Poetry-Slam: Lara Jackowiak aus Rheinberg berichtet über ihr Hobby

Poetry-Slammerin aus Rheinberg : Lara, die Wortakrobatin

Gedicht-Analysen fand Lara Jackowiak in der Schulzeit langweilig. Heute tourt sie mit ihren selbst geschriebenen Texten durchs Land. Ihre Bio-Lehrerin begeisterte die 21-Jährige für Poetry Slam.

Sie bringt gerne Menschen zum Lachen, kann aber auch über sich selbst lachen. „Das war schon in der Schule so“, erzählt Lara Jackowiak, die auf dem Amplonius-Gymnasium in Rheinberg ihr Abitur machte, im zweiten Semester in Nimwegen Sozialarbeit studiert und nie gedacht hätte, „dass ich mal durch die Gegend reisen und Poetry Slam machen würde“. Tut sie aber, und zwar erfolgreich. Ihren ersten Auftritt hatte die 21-Jährige im Sommer 2016 im Bollwerk in Moers, „dann ging es in einem durch“. Gerade im Ruhrgebiet ist die Poetry-Szene stark vertreten, in Städten wie Bochum oder Oberhausen treten Dichter regelmäßig immer wieder und an vielen Orten mit ihren kurzen, selbst geschriebenen Texten in einen Wettstreit. Wobei: Ein Streit sei es eigentlich nicht wirklich, sagt Lara Jackowiak: „In der Poetry-Szene geht es freundschaftlich zu. Man ist vernetzt, kennt sich, trifft sich auf Slams, tourt zusammen durch die Lande.

In der Schule sei bei ihr das Interesse geweckt worden – und das, obwohl im Deutsch-Leistungskurs Gedicht-Analysen doch eines der Dinge waren, „die ich überhaupt nicht mochte“. Sprachliche Mittel aus dem Text heraussuchen, „das fand ich schwierig“. Bis zu dem Tag im Jahr 2015, als die Biologie-Lehrerin, die immer Spaß an anderen Lehrmethoden hatte, die Gentechnik mit Hilfe eines Poetry-Slams versuchte zu vermitteln. Und beim Abi-Ball 2016 stand Lara Jackowiak dann im Wort, trug einen Text vor. Das Publikum war begeistert. Auch an der Uni in Nimwegen gibt sie zur Freude ihrer Mitstudenten in Seminaren immer mal wieder Anekdoten zum Besten, auf Niederländisch. „Man hat so viele Freiheiten, ist kreativ,“ beschreibt sie den Spaß am Spiel mit der Sprache. Die Texte entstehen aus Alltagsbeobachtungen, die sie beispielsweise am Bahnhof (sie fährt mit dem Zug nach Nimwegen), an der Uni, im Supermarkt macht. Lustige Beschreibungen, gern aber auch mit einer Botschaft. Wie zum Beispiel der, dass man sich nicht schlecht fühlen sollte, auch wenn man anders ist als andere. Dass man auch etwas verrückt sein darf. Von politischen Themen allerdings, „da halte ich mich fern, die überlasse ich anderen Slammern“, sagt sie.

Lara Jackowiak erzeugt beim Publikum gern Bilder im Kopf. „Ich transportiere mehr als nur eine Wortkette.“ Was sie ärgert, ist, wenn sie Texthänger hat, mit ihrer für sie ganz wichtigen Performance nicht zufrieden ist. Wenn sie merkt, dass sie die Zuhörer nicht so mitziehen konnte, wie sie glaubte. Denn man schreibe zwar für sich selbst, aber „das Publikum gibt einem viel Energie“. Applaus ist das Brot eines jeden Künstlers, auch des Poetry-Slammers, der sich übrigens bei Auftritten immer an die Regeln halten muss: Nicht im Kostüm, sondern in Alltagsklamotten auf der Bühne stehen; das Zeitlimit von fünf bis sieben Minuten pro Text einhalten; nicht zu viel Gesang oder Rap, das gesprochene Wort muss überwiegen; den anderen Slammer und das Publikum immer mit Respekt behandeln.

So wird es die 21-Jährige auch am Freitag, 22. März, halten, wenn sie ab 19 Uhr als eine von sechs Dichtern am Poetry Slam in der Buchhandlung Librarium in Xanten (Marsstraße) teilnimmt. Als Feature-Poetin, so etwas wie eine Einheizerin und Erklärerin. An die Regeln müssen sich auch die Teilnehmer eines Workshops am Amplonius-Gymnasium in Rheinberg halten, wo der Verein MAP zusammen mit der Agentur Wortlaut Ruhr einen Workshop veranstaltet, der am 4. Mai mit einer großen Abschlussveranstaltung endet. Die Kontakte hat Lara Jackowiak als Mitglied von MAP hergestellt. „Es freut mich, dass da, wo ich angefangen habe, jetzt in Poetry investiert wird.“