, Widdert, Südstadt), auf denen der Stadtteil Höhscheid heute dichter besiedelt ist, voneinander trennen. Die drei größten Täler sind das Nacker, das Pilghauser und das Weinsberger Bachtal.

Ein Welt-Unternehmen wie Zwillling ist an der Grünewalder Straße/Lüneschlossstraße in Höhscheid ansässig. Foto: Meuter, Peter (pm)

Wobei Birkenbeul Höhscheid auch als Wohngebiet herausstellt, und hier insbesondere Widdert hervorhebt. Zurzeit ist dort aber längst noch nicht alles Gold, was glänzen sollte. Denn nicht nur die ehemalige Gaststätte Meis an der Börsenstraße steht leer, auch der gegenüberliegende Parkplatz. Das soll sich allerdings ändern: Ein Investor will nicht nur auf dem Meis-Parkplatz Wohnungen bauen, sondern auch ein Baugebiet an der Haltestelle Vockert entwickeln.

Während Höhscheid nun seit 90 Jahren seine Eigenständigkeit verloren hat und seit 1929 ein Stadtteil von Solingen ist, hat sich das kleine Burg lange gegen die Eingemeindung wehren können. Erst 1975 wurde es dem Solinger Stadtgebiet zugeschlagen.

Damalige Abmachung war, dass der Stadtteil Burg eine eigene Bezirksvertretung bekommt – und möglichst behält. Das wurde auch lange Zeit durchgehalten, doch vor gut 20 Jahren war es mit der Burger Eigenständigkeit jedenfalls in Sachen Bezirksvertretung vorbei. „Man hat einige Zeit überlegt, ob Burg nun Höhscheid oder aber dem Stadtbezirk Mitte zugeschlagen wird“, sagt Axel Birkenbeul. Letztlich wurde die Bezirksvertretung Burg/Höhscheid kreiert. „Beide Stadtteile ziehen sich an der Wupper entlang und treffen sich so miteinander. Das ist das verbindende Element“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Axel Birkenbeul, Bezirksbürgermeister von Burg/Höhscheid, im Gespräch mit Morgenpost-Redakteur Uwe Vetter. Foto: Meuter, Peter (pm)

Wobei in Burg im wahrsten Sinne des Wortes derzeit einige Baustellen vorhanden sind, die allerdings intensiv bearbeitet werden. Die Sanierung von Schloss Burg schreitet weiter voran, in Unterburg wird der Hochwasserschutz deutlich verbessert. Auch die Eschbachstraße soll schon bald ein neues „Gesicht“ erhalten. Im Herbst dieses Jahres beginnen hierfür die Bauarbeiten – Verkehrsbehinderungen über Monate hinweg inbegriffen. „Unterburg hat leider einige Gastronomie-Betriebe verloren“, bedauert der Bezirksbürgermeister. Aber nicht nur die: In Oberburg wurde „die gerade auch für Schloss Burg so wichtige Jugendherberge“, so Birkenbeul, vom Jugendherbergsverband 2018 dicht gemacht.

Zwar saß der Bezirksbürgermeister bei den Gesprächen mit der Solinger Rathausspitze und dem neuen Geschäftsführer des Jugendherbergswerks mit am Tisch, eine Entscheidung für eine neue Jugendherberge im Bergischen Land ist aber noch nicht gefallen. Solingen hat einen Alternativstandort in Oberburg dafür angeboten, das bisherige Gelände der Jugendherberge will das Jugendherbergswerk verkaufen. „Die Stadtspitze hat sich für eine Jugendherberge in Oberburg eingesetzt. Allein als Bezirksvertretung können wir jedoch nichts ausrichten, deshalb unterstützen wir die Stadt,“ sagt der Bezirksbürgermeister.

Ob nun mit oder ohne Jugendherberge – „Burg mit dem Schloss ist ein touristisches Highlight – und wird es auch bleiben“, sagt Axel Birkenbeul.

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