Klinikum Solingen fährt Rekordverlust in Millionenhöhe ein

Jahresbilanz : Klinikum schreibt weiter Millionen-Verluste

Alarmstufe Rot im Klinikum: 2018 war das Minus noch größer als in den Vorjahren. Der Umbau des Krankenhauses soll weitergehen.

Die Krise geht unvermindert weiter – und das Klinikum Solingen rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Nachdem das städtische Krankenhaus schon in den zurückliegenden Jahren regelmäßig in eine bilanztechnische Schieflage geraten ist, hat das Haus nämlich auch 2018 einen Millionenverlust eingefahren. Wobei das Defizit noch weit dramatischer ausfällt als gedacht. Denn wie jetzt bekannt wurde, summiert sich das Minus im abgelaufenen Geschäftsjahr auf rund 3,34 Millionen Euro.

Damit unterbietet die Klinikum-Bilanz das ebenfalls schlechte Ergebnis von 2017 um geschlagene 700.000 Euro. Und auch das für das vergangene Jahr gesteckte Ziel wurde um Längen verfehlt, waren die Verantwortlichen im Wirtschaftsplan für 2018 doch zunächst von einem Verlust in Höhe von „lediglich“ 1,48 Millionen Euro ausgegangen.

Entsprechend angespannt ist die Lage im größten Krankenhaus der Klingenstadt. „Der Abgrund ist in Sicht“, sagte der Medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Standl am Mittwoch, nachdem er am Abend zuvor gemeinsam mit dem Kaufmännischen Geschäftsführer Matthias Dargel bereits den Aufsichtsrat sowie den Sozial- und den Beteiligungsausschuss über die jüngste Entwicklung im Kenntnis gesetzt hatte.

Gleichwohl ging es bei diesen Sitzungen nicht allein um Vergangenes. Vielmehr wurde vereinbart, nunmehr mit der Auslagerung der ersten Klinikum-Teile zu beginnen. So sollen das Labor und die Pathologie an einen externen Anbieter gegeben werden, während für die Wäscherei nach wie vor eine Lösung im Rahmen eines Verbundes mit dem Klinikum Leverkusen im Raum steht.

◁ Prof. Dr. Thomas Standl (l.) und Matthias Dargel planen unter anderem Änderungen beim Transport und der Belegung. In der Pathologie könnte es eine Kooperation mit der Uniklinik Köln geben. Foto: Martin Oberpriller

Wann beziehungsweise ob die auf Eis gelegten Gespräche mit dem Krankenhaus der Chemiestadt wieder aufgenommen werden, steht indes nicht fest. Denn zum einen ist eine Fortführung der offiziellen Kooperationsverhandlungen mit Leverkusen aufgrund dortiger Terminvorgaben frühestens nach den Sommerferien denkbar. Zum anderen bleibt aber auch abzuwarten, inwieweit Leverkusen überhaupt bereit ist, an der Zusammenarbeit festzuhalten.

Tatsächlich hatten die Verantwortlichen in der Nachbarstadt die Gespräche Ende Juni bis auf Weiteres ausgesetzt. Allerdings waren auch danach nicht alle Kontakte abgebrochen, sondern informell fortgesetzt worden. Und in der kommenden Woche will Geschäftsführer Dargel zudem ein nächstes Mal mit Leverkusen telefonieren, wobei der Solinger Geschäftsführer, der den Job im Frühjahr als Angestellter der Beratungsgesellschaft zeb (jetzt Curacon) übernommen hatte, nun noch einmal betonte, man wünsche einen Fortgang dieser Verhandlungen.

Was angesichts der aktuellen Klinikum-Zahlen nachvollziehbar ist. Zwar betonte Co-Geschäftsführer Prof. Standl, akut gebe es keine existenzielle Bedrohung. So könnte das Klinikum wohl noch einige Jahre vom Eigenkapital zehren. Indes ist es mittlerweile durchaus „fünf Sekunden vor zwölf“ (Standl), da die Reserven weniger werden und überdies dringend Geld für ­Investitionen gebraucht wird. Dabei ist ein Verbund mit Leverkusen der Plan A. Daneben existieren weitere Optionen, die jedoch laut Geschäftsführung „entschieden härter“ ­ausfallen würden als eine Kooperation.

Es habe sich gezeigt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht reichten, sagte Matthias Dargel. Ziel der Verantwortlichen ist es jetzt, mit moderner Medizin unter anderem verlorene Marktanteile beispielsweise durch neue Patienten in der Region zurückzugewinnen. Denn noch habe das Klinikum „das Heft des Handelns in der Hand“, wie Sozialdezernent Jan Welzel am Mittwoch unterstrich.

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